Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Wochen damit, mein Depot etwas breiter aufzustellen. Bisher halte ich hauptsächlich Aktien und parke einen Teil auf Tagesgeldkonten, wo die Zinsen zuletzt ja wieder etwas nachgegeben haben. Deshalb überlege ich, ob Agrarrohstoffe – konkret Weizen – als Diversifikationsbaustein Sinn machen könnten.
Meine Überlegung: Weizen hat eine gewisse Unabhängigkeit zu klassischen Aktienmärkten, zumindest in der Theorie. Was mich aber unsicher macht, ist die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt. Wir haben gerade Juni 2026, also mitten in der Erntesaison in Europa und Nordamerika. Ich habe gelesen, dass die Weizenpreise saisonal oft um die Ernte herum unter Druck geraten, weil das Angebot steigt – aber stimmt das wirklich so zuverlässig?
Außerdem frage ich mich, ob es bei Weizen überhaupt sinnvoll ist, über einen ETF einzusteigen oder ob man da direkt über Zertifikate gehen sollte. Rollkosten bei Futures-basierten Produkten sind mir als Thema bekannt, aber ich bin mir nicht sicher, wie stark die bei Weizen konkret ins Gewicht fallen verglichen mit anderen Rohstoffen.
Ich denke an einen Anteil von vielleicht 5-8% im Depot, nicht mehr. Hat jemand damit praktische Erfahrung und kann mir sagen, worauf ich beim Einstieg besonders achten sollte?
Hallo,
aus meiner Beratungspraxis kann ich sagen: Die saisonale These bei Weizen stimmt tendenziell, aber sie ist alles andere als zuverlässig. Geopolitische Ereignisse, Dürren oder Exportbeschränkungen einzelner Länder können den Preisdruck zur Ernte komplett überlagern – wie wir das ja zuletzt immer wieder gesehen haben.
Was die Produktwahl angeht: Bei meinen Klienten empfehle ich bei Agrarrohstoffen grundsätzlich, die Rollkosten sehr ernst zu nehmen. Bei Weizen können die je nach Marktstruktur (Contango) schon merklich auf die Rendite drücken – teilweise mehrere Prozentpunkte im Jahr. Ein ETF auf einen breiten Agrarrohstoffindex wäre da oft sinnvoller als ein reines Weizen-Produkt, weil das Risiko besser verteilt ist.
Deine geplanten 5-8% halte ich für vertretbar als Beimischung. Aber ehrlich gesagt: Wer wirklich nur Diversifikation sucht, findet die oft mit weniger Komplexität – zum Beispiel über breitere Rohstoff-ETCs. Weizen allein ist schon eine sehr spitze Wette.