Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Monaten intensiver mit dem Rohstoffbereich und stehe gerade vor einer Entscheidung, bei der ich einfach nicht weiterkomme. Konkret geht es darum, ob ich lieber gezielt in einzelne Rohstoff-Unternehmen investieren soll oder ob ein ETF die sinnvollere Wahl wäre.
Mein Gedanke bei Einzelaktien: Ich kann gezielt auf Unternehmen setzen, bei denen ich eine klare Meinung habe – z.B. weil die Förderkosten niedrig sind oder das Geschäftsmodell solide wirkt. Andererseits ist das Risiko natürlich höher, wenn ein einziger Konzern in Schwierigkeiten gerät (Stichwort politische Risiken, Lieferketten usw.).
Ein ETF ist diversifizierter, klar, aber ich habe das Gefühl, dass ich da manchmal auch viel Ballast mitbekomme – Unternehmen, die ich gar nicht haben will. Außerdem weiß ich nicht, wie gut die Abbildungsqualität bei exotischeren Rohstoff-ETFs wirklich ist.
Ich bin kein Profi, lese mich aber gerne ein. Mein Zeithorizont ist so 8-12 Jahre, ich will keine wilden Zocks, aber auch nicht zu defensiv sein.
Wie macht ihr das? Reine ETF-Lösung, reine Einzelwerte oder ein Mix? Und wenn Mix – wie ungefähr aufteilen? Würde mich über konkrete Erfahrungen freuen, nicht nur Theorie.
Danke schonmal!
Marcus
Wie Markus oben schreibt, ist die ETF-Basis eigentlich das Vernünftigste – dem kann ich als jemand, der das Ganze etwas ruhiger angeht, nur zustimmen. Ich selbst hab irgendwann aufgehört, einzelne Minenaktien zu jagen. Der Aufwand steht nach meiner Erfahrung in keinem guten Verhältnis zum Ergebnis, jedenfalls nicht wenn man kein tägliches Auge drauf haben will. Gerade jetzt im Sommer, wenn man eh lieber andere Dinge macht, merkt man wie schnell man Meldungen verpasst die relevant gewesen wären.
Ich mach das schon länger so: ETF als Basis, Einzelwerte obendrauf – aber nur wenn ich wirklich eine konkrete Einschätzung zum Unternehmen habe, nicht nach Bauchgefühl.
Dein Punkt mit dem 'Ballast' in ETFs stimmt so halb. Ja, du hast immer Werte dabei, die du nicht unbedingt willst. Aber die Abbildungsqualität bei den großen Anbietern (Xtrackers, iShares etc.) ist bei Standard-Rohstoff-ETFs eigentlich ziemlich solide – das ist kein echtes Problem mehr wie vor 10 Jahren. Bei sehr nischigen Produkten, z.B. auf einzelne Seltene Erden oder Mini-Sektoren, würde ich allerdings genauer hinschauen. Swap-basiert oder physisch replizierend macht da einen Unterschied, und die Liquidität ist bei manchen Nischen-ETFs wirklich mager.
Bei Einzelaktien – und da spreche ich aus eigener Erfahrung – unterschätzst du leicht den Aufwand. Quartalsberichte lesen, Währungsrisiken einschätzen (viele Miner laufen in USD oder AUD), politische Lage im Förderland im Blick behalten... das ist schon Arbeit. Ich hab das früher auch parallel zu Selbstständigkeitsthemen gemacht, da kommt schnell was unter die Räder.
Für deinen Zeithorizont (8-12 Jahre) würde ich sagen: 60-70% ETF-Basis, der Rest in max. 3-4 Einzelwerte wo du dir wirklich sicher bist. Aber das ist kein Rat, nur wie ich es angehen würde.