Guten Tag zusammen,
nachdem ich jetzt seit ein paar Jahren im Ruhestand bin, habe ich etwas mehr Zeit mich um mein Depot zu kümmern. Ich bin kein großer Spekulant, aber die ganze Diskussion um Seltene Erden lässt mich nicht los. Vor allem die Abhängigkeit von China macht mir Sorgen – das hört man ja überall, und gerade in letzter Zeit mit den ganzen Handelsspannungen wird das immer brisanter.
Mein eigentliches Problem: Ich verstehe nicht so ganz, wie man das als normaler Privatanleger konkret absichern kann, ohne das China-Risiko vollständig zu meiden (was ja bedeuten würde, das Thema ganz zu lassen). Ich habe einen kleinen Betrag – vielleicht 5.000 bis 8.000 Euro – den ich gezielt in diesem Bereich anlegen würde, aber eben mit etwas weniger China-Klumpenrisiko.
Gibt es da realistische Möglichkeiten? Ich denke an Unternehmen außerhalb Chinas, die Seltene Erden fördern oder verarbeiten, oder vielleicht irgendwelche Fonds die das berücksichtigen. Aber wie bewertet man da das politische Risiko in Ländern wie Australien, Kanada oder auch Afrika?
Mir ist Kapitalerhalt wichtiger als maximale Rendite – ich bin Rentner und brauche keine wilden Zockereien. Habt ihr da praktische Erfahrungen oder Empfehlungen? Ich sitze gerade im Garten, es ist schönes Wetter, und trotzdem kreisen die Gedanken ums Depot 😄
Vielen Dank im Voraus
RentnerPlan52
Hab mich mit dem Thema Tagesgeld vs. Rendite viel beschäftigt (Notgroschen 3,5% Tagesgeld vs. Geldmarkt-ETF - lohnt Wechsel noch?) und da stellt sich mir bei deiner Frage ehrlich gesagt die grundsätzlichere Frage: Brauchst du das wirklich?
Bei 5-8k und Kapitalerhalt-Fokus – da würde ich nüchtern rechnen was du wirklich erwartest. Seltene Erden sind kein defensives Investment. Das ist ein politisch sensitiver, illiquider Nischenmarkt wo selbst Profis regelmäßig falsch liegen.
Wenn es dir um China-Risiko-Absicherung im Portfolio geht, gibt es deutlich entspanntere Wege. Breite Rohstoff-Exposure ohne China-Übergewicht, oder einfach die Position so klein halten dass ein Totalverlust in einem Sektor das Gesamtdepot nicht merklich trifft.
Ich will nicht alles zerreden – das Thema ist interesting und der geopolitische Rückenwind für westliche Produzenten ist real. Aber geh da mit klaren Augen rein, nicht mit dem Gefühl du müsstest was absichern. Manchmal ist weniger Position die beste Absicherung.
Kurz und direkt: Vollständig ohne China-Risiko geht nicht, das ist Wunschdenken. Aber reduzieren ist möglich. MP Materials ist mein persönlicher Favorit wenn mans auf Einzeltitel reduzieren will – die haben das stärkste politische Rückenwind aus Washington aktuell.
Ich seh das etwas anders als Stefan oben – ich glaube man sollte ehrlicher sein was Australien und Kanada angeht. Das politische Risiko dort ist tatsächlich deutlich geringer als in vielen anderen Ländern, und der Reifegrad von Lynas etwa ist wirklich beeindruckend. Die haben jetzt eine eigene Cracking-and-Leaching-Anlage in Malaysia und bauen gerade US-Kapazitäten auf.
Aber zur eigentlichen Frage von RentnerPlan52: Bei deinem Anlagehorizont und Risikoprofil würde ich erstmal grundsätzlich fragen ob Seltene Erden als Direktinvestment das Richtige sind. Das ist ein sehr volatiles, schwer einschätzbares Segment. Preise für einzelne Elemente können sich innerhalb eines Jahres halbieren oder verdoppeln – komplett unabhängig davon was das Unternehmen selbst macht.
Für 5-8k mit Kapitalerhalt-Fokus: Wenn überhaupt, dann maximal 20-25% des Gesamtdepots in sowas, und wirklich nur wenn du bereit bist, da mehrere Jahre dranzubleiben ohne in Panik zu verkaufen. Ich hab selbst schon erlebt, dass gut recherchierte Positionen plötzlich um 40% weggebrochen sind, nur weil China kurz die Exportmengen verändert hat.
Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit DCA-Strategien bei Rohstoffwerten (DCA bei Einzelaktien: Was passiert wenn das Unternehmen fundamental kippt?) und kann dazu was sagen.
Das Problem mit Seltenen Erden außerhalb Chinas ist nicht nur die Verarbeitung – es ist auch die Projektlaufzeit. Viele der westlichen Minen sind noch in der Explorationsphase oder haben erst kürzlich Produktion aufgenommen. Da können 3-5 Jahre vergehen bis ein Projekt wirklich Cash generiert. Für einen Rentner, der Kapitalerhalt anstrebt, ist das eine wichtige Variable.
Lynas ist tatsächlich der einzige wirklich etablierte außerchinesische Produzent mit laufendem Betrieb und vertretbarer Bilanz. MP Materials wächst, hat aber noch erhebliche Schulden.
Mein Tipp: Wenn du wirklich einsteigen willst, dann schau dir auch den EU Critical Raw Materials Act und die daraus entstehenden Fördermechanismen an. Es gibt erste europäische Projekte (z.B. in Schweden, Estland) die interessant werden könnten – aber da reden wir von 2028+ als Produktionsstart. Für kurzfristige Anleger uninteressant, mittelfristig aber spannend.
Und nochmal zur Kernfrage: 'Absichern' gegen China-Abhängigkeit ist eher eine Diversifikation des politischen Risikos als eine echte Absicherung. Das sollte man sich klarmachen bevor man kauft.