Hallo zusammen,
ich verfolge die Lage bei den chinesischen Exportbeschränkungen jetzt schon eine Weile und ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr so genau, wie ich mein Depot da sinnvoll aufstellen soll. Die Liste der betroffenen Materialien wird ja gefühlt jedes Quartal länger – Gallium, Germanium, jetzt noch weitere Zwischenprodukte. Ich halte aktuell ein paar Positionen in Unternehmen, die auf Materialien aus chinesischer Produktion angewiesen sind, und frage mich: wie geht ihr damit um?
Meine konkrete Frage ist weniger 'was kaufe ich stattdessen' (dazu gibt's hier schon viele Threads), sondern eher: wie steuert ihr das Risiko aktiv? Ich denke gerade über Put-Optionen nach auf bestimmte ETFs, bin aber unsicher ob das bei so einem träge verlaufenden geopolitischen Thema überhaupt Sinn macht. Oder eher Beimischung von Produzenten außerhalb Chinas als strukturellen Schutz?
Alternativen wie australische oder kanadische Minenunternehmen habe ich schon auf dem Radar, aber viele sind halt kleine Caps mit eigenen Risiken. Ich mache das alles nebenbei, bin kein Vollprofi – daher suche ich nach Ansätzen, die nicht zu viel aktives Management erfordern.
Freue mich auf eure Einschätzungen!
Marco
Ich hab über den Sommer tatsächlich ein bisschen Zeit gehabt das mal durchzurechnen (Klimaanlage läuft, draußen ist es kaum aushaltbar 😅) und muss sagen: für einen normalen Privatanleger ohne tägliches Monitoring ist ein strukturierter Ansatz mit festen Quoten am sinnvollsten.
Konkret: ich leg für mich fest, wieviel Prozent meines Rohstoffanteils maximal in China-abhängige Positionen fließen darf – bei mir sind das 30%. Den Rest halte ich in breiter gestreuten Produkten oder Unternehmen mit anderen Lieferketten. Das ist simpel, erfordert kein täglicges Nachschauen und gibt mir trotzdem ein gutes Gefühl.
Was Puts angeht: hab das mal probiert, aber die Prämien fressen bei so einem trägen Thema einfach zu viel. Da stimme ich T.Brinkmann99 zu. Lieber die Quoten sauber halten.
Kurz gesagt: Optionen auf ETFs bei geopolitischen Themen sind für Privatanleger meist eine Geldvernichtungsmaschine. Die Profis auf der anderen Seite der Trade wissen fast immer mehr und die Prämien sind entsprechend eingepreist. Lass das sein und setz lieber auf saubere Positionsgrößen.
Gute Frage, ich hab mich das selbst schon öfter gefragt. Puts auf betroffene ETFs klingt verlockend, aber du hast Recht – bei geopolitischen Themen, die sich über Monate oder Jahre hinziehen, zahlt man die Prämien einfach leer und nichts passiert. Timing ist da fast unmöglich.
Ich mache das bei mir eher strukturell: ich hab einen Teil des Rohstoff-Anteils bewusst in Unternehmen umgeschichtet, die entweder recycelte Materialien verarbeiten oder ihren Abbau in politisch stabileren Regionen haben – Australien, Kanada, Teile Skandinaviens. Das reduziert das direkte China-Exposure ohne ständiges Nachsteuern.
Was ich dir noch mitgeben würde: schau mal, welche deiner aktuellen Positionen wirklich direkt von chinesischen Exporten abhängen (also nicht nur Abbau, sondern auch Verarbeitung). Da liegt oft das eigentliche Risiko, nicht beim Abbau selbst. Das ist ein bisschen Recherche, aber dann siehst du klarer wo du wirklich exponiert bist.
Ich verfolge das Thema schon länger und hab festgestellt: wer breit diversifiziert ist, muss hier eigentlich gar nicht so viel aktiv steuern. Ich selbst hab den Rohstoffanteil in meinem Depot nie auf einzelne Materialien oder Regionen konzentriert, genau weil solche Exportbeschränkungen immer wieder kommen – das ist kein neues Phänomen.
Was ich Marco konkret empfehlen würde: erstmal eine ehrliche Bestandsaufnahme, welchen Anteil des Gesamtdepots das China-exponierte Material überhaupt ausmacht. Wenn das unter 5% vom Gesamtdepot ist, ist der Aufwand für komplizierte Absicherungsstrategien wahrscheinlich größer als der mögliche Schaden. Dann lieber einfach halten oder schrittweise reduzieren.
Bei höherer Konzentration würde ich tatsächlich eher über einen regelbasierten Ansatz nachdenken – also z.B. beim Überschreiten eines bestimmten Drawdowns automatisch reduzieren, statt auf Optionen zu setzen. Das passt auch besser zu einem Ansatz ohne zu viel aktives Management, den du ja selbst angesprochen hast.