Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit etwa zwei Jahren intensiver mit meinem Portfolio und habe bisher eher unsystematisch vorgegangen. Mein Depot besteht aus etwa 60% Aktien-ETFs (davon 70% World, 30% Emerging Markets) und 40% Anleihen-ETF. Das hat sich eigentlich ganz gut angefühlt, aber jetzt im September merke ich, dass die Aktien-Quote durch die guten Kurse der letzten Monate auf knapp 65% geklettert ist.
Mich plagen zwei Fragen: Erstens, ab wann sollte ich überhaupt aktiv umschichten? Viele sagen "Schwellenwert von 5%", andere meinen "einfach jährlich im Januar machen". Und zweitens: Ist gerade jetzt September ein guter Zeitpunkt, oder bade ich da nur in dem typischen herbstlichen Pessimismus? Ich will ja nicht ständig herumdoktern am Portfolio, aber absolute Untätigkeit fühlt sich auch falsch an.
Wie handhabt ihr das praktisch? Gibt es da einen Ansatz, der sich für euch bewährt hat und nicht zu viel Gedankenaufwand kostet?
Hallo Joanna P.,
ich würde dir raten, dich nicht zu sehr von kurzfristigen Schwankungen treiben zu lassen. Bei nur 5% Abweichung deiner Aktienquote würde ich noch nicht tätig werden – das ist völlig normal und im Rahmen.
Meine praktische Erfahrung: Ein fester Termin im Jahr funktioniert deutlich besser als ständiges Überwachen. Ich mache das immer Anfang Januar, wenn ich eh die ganzen Steuerbescheinigungen zusammenstelle. Das hat sich über die Jahre bewährt, weil man da nicht emotional reagiert, sondern einfach nach Plan handelt.
Der September ist ehrlich gesagt der schlechteste Zeitpunkt, um diese Entscheidung zu treffen. Da greifst du garantiert in deine Gefühle statt in deine Strategie. Warte bis Januar und entscheide dann, ob eine Umschichtung nötig ist. Wenn bis dahin die Quote wieder unter 63% gerutscht ist, hast du dich sowieso unbewusst selbst rebalanciert.
Vertrau auf deine ursprüngliche 60/40-Aufteilung – die ist solide für dein Profil. Weniger Herumdoktern, mehr Ruhe. Das spart Gebühren und Stress.
Viele Grüße,
Rainer M.