Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Monaten mit dem Thema Geldanlage und habe bisher hauptsächlich in einen MSCI World ETF eingezahlt. Jetzt möchte ich mein Depot etwas breiter aufstellen und habe dabei Rohstoff-ETFs auf dem Schirm.
Mein Problem: Ich blicke bei der ganzen Auswahl ehrlich gesagt nicht durch. Es gibt ja ETFs die physische Rohstoffe abbilden, dann welche die auf Futures basieren, manche bilden Produzenten-Aktien ab und wieder andere mischen das alles. Ich verstehe noch nicht so richtig, was davon für jemanden wie mich (Einsteiger, keine große Erfahrung mit Rohstoffen) überhaupt Sinn macht.
Konkret frage ich mich:
- Gibt es "Klassiker" unter den Rohstoff-ETFs, die viele von euch Einsteigern empfehlen würden?
- Wie groß sollte der Depotanteil sinnvollerweise sein? Ich denke an vielleicht 10-15%.
- Gibt es typische Anfängerfehler die ich vermeiden sollte?
Der Hintergrund ist, dass ich im Sommer ein bisschen mehr Zeit habe, mich damit zu befassen, bevor der Alltag im Herbst wieder volle Fahrt aufnimmt. Ich will das also nicht überstürzen, aber auch langsam mal anfangen.
Freue mich über jeden Hinweis, auch wenn ihr einfach nur sagt was ihr selbst im Depot habt.
Danke, Marcus
Ich halte mich bei Rohstoffen in der Regel eher zurück, aber die Grundfrage ist berechtigt.
Nach meiner Erfahrung – ich beschäftige mich schon länger mit Depot-Aufbau, ich hab das mal in einem anderen Kontext diskutiert – ist die Beimischung von Rohstoffen sinnvoll, aber man sollte sich über den eigentlichen Zweck im Klaren sein. Inflationsschutz? Diversifikation? Spekulation? Das sind drei verschiedene Ziele mit drei verschiedenen geeigneten Produkten.
Für reinen Inflationsschutz taugen breite Rohstoff-ETFs historisch okay, aber nicht spektakulär. Für echte Diversifikation zum Aktienmarkt braucht man geringe Korrelation – die ist bei manchen Rohstoffen gegeben, bei anderen nicht. Energierohstoffe korrelieren in Krisenzeiten manchmal stärker mit Aktien als man denkt.
Dein Ansatz mit dem Sommer zum Einlesen ist gut. Ich würd sagen: drei bis vier Produkte konkret vergleichen, Factsheets lesen, dann entscheiden. Nicht mehr als drei auf einmal anfangen.
Guten Tag Marcus,
ich komme aus einem anderen Bereich (bin hauptsächlich im Thema Geschäftskonten und Betriebsfinanzen unterwegs hier im Forum), aber zu Rohstoff-ETFs als Depotbeimischung hab ich trotzdem eine Meinung.
Was Markus_198849 schreibt zu Contango stimmt, das sollte man wirklich lesen bevor man einsteigt. Ich würd dem noch hinzufügen: Schau dir die Gesamtkostenquote (TER) bei diesen Produkten genau an. Bei manchen Rohstoff-ETFs/ETCs ist die deutlich höher als bei normalen Aktien-ETFs, manchmal 0,4-0,6% oder mehr. Klingt wenig, macht über viele Jahre aber was aus.
Als rein praktischer Hinweis: Wenn du über einen Sparplan einsteigst statt Einmalkauf, läuft das emotional ruhiger ab. Gerade bei schwankenden Rohstoffmärkten spart man sich viel Grübeln über den richtigen Einstiegszeitpunkt.
kurze Anmerkung noch: Schau auch mal ob dein Broker überhaupt sinnvolle Rohstoff-ETFs im Sparplan anbietet. Ich hab das letztens für ne andere Sache recherchiert (bei nem komplett anderen Thema bin ich nebenbei über Produktverfügbarkeit gestolpert) und da gibts je nach Anbieter echt Unterschiede was verfügbar ist. Gerade ETCs auf einzelne Rohstoffe findet man nicht überall im Sparplan.
Ich muss da kurz einhaken weil ich das etwas anders sehe als die Vorredner.
Rohstoff-ETFs für Einsteiger – da bin ich grundsätzlich skeptisch. Nicht weil die Produkte schlecht sind, sondern weil viele Leute nicht verstehen was sie kaufen. Futures-Rollverluste (Thomas hat das kurz angesprochen) können über mehrere Jahre richtig reinhacken, selbst wenn der Rohstoffpreis stagniert. Der Bloomberg Commodity Index hat z.B. über bestimmte Zehnjahres-Zeiträume real kaum was gebracht trotz Inflation.
Bevor du 10-15% dort reinlegst: Weißt du wie Contango und Backwardation funktionieren? Wenn nicht, lies dich da erstmal ein. Das ist keine Raketenwissenschaft aber ein echtes Renditekiller-Risiko das Einsteiger systematisch unterschätzen.
Wenn es dir um Diversifikation geht, könnten Rohstoff-Produzenten-Aktien (also Mining-ETFs) interessanter sein als pure Rohstoff-Futures-Fonds. Die schwanken auch, aber du hast wenigstens ein Unternehmen mit Cashflows dahinter.
Keine pauschale Empfehlung gegen Rohstoffe, aber mit offenen Augen reingehen.