Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Wochen intensiver mit dem Thema Seltene Erden als Depotbeimischung. Hintergrund ist eigentlich ein Sommerproject von mir – ich überlege, eine kleine Solaranlage fürs Dach zu bauen, und dabei bin ich dann irgendwie über das Thema kritische Rohstoffe und Seltene Erden gestolpert. Hat mich dann neugierig gemacht, ob man da als Privatanleger vernünftig investieren kann.
ETFs scheinen mir erstmal sinnvoller als Einzelaktien, weil ich das Risiko streuen möchte. Aber bei der Recherche bin ich auf sehr unterschiedliche Produkte gestoßen und weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich die Qualität einschätzen soll. Manche ETFs haben ein Fondsvermögen von unter 50 Mio. Euro, andere bilden irgendwelche komischen Indizes ab, bei denen ich die Zusammensetzung kaum nachvollziehen kann.
Meine konkreten Fragen:
- Gibt es Mindestanforderungen ans Fondsvermögen, unter denen ein ETF einfach zu riskant ist (Liquiditätsrisiko, Fondsschließung)?
- Wie beurteilt ihr die verschiedenen Anbieter – worauf schaut ihr bei der TER, beim Index, beim Replikationsverfahren?
- Gibt es Produkte, die ihr als besonders transparent oder im Gegenteil als intransparent einschätzt?
Ich bin kein Profi, hab aber schon ein paar normale Aktien-ETFs im Depot. Wäre dankbar für konkrete Hinweise, nicht nur allgemeines Zeug.
Dennis
Ehrlich gesagt bin ich bei solchen Nischen-ETFs grundsätzlich skeptisch. Nicht weil das Thema uninteressant wäre, aber das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt für mich persönlich nicht. Ich hab selbst lieber breiter gestreut, wie ich das auch im ETF-Streuung-Thread diskutiert hab. Ein REE-ETF als kleine Beimischung okay, aber als relevanten Depotbaustein würde ich das nicht machen.
Ich seh das etwas anders als Stefan oben, zumindest was die 100-Mio-Grenze angeht. Die ist ne Faustregel, aber kein Naturgesetz. Ich hab mir damals beim Einstieg in physische Rohstoffe (hab dazu auch mal was im Silber/Gold-Thread geschrieben) ähnliche Fragen gestellt.
Bei Seltene-Erden-ETFs speziell würde ich noch auf etwas anderes achten: die tatsächliche Zusammensetzung des zugrundeliegenden Index. Viele dieser ETFs haben einen hohen Anteil an chinesischen Unternehmen oder sind stark in Bergbaukonzerne investiert, die REE nur als Nebenprodukt fördern. Das ist dann kein reines Seltene-Erden-Investment, auch wenn es so verkauft wird.
Außerdem: Handelsvolumen an der Börse täglich prüfen. Ein ETF mit 80 Mio. Fondsvermögen aber dünnem Tageshandel kann bei größeren Orders Spread-Probleme machen. Das betrifft dich vielleicht weniger wenn du kleinere Summen anlegen willst, aber es ist gut das zu wissen.
Ansonsten finde ich deine Herangehensweise über die Solaranlage zum Investmentthema eigentlich ziemlich nachvollziehbar – der Zusammenhang ist ja real.
Hallo Dennis,
zu deinen Fragen kann ich einiges sagen, auch wenn ich selbst hauptsächlich im Bereich Konten und Finanzverwaltung unterwegs bin – Rohstoffe sind bei mir eher Beimischung.
Zum Fondsvermögen: Die oft genannte Grenze von 100 Mio. Euro als Mindestgröße ist tatsächlich eine gute Orientierung, bei Nischenthemen wie Seltene Erden sind solche Summen aber selten. Unter 50 Mio. würde ich persönlich genau hinschauen – Fondsschließungen passieren, und dann muss man mitunter zu ungünstigen Kursen raus. Das ist kein Gerücht, das ist passiert.
Bei der TER: Alles über 0,75 % bei einem passiven Produkt finde ich erklärungsbedürftig. Manche Anbieter rechtfertigen das mit aktivem Management oder besonderer Indexlizenz – da lohnt sich ein kritischer Blick ins KIID-Dokument.
Replikation: Physische Replikation ist bei Rohstoff-Aktien-ETFs ohnehin Standard, Swap-basierte Produkte gibt es hier kaum. Trotzdem nachschauen.
Anbieter-Transparenz würde ich daran festmachen, wie leicht die vollständige Portfolioaufstellung abrufbar ist. Wenn ich auf der Anbieterseite suchen muss wie nach einer Nadel im Heuhaufen, ist das schon ein kleines Warnsignal.