Hallo zusammen,
ichmal eine Frage, die etwas außerhalb meines üblichen Themenfeldes liegt – ich beschäftige mich normalerweise eher mit Fixkosten und Budgetoptimierung. Aber ich versuche gerade meinen finanziellen Horizont zu erweitern und habe mich in letzter Zeit viel mit der Energiewende beschäftigt.
Dabei bin ich immer wieder auf Kupfer gestoßen. Die Zahlen klingen beeindruckend: Ein Elektroauto braucht angeblich viermal mehr Kupfer als ein normaler Verbrenner, Windkraftanlagen und Stromnetze fressen ebenfalls enorme Mengen. Gleichzeitig scheinen neue Minenprojekte jahrelange Vorlaufzeiten zu haben.
Meine konkrete Frage: Wie handelt ihr Kupfer als Privatanleger sinnvoll? Ich sehe grob drei Wege:
1. Physisch – aber das erscheint mir unpraktisch (man kauft ja keine Kupferstangen...)
2. ETFs/ETCs auf den Kupferpreis direkt
3. Aktien von Kupferproduzenten wie Freeport-McMoRan oder BHP
Was ich nicht ganz verstehe: Wie stark hängt der Aktienkurs eines Kupferproduzenten eigentlich am Kupferpreis selbst? Ist das 1:1 oder gibt es da große Abweichungen? Und welche Kosten entstehen bei den verschiedenen Wegen – das ist für mich als jemand der auf Kosteneffizienz achtet natürlich ein wichtiger Faktor.
Bin für jeden Hinweis dankbar, auch wenn jemand grundsätzlich skeptisch gegenüber dem Thema ist.
Aus Bankperspektive noch ein praktsicher Hinweis zu den Kosten, der oft übersehen wird: Bei ETCs auf Rohstoffe kommt zu der TER noch der sogenannte Spread dazu – also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Bei weniger liquiden Produkten kann der im Sommer, wenn die Handelsvolumen niedriger sind, gerne mal 0,5-1% betragen. Das frisst Rendite, die man nicht auf dem ersten Blick sieht.
Für Freeport oder BHP als Einzelaktien gilt: US-Dividenden werden mit 15% Quellensteuer belegt, die du dir über die Anlage KAP zurückholen kannst wenn du es richtig machst – aber das bedeutet Aufwand. BHP als australische Aktie hat andere Quellensteuerregelungen, da würde ich vorher genau schauen.
Ich habe in meiner Banktätigkeit gesehen wie viele Anleger genau bei solchen Details Geld liegen lassen. Das Länderrisiko bei Minen ist übrigens auch nicht zu unterschätzen – Peru und Chile sind politisch zuletzt unruhiger geworden.
Marcus, ich investiere seit Jahren in Rohstoffe als Depotbeimischung und Kupfer hat dabei immer eine Rolle gespielt.
Meine persönliche Einschätzung nach langer Erfahrung: Für jemanden der primär auf Kostenoptimierung achtet, würde ich den direkten ETC-Weg empfehlen und nicht Minenaktien. Der Grund ist simpel – Minen haben operationelle Risiken die mit dem Kupferpreis gar nichts zu tun haben: Streiks, Wasserrechtsstreitigkeiten, politische Eingriffe, explodierende Energiekosten im Betrieb. Das sind Unsicherheiten die du dir ins Depot holst zusätzlich zum Preisrisiko.
Den Hebel-Effekt den Klaus beschrieben hat gibt es, aber er funktioniert halt in beide Richtungen. Ich habe das 2022 erlebt als Kupfer fiel und Minenaktien noch deutlich stärker einbrachen.
Strategisch denke ich, das Narrativ Energiewende/Kupfer stimmt langfristig – aber der Markt ist kein Wunschkonzert und kurzfristig können rezessive Phasen die Industrienachfrage stark drücken. Wer Buy-and-Hold konsequent durchzieht wie ich es im anderen Thread mal ausgeführt habe, für den ist ein ETC mit 3-5 Jahren Geduld durchaus interessant. Spekulation auf kurzfristige Preissprünge würde ich lassen.
Also ich muss ehrlich sagen – ich bin da eher skeptisch was das Timing angeht. Im Sommer läuft die Baubranche auf Hochtouren, Kupfer wird nachgefragt, die Preise sind saisonal oft etwas höher. Ob das gerade der ideale Einstiegszeitpunkt ist, weiß ich nicht.
Ich bin Pensionär und habe in meinem Leben viele Investments kommen und gehen sehen die sich nach sicherer Logik angefühlt haben. "Die Energiewende braucht Kupfer" klingt überzeugend – aber der Markt preist das oft schon ein, bevor Privatanleger es entdecken.
Was ich aus jahrzehntelanger Erfahrung gelernt habe: Wenn ein Narrativ in allen Finanzmagazinen auftaucht, ist es meistens schon zu spät für den guten Einstieg. Das muss nix heißen, aber ich würde zumindest nicht alles auf einmal investieren sondern in Tranchen.