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Rohstoff-Beimischung im Depot: Wieviel Prozent ist noch sinnvoll?

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Andreas Mueller
Beiträge: 20
Themenstarter
(@skeptikfinanz47)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten
[#131]

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit der Frage, ob und wie viel Rohstoffe und Seltene Erden in ein normales Privatanleger-Depot gehören. Überall lese ich von "5 bis 10 Prozent Beimischung" – aber niemand erklärt wirklich, wie diese magische Zahl zustande kommt. Klingt für mich nach einer dieser Finanzweisheiten, die einfach so weitergegeben werden, ohne dass jemand sie ernsthaft hinterfragt hat.

Mein konkretes Szenario: Ich habe ein Depot, das bisher hauptsächlich aus ETFs auf globale Aktien besteht. Jetzt überlege ich, ob Rohstoffe wirklich einen eigenständigen Diversifikationsvorteil bringen oder ob das am Ende nur zusätzliche Kosten und Komplexität bedeutet. Die Korrelationen zu Aktien sollen ja in Krisenzeiten teilweise zusammenbrechen – also genau dann, wenn man Diversifikation am dringendsten bräuchte.

Dazu kommt: Bei Seltenen Erden ist die Produktpalette überschaubar und vieles klingt bei näherer Betrachtung eher nach Marketing als nach echtem Mehrwert. ETFs mit hohen TERs, kaum Liquidität, Kontrahentenrisiken bei Zertifikaten...

Was sind eure tatsächlichen Erfahrungen? Habt ihr Rohstoffe aktiv im Depot und merkt ihr einen spürbaren Effekt auf das Risiko-Rendite-Verhältnis? Oder ist das am Ende wieder so eine Idee, die in der Theorie besser klingt als in der Praxis?


8 Antworten
Wolfgang Krüger
Beiträge: 11
(@wolfgang-k)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Gute Frage, Andreas. Ich bin Pensionär und beobachte solche Diskussionen schon seit Jahrzehnten. Was mich dabei immer wieder wundert: Die "10 Prozent Rohstoffe"-Empfehlung taucht tatsächlich seit mindestens den 1990er Jahren in fast jedem Ratgeber auf, meistens ohne Quellenangabe oder Datengrundlage.

Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich sagen: Ich habe über die Jahre verschiedene solcher Beimischungen ausprobiert – Energie, Edelmetalle, kurzfristig auch mal Agrarrohstoffe. Das Ergebnis war ehrlich gesagt ernüchternd. In ruhigen Marktphasen liefen die Rohstoff-Positionen oft einfach seitwärts, in turbulenten Phasen haben sie gelegentlich sogar stärker verloren als meine Aktien-ETFs.

Das soll nicht heißen, dass Rohstoffe grundsätzlich sinnlos sind – aber die pauschale Beimischungsformel halte ich für fragwürdig. Wenn jemand aus echten Überzeugungen und konkreten Thesen investiert, ist das eine Sache. Aber "weil das alle machen" wäre mir zu wenig Begründung.

Auch interessant in dem Zusammenhang: bei Versicherungsprodukten mit Rohstoff-Bezug (Zertifikate-Mäntelchen etc.) wäre ich generell besonders vorsichtig – da stecken oft mehr Kosten drin als zugegeben wird.


Antwort
Felix Müller
Beiträge: 8
(@felix_97)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich kenn mich bei Rohstoffen ehrlich gesagt kaum aus, aber die Frage mit den Spreads von Thomas K. finde ich interessant – hatte das Problem ähnlich bei manchen kleineren ETFs die ich für die Wohnung angespart hab. Kleine Märkte = große Spreads, das stimmt definitiv.


Antwort
Markus Thielemann
Beiträge: 8
(@vorsorgeplus49)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Nach 20 Jahren im Bankwesen kann ich dir sagen: Die 5-10 Prozent Empfehlung hat durchaus eine Datenbasis, die aber oft aus Zeiträumen stammt, die mit der heutigen Marktstruktur wenig gemein haben. In den 70er und 80er Jahren hat Rohstoff-Diversifikation wirklich gut funktioniert – damals waren die Korrelationen zu Aktien deutlich stabiler negativ.

Heute ist das komplizierter. Viele Rohstoff-ETFs und -ETC investieren über Futures, was Rollverluste bedeutet, die sich über Jahre erheblich summieren können. Das frisst Rendite, die man im Prospekt so nicht immer deutlich sieht.

Mein Rat aus der Praxis: Wenn du Rohstoffe wirklich willst, dann mit klarer These – also nicht "ich will diversifizieren" als alleiniges Argument, sondern z.B. "ich glaube, dass Kupfer wegen Energiewende strukturell steigt". Das ist ein nachvollziehbarer Investmentground. Blindes Beimischen halte ich für überbewertet, besonders wenn man die tatsächlichen Produktkosten ehrlich einkalkuliert.

Bei der Ruhestandsplanung rate ich meinen Kunden grundsätzlich zur Vorsicht bei komplexen Rohstoff-Produkten – die Liquidität in Stressphasen ist häufig geringer als erhofft.


Antwort
Helmut Krause
Beiträge: 16
(@helmut69)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Ich sehe das differenzierter. Du fragst nach dem Diversifikationseffekt – der ist real, aber er hängt stark vom Produkt ab. Physisch hinterlegte Edelmetalle z.B. haben tatsächlich eine niedrige bis negative Korrelation zu Aktien über lange Zeiträume. Das ist messbar und belegt.

Bei Seltenen Erden-ETFs oder -Zertifikaten sieht das anders aus. Da hast du recht mit deiner Skepsis – viele dieser Produkte bilden gar nicht das ab, was man denkt. Sie investieren oft in Minenunternehmen, die wiederum stark mit dem Gesamtmarkt korrelieren. Der Diversifikationseffekt ist dann minimal oder nicht vorhanden.

Für meine Enkel habe ich zum Thema Rohstoffe übrigens nur Gold als kleine Beimischung vorgesehen – physisch, über einen günstigen Anbieter. Kein ETF, kein Zertifikat. Das ist für mich das einzige Rohstoff-Investment, bei dem ich die Konstruktion wirklich durchblicke und das ich für langfristig sinnvoll halte. Alles andere im Nachhaltigkeitsbereich bei Rohstoffen klingt meiner Erfahrung nach oft besser als es ist – Stichwort Greenwashing.

Kurz gesagt: Ja zur Rohstoffbeimischung, aber nur wenn man das Produkt wirklich versteht.


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