Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Wochen mit dem Thema Rohstoff-ETFs und ehrlich gesagt steh ich ein bisschen auf dem Schlauch. Überall liest man was anderes – mal heißt es breite Rohstoff-Indizes kaufen, mal lieber gezielt auf Energie oder Metalle setzen, und dann gibt es noch die ganzen Debatten über physisch hinterlegte ETFs vs. Swap-basierte Konstrukte.
Ich bin kein erfahrener Investor, hab bisher nur einen simplen MSCI World Sparplan laufen. Rohstoffe würden mich als Beimischung interessieren, vielleicht so 10-15% vom Depot. Aber ich versteh nicht so ganz: Lohnt es sich als Einsteiger überhaupt, in sowas einzusteigen, oder ist das eher was für Leute die den Markt schon gut kennen?
Was mich konkret interessiert:
- Gibt es ETFs die einen breiten Rohstoffmarkt abbilden und nicht zu kompliziert sind?
- Worauf muss ich bei Kosten und Struktur achten?
- Wie verhält sich das ganze eigentlich bei so einer Sommerflaute wie gerade – ich hab gelesen Rohstoffe reagieren saisonal manchmal komisch?
Bin für jeden Hinweis dankbar. Kein Profi, möchte nur nicht komplett ins Blaue kaufen.
Gute Frage, hab mich selbst vor ein paar Jahren durch das Thema durchgekämpft. Für Einsteiger würde ich klar zu einem breit gestreuten Rohstoff-Index-ETF raten, zum Beispiel auf Basis des Bloomberg Commodity Index oder des GSCI. Die bilden Energie, Metalle und Agrar gleichzeitig ab, also kein Klumpenrisiko in einem Sektor.
Wichtig: Rohstoff-ETFs sind fast immer swap-basiert oder nutzen Futures – physisch hinterlegte ETFs gibt es sinnvoll nur bei Gold oder Silber. Das ist kein Nachteil per se, aber man muss das verstehen. Rollkosten können die Rendite über Zeit deutlich schmälern, also unbedingt auf die Kostenquote und die Rollmethodik schauen (optimiertes Rollen ist besser als einfaches Front-Month-Rollen).
Zu deiner saisonalen Frage: Ja, Rohstoffe reagieren auf Jahreszeiten, Energie im Winter, Agrar zur Ernte usw. Aber als langfristiger Beimischer würde ich da nicht zu viel reininterpretieren. Ich hab das damals auch im Rebalancing-Thread schon angesprochen – Rohstoffe als Portfoliobaustein brauchen einfach Zeit und Geduld.
Um das kurz einzuordnen: Markus8990 hat mit den Rollverlusten grundsätzlich Recht, aber das gilt vor allem für Energie-Futures. Industriemetalle und Edelmetalle haben das Problem deutlich seltener oder gar nicht.
Für einen Einsteiger mit MSCI World als Basis würde ich konkret den iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF schauen – günstiger, etablierter Anbieter, breiter Index. Alternativ den L&G All Commodities UCITS ETF, der rollt nach einer optimierten Methodik was historisch die Verluste gedämpft hat.
Ein Punkt den ich für wichtig halte und der hier noch nicht erwähnt wurde: steuerlich sind diese ETFs in Deutschland seit der Investmentsteuerreform 2018 als normale ETFs behandelt, also keine Besonderheiten mehr. Das vereinfacht die Sache für Einsteiger erheblich.
Ich bin selbst seit vielen Jahren im Bereich Einzelaktien und ETFs aktiv und hab Rohstoffe als Beimischung nie bereut, aber die Erwartungen müssen realistisch sein – das ist kein Rendite-Booster, sondern ein Diversifikationsinstrument. Über langfristige Portfoliostrategien hab ich das schonmal in einem anderen Thread ausgeführt, falls das hilft.