Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiver mit Einzelaktien im Bereich Seltene Erden, speziell mit kleineren Bergbauunternehmen, die noch in der Explorationsphase oder im frühen Produktionsaufbau stecken. Was mich dabei immer wieder ins Stocken bringt: Wie bewertet ihr eigentlich das operative Risiko konkret?
Bei klassischen Unternehmen schau ich mir Cashflow, EBITDA, Verschuldungsgrad an – das klappt halbwegs. Aber bei einem Explorer, der noch keine nennenswerten Einnahmen hat, greifen diese Kennzahlen kaum. Stattdessen stehe ich vor Begriffen wie JORC-Ressourcenschätzung, all-in sustaining costs oder Machbarkeitsstudien (PFS, DFS) und bin mir nicht sicher, wie verlässlich diese Angaben in der Praxis wirklich sind.
Dazu kommt: Viele dieser Unternehmen sitzen in politisch eher unsicheren Regionen, brauchen noch Genehmigungen, oder die Finanzierung ist noch nicht gesichert. Wie gewichtet ihr das im Vergleich zueinander?
Gibt es eine Art Checkliste oder Bewertungsrahmen, den erfahrene Anleger hier nutzen? Ich frage mich auch, ob man bei kleinen Bergbauunternehmen überhaupt sinnvoll diversifizieren kann, ohne dass das Depot komplett unübersichtlich wird.
Freue mich über jeden konkreten Hinweis, gerne auch mit Verweis auf Quellen oder Tools.
Danke, Thomas
Gute Frage, ich hab mich da auch schon durchgekämpft. Kurz vorab: Ich bin eigentlich eher im konservativen Bereich unterwegs – Thema Sicherheit vs. Rendite kenn ich aus anderen Zusammenhängen gut – daher nehm ich Bergbau-Einzelwerte nur sehr dosiert ins Depot, wenn überhaupt.
Aber zur Sache: Bei Explorations- und Early-Stage-Bergbauunternehmen würde ich folgende Punkte systematisch durchgehen:
**1. Managementqualität:** Wer steht dahinter, was haben die vorher aufgebaut oder verkauft? Das ist oft wichtiger als die Ressourcenschätzung selbst.
**2. Ressourcenqualität:** JORC oder NI 43-101 sind Standards mit Pflichtangaben – aber schau auf die Kategorie: 'Inferred' ist deutlich unsicherer als 'Measured & Indicated'. Das wird gerne verwischt.
**3. Finanzierungsstatus:** Wie viel Cash hat das Unternehmen, wie lange reicht das (sog. Runway)? Und gibt es bereits strategische Partner oder Offtake-Agreements? Ohne das ist vieles heiße Luft.
**4. Genehmigungsrisiko:** Je nach Land teilweise das größte Risiko überhaupt. Australien oder Kanada sind anders zu bewerten als Zentralafrika oder Teile Südamerikas.
Zur Diversifikation: Ich würde nicht mehr als 5–7 solcher Positionen im Depot halten und den Gesamtanteil klar deckeln. Bei mir persönlich ist das Portfolio gerade eh auf Sicherheit getrimmt – aus Gründen die ich hier schonmal skizziert hab – daher wäre der Bereich für mich aktuell eher Spielgeld-Kategorie, wenn überhaupt.
Für Research empfehle ich Mining.com und die Sedar+-Datenbank für kanadische Filings. Da steht alles drin, ungeschönt.