Hallo zusammen,
ich bin seit etwa 4 Jahren selbstständig tätig (Grafikdesign, Einzelunternehmen) und muss zugeben, dass ich das Thema Altersvorsorge bisher ziemlich stiefmütterlich behandelt habe. Man ist ja immer irgendwie beschäftigt, Aufträge reinkommen, dann wieder nicht, und dann denkt man: ach, nächsten Monat kümmere ich mich drum. Nächsten Monat ist jetzt vier Jahre später.
Ich bin jetzt 47 und es wird langsam Zeit, das ernsthafter anzugehen. Das Problem bei Selbstständigen ist ja, dass man kein automatisches Sicherheitsnetz hat wie Angestellte – keine Betriebsrente, keine Arbeitgeberzuschüsse, nix. Ich zahle auch nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein (bin nicht pflichtversichert).
Mir sind folgende Optionen irgendwie ein Begriff: Rürup-Rente, private Rentenversicherung, ETF-Depot, vielleicht Immobilien. Aber ich blick nicht ganz durch, was für mich als Selbstständiger mit schwankendem Einkommen (manchmal gut, manchmal weniger gut) am sinnvollsten ist. Besonders das Steuerthema interessiert mich – ich habe gehört, dass Rürup steuerlich interessant sein soll?
Würde mich über eure Erfahrungen freuen, gerade von Leuten die selbst selbstständig sind oder waren. Was habt ihr gemacht, was würdet ihr heute anders machen?
Danke schon mal!
Ich bin Einzelunternehmer und kenn das Problem. Hab dazu auch schonmal was im Forum geschrieben (Geschäftskonto als Einzelunternehmer), weil man als Selbstständiger einfach viele Sachen selbst regeln muss die Angestellte geschenkt kriegen.
Mein setup: ETF-Sparplan als Hauptsäule (flexibel, günstig), Rürup in Jahren wo ich wirklich gut verdient hab als steuerliches Optimierungsinstrument. Ich mach das nicht mit einem festen monatlichen Betrag sondern eher als Einmalzahlung gegen Jahresende wenn ich weiß wie das Jahr war. Das passt gut zum schwankenden Einkommen.
Was ich nicht hab: fondsgebundene Rentenversicherungen. Die Kosten haben mich nie überzeugt. Lieber selbst anlegen.
Kurz und knapp weil ich grad Urlaubsplanung mache 😄: Rürup + ETF-Depot kombinieren ist für Selbstständige eigentlich der Standardweg. Steuerberater einschalten lohnt sich hier wirklich, die paar Euro sind gut investiert.
Also ich bin selbst nicht selbstständig, aber ich hab mich intensiv mit Altersvorsorgestrategien beschäftigt (MSCI World Diskussion zum Beispiel). Das ETF-Depot ist m.E. für flexible Menschen wie Selbstständige wirklich der sinnvollste Baustein – du behältst die Kontrolle, die Kosten sind überschaubar, und du kannst monatliche Beträge problemlos anpassen.
Rürup würde ich nicht komplett ignorierne, aber nur dann wenn du in Jahren mit hohem Gewinn tatsächlich viel Steuern zahlst. Wenn dein Steuersatz in guten Jahren 35%+ ist, macht der Sonderausgabenabzug wirklich einen Unterschied. Bei niedrigerem Einkommen rechnet sich das weniger.
Freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung wäre übrigens auch ne Option die viele vergessen – hat eigene Vor- und Nachteile, lohnt sich aber zumindest mal zu recherchieren.
Ich sehe das etwas kritischer als Markus. Rürup klingt immer super auf dem Papier durch die Steuerersparnis, aber man darf die Kosten mancher Versicherungsprodukte nicht vergessen. Gerade bei fondsgebundenen Rürup-Policen können die Verwaltungsgebühren die Steuervorteile teilweise auffressen. Ich hab mich da schonmal durch Vertragsbedingungen gewühlt (ich check sowas gerne genau, bevor ich unterschreibe) und war nicht selten unangenehm überrascht.
Alternative: Rürup-Fondssparplan direkt über einen Direktanbieter ohne Versicherungsmantel, da sind die Kosten deutlich transparenter. Gibt einige Anbieter, die sowas mittlerweile günstiger anbieten.
Und ganz pragmatisch: bevor man große Entscheidungen trifft – steuerliche Situation mit einem Steuerberater besprechen. Bei schwankendem Einkommen variiert die tatsächliche Ersparnis durch den Sonderausgabenabzug nämlich erheblich von Jahr zu Jahr. Das macht die Planung komplizierter als bei Angestellten.