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All-World ETF vs. 70/30 Split - ist ein ETF wirklich gleichwertig?

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Matthias Krüger
Beiträge: 8
Themenstarter
(@matthias82)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#60]

Hallo zusammen,

stehe gerade vor der Entscheidung für meine langfristige Anlage und bin etwas unsicher. Überall lese ich, dass ein FTSE All-World ETF praktisch das gleiche ist wie ein 70/30 Split aus MSCI World und Emerging Markets. Die Gewichtung wäre ja ähnlich.

Aber irgendwie denke ich mir: Wenn das wirklich so wäre, warum schwören dann so viele auf den 70/30 Split? Gibt es da Unterschiede, die ich übersehe? Vielleicht in der Gewichtung einzelner Länder oder bei der Rebalancing-Häufigkeit?

Bin 42 und plane noch mindestens 20 Jahre anzulegen. Jetzt im Sommer hätte ich Zeit, mich richtig einzulesen und zu entscheiden. Geld würde per Sparplan monatlich reinfließen, keine großen Einmalanlagen geplant.

Hat jemand praktische Erfahrungen mit beiden Varianten? Oder bin ich zu kleinlich und sollte einfach den All-World nehmen? Bei den niedrigen TER-Unterschieden von ein paar Basispunkten kann es ja nicht nur ums Geld gehen.

Danke schon mal für eure Einschätzungen!


3 Antworten
Stefan Kellner
Beiträge: 18
(@stefan92)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hey Matthias,

kann dich verstehen, hab mir die Frage auch gestellt. Bin dann bei All-World geblieben weil's einfach praktischer ist. Ein Sparplan, fertig.

Der Hauptunterschied ist eigentlich, dass du beim 70/30 Split selber das Rebalancing machst. Heißt, wenn EM mal richtig abstürzen, kaufst du automatisch mehr davon nach. Beim All-World macht das der Index selber, aber halt nach Marktkapitalisierung.

In den Tagesgeld-Diskussionen letztens wurde auch klar, dass die meisten Leute eh zu wenig rebalancen. Von daher würd ich sagen: All-World ist für die meisten der bessere Weg.


Antwort
Daniel Kramer
Beiträge: 10
(@d-kramer)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Aus meiner Sicht gibt es schon relevante Unterschiede, die oft übersehen werden. Beim FTSE All-World hast du eine automatische Marktkapitalisierungsgewichtung, die sich ständig anpasst. Das kann bedeuten, dass du in Boomphasen der Industrieländer weniger EM-Anteil hast, als du vielleicht möchtest.

Beim 70/30 Split behältst du die Kontrolle über die Allokation. Gerade wenn du langfristig an die Emerging Markets glaubst, kann das sinnvoll sein. Du kaufst dann antizyklisch nach, wenn EM schwächeln.

Außerdem sind die EM-Gewichtungen unterschiedlich - FTSE All-World hat meist um die 10-12% EM, während du beim 70/30 Split dauerhaft 30% hältst. Das ist schon ein merklicher Unterschied in der Risiko-Rendite-Struktur.

Für jemanden in deinem Alter, der noch 20 Jahre Zeit hat, könnte die höhere EM-Quote durchaus Sinn machen. Kommt halt drauf an, ob du den Aufwand fürs Rebalancing scheust oder nicht.


Antwort
Martin Schröder
Beiträge: 8
(@vorsorgepro38)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Die Kollegen haben die wichtigsten Punkte schon genannt. Aus praktischer Sicht würde ich noch ergänzen: Schau dir die konkreten Indizes an, nicht nur die groben Kategorien.

FTSE All-World und MSCI ACWI haben durchaus unterschiedliche Länder- und Sektorgewichtungen. China ist beispielsweise unterschiedlich stark vertreten, je nach Index.

Wenn du wirklich optimieren willst, könntest du sogar einen All-World als Basis nehmen und gezielt kleine Satelliten-Positionen in EM oder Small Caps dazu. Aber ehrlich gesagt: Für die allermeisten Anleger ist das Overengineering.

Mein Tipp: Fang mit dem All-World an. Wenn du nach einem Jahr merkst, dass dir das zu wenig EM ist oder du gerne selber rebalanced hättest, kannst du immer noch umschichten. Ein falscher ETF ist besser als gar keiner.


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