Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer Entscheidung, bei der ich eure Einschätzungen gut gebrauchen könnte. Ich bin hauptberuflich Projektleiter, habe aber nebenbei zwei weitere Einkommensquellen aufgebaut: zum einen Beteiligungen über Immobilien-Crowdinvesting-Plattformen, zum anderen gelegentliche Beratungstätigkeiten auf Honorarbasis.
Bislang läuft alles über ein einziges Geschäftskonto. Das ist übersichtlich, aber je länger ich das mache, desto mehr habe ich das Gefühl, dass ich den Überblick verliere, welches Projekt eigentlich wie viel ein- und ausgeht. Für den Steuerberater musste ich letzten Monat wieder stundenlang einzelne Buchungen manuell zuordnen – das kostet mich mehr Zeit als ich sparen will.
Andererseits: Zwei oder drei Konten bedeuten ja auch zwei- oder dreimal Grundgebühren, doppelte Buchhaltung, mehr Login-Verwaltung. Ich hab schon überlegt, ob es sinnvoller wäre, stattdessen einfach mit einem Konto zu arbeiten, das gut strukturierte Unterkonten oder Buchungskategorien anbietet – sowas wie virtuelle Konten bei manchen Neobanken.
Meine Frage konkret: Macht ihr das mit einer Konten-Trennung nach Projekten oder Einkommensquellen? Oder habt ihr andere Wege gefunden, die Zuordnung sauber zu halten ohne gleich alles aufzusplitten? Was hat sich für euch in der Praxis bewährt?
Bin gespannt auf eure Erfahrungen.
Markus
Ich hab mich mit dem Thema Kontenstruktur fürs Business schon intensiver beschäftigt, unter anderem auch hier im Forum bei der Frage rund um Genossenschaftsbanken: Geschäftskonto bei Genossenschaftsbank oder Sparkasse: Mindestablage umgehen?
Meine Erfahrung: Wenn du wirklich verschiedene Einkommensquellen hast, die steuerlich unterschiedlich behandelt werden könnten – Honorarberatung vs. Kapitalerträge aus Crowdinvesting – dann würde ich tatsächlich über Trennung nachdenken. Nicht unbedingt wegen der Übersicht, sondern wegen der Sauberkeit gegenüber dem Finanzamt. Dein Steuerberater wird dir das vermutlich ähnlich sagen.
Die virtuellen Unterkonten klingen auf dem Papier gut, aber in der Praxis hab ich noch kein Angebot gesehen, das wirklich vollständig bei der Buchungstrennung hilft, wenn Belege und Kategorien durcheinander kommen. Echte Konten sind da einfacher zu pflegen. Ob sich die Mehrkosten rechnen, hängt natürlich davon ab, was du pro Stunde mit deiner Zeit anfangen könntest – als Projektleiter vermutlich mehr als die paar Euro Kontogebühr.
Ich schau mir solche Sachen gerne von der technischen Seite an. Es gibt inzwischen einige Anbieter, die wirklich brauchbare Label- oder Tagging-Funktionen in ihren Banking-Apps haben – du kannst Buchungen direkt beim Eingang kategorisieren, nach Projekt filtern und Berichte exportieren. Das ersetzt ein zweites Konto in vielen Fällen problemlos.
Penta (jetzt Qonto) und auch Holvi haben das z.B. ganz ordentlich umgesetzt. Qonto erlaubt sogar mehrere IBAN-ähnliche Sub-Wallets innerhalb eines Accounts, was für dein Szenario eigentlich ideal klingt. Ich hab Holvi selbst eine Weile getestet, der CSV-Export für den Steuerberater war tadellos.
Ein echtes zweites Konto würde ich mir erst dann überlegen, wenn es rechtlich oder steuerlich notwendig ist – also z.B. wenn du eine eigene Gesellschaft für eine der Aktivitäten gründest. Solange alles unter deinem Namen läuft, ist eine gute App-Struktur effizienter als doppelte Kontogebühren.
Interessante Frage, auch wenn meine Situation eine andere ist – ich bin seit kurzem im Ruhestand und hab mein Geschäftskonto für kleinere Nebentätigkeiten erst neulich vereinfacht. Was ich dabei gelernt habe: Die Trennung nach Zweck macht das Leben wirklich einfacher, auch wenn es erstmal mehr Aufwand klingt.
Ich hab damals alles über ein Konto laufen lassen und konnte am Jahresende kaum noch nachvollziehen, was woher kam. Zwei getrennte Konten haben das für mich deutlich übersichtlicher gemacht, auch wenn ich natürlich nicht die Komplexität deiner Situation habe. Die Mehrkosten für ein zweites Konto haben sich bei mir schon allein durch die gesparte Zeit beim Sortieren gerechnet.
Ob Unterkonten bei Neobanken das gleiche leisten – damit hab ich ehrlich gesagt keine Erfahrung. Vielleicht liest du mal in den Robo-Advisor-Thread rein, den ich damals zu meiner Altersvorsorge gestartet hab, da gings auch viel um digitale Tools: Robo-Advisor für Rentner - welchen Sinn macht das bei meiner Situation? – nicht direkt verwandt, aber der Grundgedanke mit digitalen Strukturen kam da auch auf.
Ich mach das ehrlich gesagt noch relativ simpel – ein Konto, und im Zweifel tippe ich die Zuordnung manuell nach. Aber ich hab auch nicht so viele verschiedene Einkommensquellen wie du. Bei dem was du beschreibst würd ich wahrscheinlich auch langsam nervös werden 😅
Was Tobias über Qonto sagt klingt vernünftig. Solange die Steuer-Zuordnung stimmt ist das doch das Entscheidende, oder?