Hallo zusammen,
ich plane gerade für die nächsten Monate etwas größere Ausgaben – unter anderem ein Sommerprojekt mit einer größeren Auftragswelle, für die ich Vorleistungen erbringen muss, bevor die Zahlungseingänge kommen. Mein Steuerberater hat mir geraten, über eine Kreditlinie am Geschäftskonto nachzudenken, damit ich den Cashflow in der Übergangsphase überbrücken kann.
Jetzt stehe ich vor ein paar Fragen, bei denen ich mir nicht sicher bin:
Erstens: Wie funktioniert das eigentlich genau mit den Zinsen? Meine Hausbank hat mir ein Angebot gemacht, aber ich verstehe nicht ganz, ob die Zinsen nur auf den tatsächlich genutzten Betrag anfallen oder ob es auch eine Art Bereitstellungsgebühr gibt. Letzteres wäre bei einem Kontokorrentkredit ja quasi doppelt belastend.
Zweitens: Einige Anbieter werben mit variablen Zinssätzen. Klingt erstmal günstig, aber was passiert, wenn sich das Zinsumfeld wieder dreht? Ich hab aktuell keine Lust auf böse Überraschungen.
Drittens: Gibt es typische Klauseln im Kleingedruckten, die man kennen sollte? Ich denke an Dinge wie Kündigungsfristen oder Bedingungen, unter denen die Bank die Linie einfach einfrieren oder kürzen kann.
Ich bin kein Finanzprofi und will hier einfach keine Fehler machen. Wäre super, wenn jemand aus eigener Erfahrung berichten kann. Danke schon mal!
Also ich seh das ein bisschen anders als Helmut oben, der das sehr theoretisch angeht. Ich hab selbst einen Kontokorrentkredit am Geschäftskonto und kann aus der Praxis sagen: die größte Falle ist nicht der Zinssatz selbst, sondern dass man anfängt die Linie als normales Betriebsmittel zu betrachten und sie nie wirklich zurückführt. Dann läuft man dauerhaft im Minus und zahlt die Zinsen quasi als versteckten Fixkostenblock.
Das Thema Sommer und Vorleistungen kenne ich übrigens aus einem ganz anderen Kontext – ich hab mich im Frühjahr intensiv mit sowas wie Klimaanlagen-Investitionen und der Frage beschäftigt, wie man Prioritäten setzt, wenn Liquidität knapp ist (Beitrag dazu: Klimaanlage vs. ETF-Sparplan - wie Prioritäten bei Inflation setzen?). Die Grundlogik ist ähnlich: erst wirklich prüfen ob man das Geld braucht, bevor man Kredit aufnimmt.
Konkret würde ich empfehlen: Linie so niedrig wie möglich ansetzen, nur für wirklich temporäre Lücken nutzen, und einen konkreten Tilgungsplan im Kopf haben – auch wenn die Bank keinen fordert.
Gute Fragen, das Thema ist wirklich nicht trivial. Ich bin zwar kein Unternehmer, aber ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit Finanzthemen – auch wenn mein Fokus eher auf der Anlageseite liegt (hab dazu z.B. im Thread Notgroschen bei 3,3% Zinsen - trotzdem zu Geldmarkt-ETF wechseln? geschrieben).
Zur Bereitstellungsgebühr: Ja, die gibt es tatsächlich bei manchen Banken. Sie wird auf den nicht genutzten Teil der Kreditlinie erhoben, meist zwischen 0,25% und 1% pro Jahr. Das steht tatsächlich oft im Kleingedruckten und fällt im Beratungsgespräch gerne unter den Tisch. Also explizit danach fragen.
Zu variablen Zinsen: Das Risiko ist real. Viele Kontokorrentkredite für Geschäftskunden sind an den EZB-Leitzins oder einen anderen Referenzsatz gekoppelt. Wenn der steigt, steigen Ihre Kosten automatisch – ohne dass die Bank Sie gesondert informieren muss, sofern das vertraglich so vereinbart ist. Bei einem längeren Projekt würde ich zumindest einen Fixzins für einen definierten Zeitraum verhandeln oder zumindest eine Zinsobergrenze (Cap) ansprechen.
Kündigungsfristen und Einfrieren der Linie: Das ist meiner Erfahrung nach der heikelste Punkt. Banken dürfen Kreditlinien bei Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse oft fristlos oder mit sehr kurzer Frist kürzen. Das steht in den AGB und wird selten erklärt. Ich würde die Linie daher nie als einziges Liquiditätspuffer einplanen.
Kurz und knapp aus meiner Erfahrung mit Geschäftskonten: Immer auf die Klausel zur außerordentlichen Kündigung achten. Banken können die Linie bei 'wesentlicher Verschlechterung der Vermögensverhältnisse' kürzen oder streichen – was das konkret bedeutet, steht oft nirgends genau definiert. Das kann im schlimmsten Moment passieren, genau dann wenn man die Linie braucht.