Hallo zusammen,
ich bin seit knapp drei Jahren als freiberuflicher Grafikdesigner tätig und stehe jedes Jahr im Sommer vor dem gleichen Problem. Die Monate Juni bis August laufen bei mir historisch immer schwächer – viele Auftraggeber sind im Urlaub, Projekte verschieben sich auf September, und gleichzeitig steigen meine eigenen Ausgaben (Klimaanlage läuft auf Hochtouren, ich möchte selbst auch mal verreisen).
Mein konkretes Problem: Ich weiß nie so richtig, wie viel ich eigentlich als Puffer vorhalten sollte. Letztes Jahr hatte ich im Juli einen Top-Monat mit fast 6.000€ Einnahmen, im August dann nur noch 1.400€. Wie soll ich da sinnvoll budgetieren?
Bislang mache ich es so: Ich überweise jeden Monat einen fixen Betrag aufs Tagesgeld (aktuell 800€) und versuche, davon die mageren Monate zu überbrücken. Aber ich habe das Gefühl, dass das System nicht wirklich durchdacht ist – mal reicht es, mal nicht.
Hat jemand von euch ein System gefunden, das wirklich funktioniert? Ich denke z.B. an einen Durchschnittsbetrag aus den letzten 12 Monaten als Basisbasis, aber ich weiß nicht wie ich damit dann konkret die monatlichen Ausgaben plaene. Steuern nehme ich bereits raus (ca. 30% leg ich separat zurück), also das ist kein Thema.
Freue mich über jeden Tipp!
Was TechOpa oben schreibt mit dem fiktiven Gehalt ist eigentlich genau der richtige Ansatz, den propagieren viele Finanzblogs auch. Ich selbst bin Angestellter, hab also kein schwankendes Einkommen, aber ich beschäftige mich viel mit Vermögensaufbau und hab das Prinzip bei Freunden verfolgt.
Ein Punkt den ich ergänzen würde: Dein System mit den fixen 800€ aufs Tagesgeld ist nicht falsch, aber du budgetierst halt vom falschen Ausgangspunkt. Du budgetierst von dem was gerade reinkommt, statt von dem was du im Schnitt verdienst. Das führt genau zu dem Jo-Jo-Effekt den du beschreibst.
Und Sommerplanung konkret: Wenn du weißt dass Juni-August historisch schwach sind, kannste diese Monate direkt in der Jahresplanung einkalkulieren und in den starken Herbst-/Wintermonaten bewusst mehr in den Puffer schieben statt es auszugeben. Klingt simpel, aber die meisten machen's halt nicht systematisch.
Bei den Zinsen aktuell lohnt sich auch zu schauen ob dein Tagesgeldkonto noch konkurrenzfähig ist, die Sätze sind in letzter Zeit wieder spannender geworden.
Ich hab als selbstständige Texterin exakt das gleiche Problem und ehrlich gesagt kämpfe ich noch damit. Was mir aber wirklich geholfen hat: ich plane jetzt nicht mehr monatlich sondern in Quartalen. Heißt, ich schaue was im Quartal insgesamt reinkommt und was ich im Quartal brauche – das glättet die Schwankungen schon deutlich besser als ein Monatsvergleich.
Für den Sommer-Einbruch speziell: ich hab angefangen, mir im April/Mai bewusst einen 'Sommerrücklagen-Topf' zu befüllen wenn die Projekte noch gut laufen. Der ist dann quasi zweckgebunden für Juli/August. Klingt vielleicht ein bisschen kleinteilig aber bei mir psychologisch total wirksam, weil ich den Betrag dann nicht anfasse für andere Sachen.
Ach ja – beim Thema Kontenstruktur für Freelancer gab's hier übrigens mal ne gute Diskussion, ich hatte da auch mitgemacht: Geschäftskonto-Wechsel Schritt für Schritt. Mehrere Konten für verschiedene Töpfe ist für Freelancer echt kein Overkill.
Ich kenne das Thema schwankendes Einkommen noch aus meiner Zeit als selbstständiger Berater, bevor ich in Rente gegangen bin. Was ich damals gemacht habe und was ich auch heute noch jedem empfehlen würde: Nimm den Durchschnitt aus den letzten 12 Monaten – aber nicht als Zielgröße, sondern als dein persönliches 'fiktives Gehalt'. Das ist der Betrag, den du dir monatlich fix vom Geschäftskonto auf dein Privatkonto überweist. Immer gleich, egal was reinkommt.
In guten Monaten sammelt sich dann auf dem Geschäftskonto ein Puffer an, der in schlechten Monaten die Differenz ausgleicht. Das nimmt enorm viel Stress raus, weil du privat immer mit dem gleichen Budget wirtschaftest.
Für die Höhe des Puffers würde ich als Faustregel mindestens drei, besser sechs 'Gehälter' auf dem Geschäftskonto empfehlen, bevor du überhaupt anfängst, größere Beträge privat zu verschieben. Ich hab das damals über ein Geschäftskonto mit integriertem Tagesgeld organisiert, da arbeitet der Puffer zumindest ein bisschen. Heutzutage sollte das eigentlich noch besser funktionieren als früher.