Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit meiner Anlagestrategie, nachdem ich letztes Jahr den Job gewechselt habe und jetzt deutlich mehr zum Investieren übrig habe. Bisher laufe ich eigentlich klassisch mit einem breit gestreuten ETF-Sparplan, aber ich lese immer öfter von Sector-Rotation – also gezielt in Sektoren umschichten, die gerade gut laufen oder kurz vor einem Aufwärtszyklus stehen.
Konkret: Energie-Aktien und Industrie-Werte sollen im Sommer oft besser laufen, Techwerte eher im Herbst/Winter. So zumindest die Theorie. Klingt erstmal logisch, aber ich bin skeptisch ob das in der Praxis wirklich funktioniert – und ob der Aufwand sich lohnt.
Meine Fragen:
- Macht ihr aktiv Sector-Rotation, und wenn ja, wie setzt ihr das um (Sektor-ETFs, Einzeltitel)?
- Oder bleibt ihr einfach bei einem breiten All-World-Ansatz und ignoriert solche Überlegungen konsequent?
- Was kostet euch das steuerlich, wenn ihr häufiger umschichtet?
Ich bin jemand der seine Fixkosten und Abos gerne systematisch optimiert – von daher reizt mich die Idee, auch beim Depot effizienter vorzugehen. Aber ich möchte nicht in eine Falle tappen und durch mehr Aktivität am Ende schlechter dastehen als vorher. Hat jemand echte Erfahrungen damit gesammelt?
Nach 15 Jahren in der Branche sage ich dir ganz direkt: Sector-Rotation klingt immer besser als sie tatsächlich funktioniert. Die saisonalen Muster, die du beschreibst, sind längst so bekannt und so oft zitiert, dass der Markt sie schon längst eingepreist hat. Wenn jeder weiß, dass Energie im Sommer gut läuft, kaufen alle im Frühling – und dann passiert genau das nicht mehr.
Was mich bei deiner Frage außerdem stutzig macht: Du beschreibst dich als jemanden, der gerne systematisch optimiert. Das ist grundsätzlich gut. Aber Sector-Rotation ist eigentlich das Gegenteil von System – es ist Timing, und Timing funktioniert eben nicht konsistent.
Steuerlich kommt noch obendrauf: Jedes Umschichten realisiert Gewinne, und die 25% Abgeltungssteuer plus Soli frisst dir einen erheblichen Teil der erhofften Mehrrendite weg.
Mein ehrlicher Rat: Bleib beim All-World-Ansatz. Langweilig, aber die Datenlage spricht eindeutig dafür.