Hallo zusammen,
ich beschäftige mich gerade intensiver mit meinem Depot-Aufbau und komme nicht so richtig zu einer Entscheidung. Aktuell überlege ich, ob ich einfach einen FTSE All-World oder MSCI ACWI nehme und damit fertig bin – oder ob es sinnvoller wäre, selbst in einzelne Regionen-ETFs aufzuteilen.
Hintergrund: Ich spare seit gut zwei Jahren monatlich 300 Euro in einen MSCI World, hab aber das Gefühl, dass mir Emerging Markets und Small Caps komplett fehlen. Gleichzeitig lese ich immer wieder, dass man mit einem einzigen All-World ETF eigentlich alles abgedeckt hat und es keine Überschneidungsprobleme gibt.
Wenn ich selbst aufteile, hätte ich mehr Kontrolle – zum Beispiel EM stärker gewichten als es ein All-World tut. Aber dann hab ich plötzlich 4-5 Positionen, muss Rebalancing selbst machen und muss aufpassen, dass sich die Regionen nicht überschneiden.
Mein Zeithorizont ist lang (mind. 20 Jahre), ich will das möglichst simpel halten, aber nicht das Gefühl haben, irgendwas zu verschenken.
Ist die Selbst-Diversifizierung wirklich besser, oder bilde ich mir das nur ein? Habt ihr Erfahrungen damit, wo der Unterschied in der Praxis wirklich spürbar wurde?
Danke schon mal,
Stefan
Das Thema kenne ich gut – hab mich da selbst lange mit beschäftigt. Kurze Antwort: Für die meisten Anleger ist ein All-World ETF vollkommen ausreichend, und der Vorteil der Selbststeuerung wird häufig überschätzt.
Der FTSE All-World deckt über 3.700 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab, EM-Anteil liegt aktuell so bei 10-12%. Wenn du EM bewusst höher gewichten willst, spricht nichts dagegen, einen zweiten EM-ETF dazuzunehmen. Aber dann bleib bei 2 Positionen, nicht 4-5.
Ich hab vor einer Weile im Thread Ab 180k Depotwert über Einzelaktien nachdenken auch geschrieben, dass Komplexität ab einem bestimmten Punkt eher schadet als nützt. Das gilt für Einzelaktien genauso wie für übermäßige ETF-Aufteilung.
Rebalancing bei 4-5 ETFs klingt erstmal nach Kontrolle, kostet aber Zeit und Nerven – und bei 300 Euro Sparrate im Monat ist das schlicht nicht nötig. Simpel halten ist hier keine Ausrede, sondern die vernünftige Strategie.
Ich seh das etwas anders als T.Fischer oben. Ein All-World ist natürlich praktisch, aber er bildet halt die Marktkapitalisierung ab – und das bedeutet derzeit knapp 65% USA. Wer das kritisch sieht (und ich tu das durchaus), dem gibt ein selbst zusammengestelltes Portfolio schon mehr Spielraum.
Ich beschäftige mich viel mit Rohstoff-Märkten und Schwellenländern, und da sieht man, dass die Gewichtungen im All-World für bestimmte Regionen wie Südostasien oder Lateinamerika wirklich marginal sind. Ob das langfristig das richtige Bild ist, weiß keiner.
Aber – und das ist entscheidend – wenn du sagst du willst es simpel halten und 20 Jahre laufen lassen, dann nimm den All-World. Der Mehrwert durch manuelles Gewichten kommt nur wenn du auch wirklich aktiv dabei bleibst und nicht nach fünf Jahren doch alles liegen lässt.
Kommt drauf an was du unter 'verschenken' verstehst. Rendite-technisch hat kein Mensch bewiesen, dass eine eigene Aufteilung den All-World systematisch schlägt – im Gegenteil.
Ich hab das bei mir auch mal durchgerechnet. TER-Unterschiede, Spread-Kosten beim Rebalancing, und dann noch der Zeitaufwand... das summiert sich anders als man denkt. Hab dazu was im Thread Wise Business als Hauptkonto für EU-Handel randnotiert.
Wenn du mit dem EM-Anteil nicht zufrieden bist, einfach 80/20 World + EM-ETF. Aber dann auch dabei bleiben. Das Schlimmste ist wenn man anfängt zu basteln und nach zwei Jahren wieder alles umwirft.
All-World und fertig. Du hast selbst geschrieben du willst es simpel – dann mach es auch simpel.