Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit Jahren intensiv mit dem Thema Vorsorgeversicherungen und bin ehrlich gesagt zunehmend frustriert über das, was da draußen als 'optimale Absicherung' verkauft wird. Egal ob klassische Rentenversicherung, fondsgebundene Variante oder irgendwelche Kombiprodukte – sobald ich ins Kleingedruckte schaue, tauchen Kosten auf, die in der Beratung nie erwähnt wurden. Abschlusskosten, laufende Verwaltungsgebühren, Stornoabzüge bei vorzeitiger Kündigung... das summiert sich über Jahrzehnte zu erschreckenden Beträgen.
Mich interessiert besonders: Wie macht ihr das? Habt ihr euch von einem unabhängigen Versicherungsmakler beraten lassen oder alles selbst durchgekämpft? Und wie unterscheidet ihr dabei seriöse Angebote von Produkten, die primär der Provision des Vermittlers dienen?
Ich frage mich auch, ob der klassische Dreiklang aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge tatsächlich noch der Weisheit letzter Schluss ist – oder ob da inzwischen andere Strategien sinnvoller wären. Gerade in Zeiten, wo man Renditepotenziale durch ETFs selbst nutzen kann, statt sie an Versicherungsgesellschaften abzutreten.
Bin gespannt auf eure Erfahrungen und kritischen Einschätzungen. Bitte kein Standardrezept aus dem Hochglanzprospekt – ich möchte wissen, was wirklich funktioniert.
Ich bin da ehrlich gesagt gespalten. Als Projektmanager mit wenig Zeit habe ich mich vor einem Jahr intensiver damit auseinandergesetzt – und ja, der Aufwand ist enorm, wenn man wirklich alles selbst vergleichen will. Ich hab damals auch im Thread "Vorsorgeversicherungen vergleichen – worauf wirklich achten?" mitgeschrieben.
Das Problem: Die meisten Menschen haben schlicht keine Zeit, sich durch 40-seitige AVBs zu kämpfen. Ich verstehe deinen kritischen Ansatz, Ralf, aber für viele ist ein etwas teureres Standardprodukt vielleicht immer noch besser als gar keine Vorsorge, weil sie sonst ewig abwarten. Ich find die Frage nach dem Honorarberater übrigens berechtigt – ich hab mal eine Stunde mit einem gesessen und das hat mehr gebracht als drei kostenlose Beratungen bei Banken.
Ralf, du sprichst mir aus der Seele. Nach 15 Jahren mit ETF-Portfolios kann ich dir sagen: Die meisten klassischen Rentenversicherungsprodukte sind aus Renditesicht schlichtweg nicht konkurrenzfähig. Ich hab das mal für mich durchgerechnet – bei einer fondsgebundenen RV mit 1,5% Gesamtkosten p.a. über 30 Jahre verlierst du gegenüber einem direkten ETF-Sparplan mit 0,2% TER einen erheblichen Teil der Endsumme. Der Vorteil der nachgelagerten Besteuerung gleicht das selten vollständig aus.
Was ich gemacht habe: Ich setze auf einen Honorarberater (kein Provisionsvermittler!), der mir einmal im Jahr den Gesamtüberblick gibt. Für die private Vorsorge läuft bei mir hauptsächlich ein breit diversifiziertes ETF-Depot. Die gesetzliche Rente und eine kleine bAV mit Arbeitgeberzuschuss nehme ich als Basis mit – aber mehr nicht.
Den Buy-and-Hold-Ansatz, den ich auch schon im Thread zu Market-Timing diskutiert habe, halte ich auch bei der Altersvorsorge für überlegen gegenüber teuren Versicherungsmänteln.
Hmm, ich steige gerade erst wieder in das ganze Thema ein nach längerer Familienpause und muss ehrlich sagen – mir ist das alles noch ziemlich unübersichtlich. Ich hab bisher immer gedacht, nachhaltige ETFs wären mein Weg (hab dazu auch schon anderswo im Forum nachgefragt), aber ob ich den ganzen Versicherungsmarkt jetzt komplett ignorieren kann, weiß ich noch nicht.
Deine Frage nach dem Kleingedruckten leuchtet mir ein, Ralf. Ich werd das auf jeden Fall im Hinterkopf behalten wenn ich demnächst erste Gespräche mit Beratern führe. Habt ihr Empfehlungen, wo man als Wiedereinsteigerin vernünftige, unabhängige Infos herbekommt – ohne direkt in eine Verkaufsveranstaltung zu geraten?
Ich find's interessant dass ihr alle so skeptisch seid – ich war das früher nicht, aber nach meiner Familienpause schau ich das auch kritischer an. Damals hab ich einfach unterschrieben was der Berater empfohlen hat. Jetzt würd ich das nie mehr so machen. Gerade beim Wiedereinstieg merke ich wie wichtig es ist, erstmal selbst zu verstehen was man eigentlich kauft. Insofern: Ralf, deine Frage trifft nen Nerv bei mir. Auch wenn ich noch kein Experte bin – das Bewusstsein fürs Kleingedruckte ist das Erste was man entwickeln sollte.