Hallo zusammen,
ich bin seit einigen Jahren in Rente und beschäftige mich in dieser Zeit intensiv damit, mein Vermögen sinnvoll aufzustellen – nicht nur für mich, sondern auch mit Blick auf meine Enkelkinder. ETFs und Dividendenaktien habe ich inzwischen ganz gut im Griff, aber bei den Vorsorgeversicherungen tue ich mich etwas schwerer.
Konkret frage ich mich: Was passiert mit bestehenden Versicherungen, wenn man in die Rentenphase eintritt? Ich habe noch eine ältere Risikolebensversicherung laufen, deren Sinn ich mittlerweile hinterfrage, und eine private Pflegezusatzversicherung, die ich vor Jahren abgeschlossen habe. Lohnt es sich, diese im Alter noch anzupassen oder umzuschichten – oder ist das an einem gewissen Punkt schlicht nicht mehr wirtschaftlich?
Mich würde auch interessieren, wie ihr generell an das Thema herangeht: Habt ihr bestimmte Versicherungen bewusst gekündigt oder reduziert, als ihr in Rente gegangen seid? Und hat jemand Erfahrungen damit, Versicherungen so zu gestalten, dass sie auch für die nächste Generation – also Kinder oder Enkelkinder – einen gewissen Wert haben?
Ich bin kein Freund von Produkten, bei denen die Kosten den Nutzen auffressen. Bin gespannt auf eure Erfahrungen und konkreten Tipps. Im Sommer hat man ja etwas mehr Zeit zum Nachdenken und Nachrechnen.
Viele Grüße
Helmut
Also ich kenn das aus einer ganz anderen Ecke – als Selbstständiger musste ich meine Absicherung immer selbst zusammenstellen, da war nix mit Betriebsrente oder so.
Was ich dabei gelernt hab: Man muss bei Versicherungen immer fragen, welches konkrete Risiko man absichert und was das Weglassen wirklich kosten würde. Bei Rentner-Haushalten ist das Hauptrisiko eigentlich die Pflege und vielleicht noch Haftpflicht. Alles andere kann man ernsthaft hinterfragen.
Risikolebens im Rentenalter ohne laufende Schulden? Ich würd da sofort kündigen, kein Zögern. Pflegezusatz hingegen – je nach Vertrag – kann durchaus sinnvoll bleiben.
Für Enkel würde ich persönlich lieber einen Freistellungsauftrag einrichten und ein kleines Depot aufbauen als irgendein Versicherungskonstrukt. Klar und verständlich, keine versteckten Kosten.
Interessantes Thema, ich kenne mich da noch nicht so gut aus. Aber eine Frage interessiert mich: Gibt es eigentlich Versicherungsprodukte, die man kombiniert als Sachwertanlage sehen könnte? Ich lese ja viel über Rohstoffe und Immobilien als Absicherung, aber ob Versicherungen da irgendwie reinpassen... bin gespannt was die Erfahreneren hier dazu sagen.
Helmut, gute Frage – und ich glaube, der Ansatz stimmt grundsätzlich: Im Alter gezielt prüfen, was noch passt und was man bereinigen kann.
Kurz aus meiner Perspektive: Ich bin noch weit von der Rente entfernt, aber baue mein Portfolio bewusst so auf, dass ich später möglichst wenig Flickwerk betreiben muss. Versicherungen sehe ich dabei als Risikopuffer, nicht als Anlage – das sollte man immer trennen.
Die Kombination Risikolebens + Rentenalter ohne offene Verbindlichkeiten macht mathematisch wirklich keinen Sinn mehr, das haben Werner und Hartmut ja schon gut erklärt. Für Pflegezusatz gilt: Den Vertrag mal genau lesen, was konkret versichert ist. Viele ältere Verträge haben Tagegeldbeträge, die mit heutigen Pflegeheimsätzen kaum mithalten.
Für die Enkel würde ich ganz klar ETF-Depot empfehlen – nachhaltig ausgerichtet, kostenarm, transparent. Ich selbst setze auf Green Bonds und nachhaltige ETFs und bin damit bis jetzt gut gefahren. Das Prinzip ist auch für eine generationenübergreifende Strategie deutlich eleganter als ein Versicherungsmantel.
Ich sage mal so: Versicherungen sind grundsätzlich ein Nullsummenspiel, bei dem der Anbieter langfristig im Vorteil ist. Das gilt im Alter noch mehr als davor, weil die Restlaufzeit kürzer ist und die Abschlusskosten schon längst bezahlt wurden.
Die Risikolebensversicherung im Rentenalter weiterzuzahlen macht für die meisten schlicht keinen Sinn mehr – außer man hat noch konkrete Schulden oder Unterhaltslasten. Das ist keine Meinung, das ist Mathematik.
Bei der Pflegeversicherung sieht es anders aus, da stimme ich Werner zu. Die Pflegekosten in Deutschland sind real und steigen weiter. Wer da keine Zusatzabsicherung hat und sein Kapital nicht vollständig selbst trägt, zahlt am Ende trotzdem drauf. Allerdings sollte man genau schauen, was der Vertrag eigentlich leistet – viele ältere Verträge decken nur Tagegeld ab, das heute kaum noch ausreicht.
Für die Enkelgeneration: Finger weg von Versicherungslösungen. Das ist oft teuer verpacktes Marketing. Wer Fakten statt Hochglanzprospekte will, kommt an ETFs kaum vorbei.