Hallo zusammen,
ich sitze gerade im Urlaub und nutze die ruhige Zeit endlich mal dafür, meine Vorsorgeversicherungen auf Vordermann zu bringen. Ich hab das schon länger vor mir hergeschoben, aber jetzt ist mir das wirklich wichtig.
Mein Problem: Ich habe momentan eine private Rentenversicherung, eine Risikolebensversicherung und eine Pflegetagegeldversicherung – alle bei verschiedenen Anbietern abgeschlossen, zu verschiedenen Zeitpunkten, und ich habe ehrlich gesagt den Überblick verloren, was ich da eigentlich genau zahle und was ich dafür bekomme.
Jetzt frage ich mich: Wie gehe ich sinnvoll vor, wenn ich Kosten und Leistungen dieser verschiedenen Versicherungen vergleichen möchte? Worauf sollte ich bei jedem Vertragstyp konkret achten? Gibt es bestimmte Kennzahlen oder Klauseln, die häufig übersehen werden aber entscheidend sind?
Ich bin kein Versicherungsprofi und tue mich schwer mit den ganzen Fachbegriffen in den Vertragsdokumenten. Manche Dinge klingen gut, aber ich weiß nicht ob sie wirklich relevant sind oder einfach nur nett formuliert.
Hat jemand eine strukturierte Herangehensweise, wie man das sauber durchgeht? Oder Erfahrungen gemacht, wo versteckte Kosten auftauchen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind?
Vielen Dank schon mal!
S.Weber
Wie TobiasK92 schreibt, ist ein Honorarberater wirklich nicht verkehrt. Ich würde das ergänzen: Gerade bei fondsgebundenen Anteilen in privaten Rentenversicherungen lohnt ein zweiter Blick auf die Fondskosten (TER), die oft *zusätzlich* zur Versicherungskostenkennzahl anfallen. Das summiert sich über Jahrzehnte zu beachtlichen Beträgen.
Eine Faustregel aus meiner Erfahrung: Die Gesamtkosten (Versicherungskosten + Fondskosten) sollten idealerweise unter 2% p.a. liegen. Alles darüber frisst einen erheblichen Teil der Rendite auf – gerade im aktuellen Zinsumfeld, wo die Margen eh schon dünn sind.
Für die Risikolebensversicherung: Schau ob du eventuell über- oder unterversichert bist im Vergleich zu deiner aktuellen Lebenssituation. Viele Verträge werden einmal abgeschlossen und dann nie wieder angepasst, obwohl sich Einkommen, Familie oder Verbindlichkeiten geändert haben. Das passiert häufiger als man denkt.
Also ich geb mal ne etwas andere Perspektive: Ich find es ehrlich gesagt sinnvoll, für sowas einmal einen unabhängigen Versicherungsberater (also nicht Makler, der verdient an Provisionen) zu bezahlen. Kostet einmalig vielleicht 150-300€ für eine Stunde Beratung, aber der schaut sich alle Verträge an und sagt dir genau wo du zu viel zahlst oder wo Lücken sind.
Ich hab das mal nach einem Auslandseinsatz gemacht als meine Versicherungssituation komplett unübersichtlich geworden war – war die beste Investition. Man verliert sonst leicht den Faden wenn man mehrere Verträge bei verschiedenen Anbietern hat und keiner davon wirklich aufeinander abgestimmt ist.
Bei Pflegetagegeld würde ich übrigens noch auf die Wartezeiten achten – die stehen oft im Kleindgedruckten und können unangenehm überraschen wenn man tatsächlich mal in die Situation kommt.
Ich kenn das Thema gut – hab selbst vor einiger Zeit für mich alle Versicherungen mal auf den Tisch gelegt und verglichen. War aufwändiger als gedacht.
Bei privaten Rentenversicherungen würde ich als erstes auf die Effektivkostenquote schauen – die muss seit einigen Jahren im Produktinformationsblatt ausgewiesen sein. Klingt technisch, ist aber der ehrlichste Vergleichswert. Alles über 1,5% p.a. sollte man kritisch hinterfragen, gerade wenn der Vertrag noch viele Jahre läuft.
Bei der Risikolebensversicherung ist der Vergleich einfacher: Beitrag, versicherte Summe, Laufzeit – mehr gibt es da eigentlich nicht zu beachten, außer ob bestimmte Ausschlüsse im Kleingedruckten stehen (gefährliche Hobbys, Vorerkrankungen etc.).
Die Pflegetagegeldversicherung ist etwas komplizierter. Da würde ich genau lesen, ab welchem Pflegegrad was gezahlt wird und ob dynamische Anpassungen vorgesehen sind. Gerade wenn man die Inflation der kommenden Jahre einkalkuliert, macht das einen riesigen Unterschied.
Ich hatte damals auch den Thread Bank drängt fondsgebundene RV - soll ich doch abschließen? hier gelesen – da wurde einiges zu versteckten Kosten diskutiert, was auch für deine Rentenversicherung relevant sein könnte.
Kurz und knapp: Lass dir von jedem Anbieter eine aktuelle Standmitteilung und das Produktinformationsblatt schicken. Dann hast du alles was du brauchst um zu vergleichen. Ohne diese Dokumente tappt man wirklich im Dunkeln.