Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer Entscheidung, bei der ich echt nicht weiter weiß und hoffe hier auf ein paar ehrliche Meinungen.
Meine Mutter (72) hat mich neulich angesprochen, weil ihr eine Sterbegeldversicherung angeboten wurde – monatlich ca. 35 Euro Beitrag, Versicherungssumme 5.000 Euro. Sie möchte auf keinen Fall, dass wir Kinder nach ihrem Tod mit den Beerdigungskosten belastet werden, und das finde ich total verständlich. Gleichzeitig bin ich skeptisch, ob das wirklich die beste Lösung ist.
Wenn ich das grob durchrechne: Bei ihrer Lebenserwartung könnte sie gut 15–20 Jahre einzahlen. Das wären dann zwischen 6.300 und 8.400 Euro Beitrag für am Ende 5.000 Euro Auszahlung. Das klingt für mich auf den ersten Blick nach einem schlechten Deal, aber vielleicht übersehe ich da was?
Alternativ hab ich überlegt, ob man das Geld einfach monatlich auf ein Tagesgeldkonto einzahlen würde – aber ich weiß nicht, ob meine Mutter das diszipliniert durchhalten würde, und was passiert wenn sie schon früher stirbt und noch nicht genug angespart ist.
Gibt es vielleicht noch andere Alternativen, die ich nicht auf dem Schirm habe? Einen Bestattungsvorsorgevertrag zum Beispiel?
Freue mich über eure Einschätzungen, auch wenns unbequem ist.
Lena
Kurze Antwort: Die Mathematik, die du aufmachst, stimmt leider. Sterbegeldversicherungen sind in den allermeisten Fällen ein schlechtes Geschäft für den Versicherten.
Der entscheidende Punkt ist das Todesfallrisiko in den ersten Jahren – wenn deine Mutter kurz nach Abschluss stirbt, zahlt die Versicherung trotzdem. Deshalb gibt es oft Wartezeiten oder gestaffelte Leistungen in den ersten 2-3 Jahren. Das ist der einzige echte Vorteil gegenüber dem Selbstsparen.
Der Bestattungsvorsorgevertrag, den du erwähnst, ist meiner Meinung nach die bessere Alternative, wenn man konkret für die Beerdigung vorsorgen will. Man zahlt direkt an ein Bestattungsunternehmen, legt die Wünsche fest, und das Geld ist zweckgebunden. Bei einem anderen Thread hier hab ich auch schon erwähnt, dass zweckgebundene Rücklagen oft sinnvoller sind als Versicherungskonstrukte.
Alternativ: Einmaleinzahlung auf ein Tagesgeldkonto, das nur für diesen Zweck reserviert ist. Einfacher und transparenter.
Ich seh das bisschen anders als die anderen hier. Klar ist die Rendite mies – aber das ist bei Versicherungen generell so, die kauft man nicht wegen der Rendite.
Wenn deine Mutter z.B. gesundheitlich angeschlagen ist und realistisch nicht 15 Jahre einzahlen wird, kann die Rechnung plötzlich ganz anders aussehen. Dann zahlt sie vielleicht 3-4 Jahre ein und die Versicherung zahlt trotzdem 5.000 raus. Das wär beim Selbstsparen nicht möglich.
Ich würd einfach mal konkret nachfragen wies um ihre Gesundheit steht, bevor man das komplett vom Tisch wischt. Unangenehmes Gespräch, ich weiß. Aber relevant.
Sachlich betrachtet lässt sich das ganz nüchtern einordnen:
Eine Sterbegeldversicherung ist versicherungsmathematisch fast immer ein Verlustgeschäft für den Versicherten – das ist kein Geheimnis und kein Vorwurf an die Anbieter, das ist schlicht das Prinzip jeder Versicherung. Man zahlt eine Risikoprämie.
Die relevante Frage ist: Welches Risiko soll abgesichert werden? Wenn es das Risiko ist, dass die Familie kurzfristig keine 5.000 Euro für eine Beerdigung aufbringen kann, dann ist das eine legitime Absicherung. Wenn das finanziell kein Problem wäre, braucht man die Versicherung schlicht nicht.
Mein konkreter Vorschlag: Klärt zunächst, ob die Familie tatsächlich in der Lage wäre, kurzfristig 5.000-8.000 Euro für Bestattungskosten aufzubringen. Falls ja, ist ein zweckgebundenes Sparkonto bei weitem effizienter. Falls nein, ist die Versicherung zumindest nachvollziehbar – auch wenn sie teuer ist.
Der Bestattungsvorsorgevertrag bleibt aber in den meisten Szenarien die elegantere Lösung, weil er den Willen der Mutter konkret dokumentiert und keine Versicherungsmarge enthält.
Ich hab mich mit dem Thema auch schon beschäftigt, weil bei mir ähnliches aus der Familie kam.
Was viele nicht wissen: Sterbegeldversicherungen haben oft keine oder nur eine sehr eingeschränkte Gesundheitsprüfung – deshalb werden sie gezielt an ältere Menschen vermarktet. Der Anbieter kalkuliert das natürlich ein, und genau daher die schlechte Rendite.
Wie BudgetNeustart schon sagt, ist der Bestattungsvorsorgevertrag wirklich die Alternative mit der höchsten Transparenz. Man weiß genau was man bekommt, welches Unternehmen zuständig ist, und es gibt keinen Versicherungsmantel mit Verwaltungskosten drum herum.
Eine Sache noch: Prüft unbedingt, ob das Geld im Insolvenzfall des Bestattungsunternehmens geschützt ist – da gibt es Unterschiede je nach Vertragsgestaltung. Seriöse Anbieter legen das Geld treuhänderisch an.
Das Tagesgeldkonto-Modell funktioniert auch, erfordert aber wie du sagst Disziplin. Ich hab im Notgroschen-Thread schon beschrieben, dass zweckgebundene Konten da wirklich helfen können – einfach ein separates Konto mit klarem Label eröffnen.