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Gesetzliche RV freiwillig oder komplett privat vorsorgen als Selbstständiger?

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Klaus Müller
Beiträge: 12
Themenstarter
(@klaus_1972)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten
[#28]

Hallo zusammen,

ich bin seit etwa 12 Jahren selbstständig (Grafikdesign, hauptsächlich Unternehmenskunden) und muss zugeben, dass ich das Thema Altersvorsorge bisher ziemlich schleifen gelassen hab. Mit Mitte 50 macht sich das langsam unangenehm bemerkbar, wenn man anfängt nachzurechnen.

Jetzt im Sommer hab ich endlich etwas mehr Luft – die Aufträge laufen ruhiger, ein paar Kunden sind im Urlaub – und ich nutze die Zeit um mich mal ernsthaft damit zu beschäftigen. Bisher zahle ich nichts in die gesetzliche Rentenversicherung ein, weil ich als Grafiker nicht pflichtversichert bin.

Mich beschäftigen gerade folgende Fragen:

1. Macht es Sinn, freiwillig in die gesetzliche RV einzuzahlen, oder ist das im Vergleich zu privaten Alternativen eher suboptimal?
2. Was sind realistische Optionen neben der Rürup-Rente (die hab ich anderswo schon ausgiebig diskutiert gesehen)? ETF-Depot, Immobilien, irgendwas anderes?
3. Wie geht ihr mit dem schwankenden Einkommen um – manche Monate laufen super, andere eher mau. Macht es da Sinn flexible Sparraten einzuplanen oder besser einen festen Sockelbetrag?

Bin für jeden Hinweis dankbar, auch wenn die Antwort 'du hättest früher anfangen sollen' lautet – das weiß ich selbst 😅

Grüße, Klaus


3 Antworten
Markus Tanner
Beiträge: 12
(@vorsorgepro3469)
Active Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Kurz zu den freiwilligen GRV-Beiträgen: Ich würde das nicht pauschal empfehlen oder abraten. Es kommt wirklich auf die individuelle Erwerbsbiographie an. Wer noch keinerlei Rentenanwartschaften hat, kann durch freiwillige Beiträge zumindest die Mindestvoraussetzungen für spätere Leistungen erfüllen – das ist schon ein Argument.

Was ich bei Selbstständigen aber immer wieder sehe (hab mich in anderen Threads dazu auch schon geäußert, z.B. zum Thema Liquiditätspuffer unter Notgroschen: Tagesgeld 3,5% vs. Geldmarkt-ETF): Viele unterschätzen wie wichtig ein gut dimensionierter Liquiditätspuffer ist, bevor man überhaupt langfristig binden sollte. Wenn du in einem schlechten Monat deine Rürup- oder ETF-Beiträge nicht zahlen kannst, bringt dir der schönste Plan nichts.

Zur Frage flexible vs. feste Sparrate: Aus meiner Sicht ist eine Kombination ideal. Ein kleiner Fixbetrag in ein kostengünstiges Basisvehikel (Rürup oder ETF), und darüber hinaus quartalsweise eine variable Einmalzahlung, wenn die Einnahmen es erlauben. Das lässt sich steuerlich oft sogar gut optimieren.

Bei Mitte 50 würde ich außerdem unbedingt prüfen lassen, ob noch bestehende Rentenanwartschaften aus früherer Angestelltentätigkeit vorhanden sind – das wird gerne vergessen.


Antwort
Anja Weber
Beiträge: 30
(@a-weber)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

MarcusHeld und VorsorgePro3469 haben das gut zusammengefasst, ich will nur noch einen Punkt ergänzen den ich für unterschätzt halte: Immobilien als Altersvorsorge für Selbstständige werden oft romantisiert. Ein abbezahltes Eigenheim ist natürlich schön, aber als aktive Renditestrategie mit 54 noch einzusteigen – das will gut überlegt sein. Finanzierung läuft dann teils bis ins Rentenalter, Klumpenrisiko, Verwaltungsaufwand. Ich würde das zumindest nicht als Kernbaustein sehen.

Das ETF-Depot bleibt meiner Einschätzung nach das flexibelste Instrument für Selbstständige, gerade wegen der Möglichkeit Entnahmen selbst zu steuern. Die gesetzliche RV freiwillig zu besparen kann ergänzend sinnvoll sein – aber eben nur ergänzend, nicht als Hauptstrategie in dieser Lebensphase.


Antwort
Marcus H.
Beiträge: 5
(@marcusheld)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hi Klaus,

zur freiwilligen gesetzlichen RV: Das ist eine echte Glaubensfrage und die Antwort hängt stark davon ab, wie lange du noch einzahlst und wie hoch dein Einkommen ist. Der Vorteil der gesetzlichen RV ist die Absicherung bei Erwerbsminderung und natürlich die lebenslange Rente – kein Kapitalmarktrisiko, dafür aber auch keine Flexibilität. Der aktuelle Beitragssatz liegt ja bei 18,6%, du zahlst als Selbstständiger dann den vollen Satz alleine.

Für jemanden mit Mitte 50 würde ich das kritisch durchrechnen lassen – der Rücklaufzeitraum ist nicht mehr ewig lang.

ETF-Depot als Ergänzung halte ich persönlich für sinnvoll, hab ich in einem anderen Thread auch schon geschrieben (Kind in 2 Jahren, 50k zur Verfügung – alles ETF oder besser streuen?). Flexibel, transparent, kostengünstig. Gerade wenn dein Einkommen schwankt, kannst du die Sparrate monatlich anpassen.

Den Sockelbetrag-Ansatz den du nennst find ich eigentlich gut: kleinen fixen Betrag als Minimum, und in guten Monaten drauflegen. Das schafft Disziplin ohne dich in schlechten Phasen zu strangulieren.


Antwort
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