Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Wochen ernsthaft mit der Frage, ob ich mein Depot auf mehrere Broker aufteilen sollte. Aktuell habe ich alles bei einem einzigen Anbieter – ETFs, ein paar Einzelaktien, nichts Exotisches. Das Depot hat mittlerweile eine Größe erreicht, bei der ich mir Gedanken mache ob das noch sinnvoll ist.
Mein Hauptgedanke ist eigentlich die Absicherung. Was passiert wenn ein Broker in Schwierigkeiten gerät? Ich weiß, die Einlagensicherung greift, und Wertpapiere sind Sondervermögen – das ist mir bekannt. Aber irgendwie hat man doch ein ungutes Gefühl wenn alles an einer Stelle liegt. Auf der anderen Seite: Mehrere Depots bedeuten auch mehr Aufwand bei der Steuererklärung, mehrere Jahresbescheinigungen, möglicherweise unterschiedliche Konditionen bei Sparplänen usw.
Hat jemand von euch das schon gemacht? Und wenn ja, wie habt ihr die Aufteilung konkret vorgenommen – nach Anlageklasse, nach Broker-Typ (Neobroker vs. klassische Bank), oder einfach 50/50?
Ich frage mich auch ob es steuerlich irgendwelche Fallstricke gibt die ich noch nicht auf dem Schirm habe. Verlustverrechnung zwischen Brokern war glaube ich mal ein Thema?
Freue mich über praktische Erfahrungen, nicht nur Theorie.
Wolfgang
Ich seh das ehrlich gesagt etwas anders als S.Hartmann oben. Der steuerliche Aufwand ist real, ja – aber man muss ihn auch nicht übertreiben. Wenn du zwei Broker hast und bei einem nur Gewinne laufen, brauchst du die Verlustbescheinigung gar nicht. Das ist eher ein Randfall.
Was mich beim Thema Depot-Splitting mehr umtreibt: die Frage nach dem konkreten Mehrwert. Wertpapiere sind Sondervermögen, da schützt dich keine Einlagensicherungsgrenze – die gilt nur fürs Verrechnungskonto. Also aus reiner Sicherheitsperspektive ist das Argument für Splitting bei ETFs und Aktien schon etwas dünn.
Was aber durchaus Sinn macht: einen Neobroker für günstige Sparpläne nutzen und eine klassische Bank als "Hauptdepot" mit besserem Support und ggf. Beratung im Hintergrund halten. Das ist weniger Risikomanagement und mehr praktische Arbeitsteilung. Hab ich selbst so ähnlich.
Zwei Depots ja, aber mehr würde ich nicht empfehlen. Der Überblick leidet und du machst dir die Jahresend-Steuerarbeit unnötig kompliziert. Für die meisten Privatanleger reicht: ein günstiger Neobroker für Sparpläne, ein zweiter als Backup bzw. für Einzelkäufe. Fertig.
Hallo Wolfgang,
die Frage nach dem Depot-Splitting ist durchaus berechtigt, ich hab mir das selbst schon überlegt. Ich hatte das Thema im Zusammenhang mit der Diskussion über 80k Erbe und Diversifikation mal angesprochen – da geht es zwar um Assetklassen, aber der Grundgedanke ist ähnlich: nicht alles auf ein Pferd.
Zum steuerlichen Punkt, den du ansprichst: Das ist tatsächlich nicht trivial. Verluste bei Broker A können nicht automatisch mit Gewinnen bei Broker B verrechnet werden. Du musst das manuell über die Steuererklärung machen, indem du eine Verlustbescheinigung beim Verlust-Broker beantragst. Das kostet Zeit und passiert nicht von selbst. Wer das vergisst, zahlt unter Umständen Steuern obwohl er unterm Strich gar keinen Gewinn hatte.
Den Aufwand sollte man also nicht unterschätzen. Ich persönlich halte ein zweites Depot für sinnvoll ab einer gewissen Depotgröße, aber ich würde es nicht zu kleinteilig machen. Zwei Broker reichen eigentlich. Mehr wird schnell unübersichtlich, gerade wenn man das nicht täglich im Blick hat.
Also ich nutz mittlerweile zwei Depots und finde es eigentlich ganz okay. Hab das hauptsächlich gemacht weil ich für bestimmte Sachen unterschiedliche Apps bevorzuge – für den Überblick und Tracking hatte ich das mal im Tools-Thread erwähnt, da geht es zwar um Rohstoffe aber die App-Frage ist dieselbe.
Steuertechnisch stimmt was die anderen schreiben, die Verlustbescheinigung muss man aktiv beantragen bis zum 15. Dezember des jeweiligen Jahres, sonst ist der Zug abgefahren für das Jahr. Das ist der einzige echte Haken den ich kenne.
Ansonsten find ich zwei Depots nicht wirklich stressig. Einmal im Monat kurz beide gecheckt, fertig. Den Verwaltungsaufwand den manche hier beschreiben erlebe ich ehrlich gesagt nicht so.