Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer Entscheidung und würde gerne eure Meinung hören. Hab aktuell etwa 50k auf verschiedenen Tagesgeldkonten zu Zinsen zwischen 3,2% und 3,5%. Das ist ja mal wieder richtig ordentlich nach den ganzen Nullzins-Jahren.
Jetzt frage ich mich aber: Warum sollte ich überhaupt noch in ETFs oder Einzelaktien investieren? Klar, langfristig waren die Renditen am Aktienmarkt höher, aber das ist ja Vergangenheit und keine Garantie. Bei Tagesgeld hab ich:
- Garantierte 3,5% ohne Risiko
- Täglich verfügbar
- Keine Schwankungen, kann nachts ruhig schlafen
- Einlagensicherung bis 100k
Bei Aktien/ETFs dagegen:
- Ungewisse Rendite, kann auch Verluste geben
- Schwankungen, teilweise heftig
- Langfristig gebunden wenn ich nicht mit Verlust verkaufen will
Ich bin 34 und hab eigentlich noch lange Zeit bis zur Rente, aber bei den aktuellen Zinsen frage ich mich wirklich: Spricht aktuell irgendetwas gegen die sichere Variante? Die Inflation ist ja auch wieder runtergekommen.
Wie seht ihr das? Bin ich zu risikoscheu oder macht Tagesgeld bei 3,5% wirklich Sinn?
Hey,
verstehe deine Überlegung total. Mit 3,5% Tagesgeld ist man erstmal gut bedient, keine Frage. Aber bei deinen 34 Jahren würde ich trotzdem nicht komplett auf Aktien/ETFs verzichten.
Das Problem: Die 3,5% sind nicht in Stein gemeißelt. Wenn die EZB die Zinsen wieder senkt (was früher oder später kommen wird), bist du wieder bei 1% oder weniger. Dann ärgerst du dich, dass du die guten Aktienjahre verpasst hast.
Mein Vorschlag: Mach doch eine Mischung. Behalte erstmal 20-30k auf Tagesgeld als Notgroschen und für kurzfristige Ziele. Den Rest würde ich schrittweise in einen breit gestreuten ETF stecken. Mit 34 hast du noch 30+ Jahre bis zur Rente - da können die Schwankungen locker aussitzen.
Das erinnert mich übrigens an einen Beitrag hier: Basis-Rente mit 55: Reicht die Zeit noch für einen ordentlichen Aufbau? - da ging's auch um Zeitfaktor bei der Altersvorsorge. Je früher du anfängst, desto entspannter wird's später.
Bei der aktuellen Inflation von ~3% machst du mit dem Tagesgeld real quasi null Gewinn. Das solltest du auch bedenken.
Klaus
Verstehe deine Überlegung total! Bei 3,5% Tagesgeld kann man schon ins Grübeln kommen. Aber ein paar Punkte solltest du bedenken:
1) Die 3,5% gibts nicht ewig. EZB senkt schon wieder die Leitzinsen, die Banken werden nachziehen. In 1-2 Jahren können das wieder 1-2% sein.
2) Mit 34 hast du noch 30+ Jahre bis zur Rente. Selbst wenn der Aktienmarkt jetzt 5 Jahre seitwärts läuft, langfristig waren die Renditen deutlich über 3,5%. Wie ich neulich beim ETF-Thread geschrieben hab, auch kleine Kostenunterschiede zahlen sich langfristig aus - genauso ist es mit ein paar Prozent mehr Rendite.
3) Inflation ist aktuell niedriger, aber real bekommst du trotzdem nur 1-2% nach Steuern und Inflation.
Mein Vorschlag: Mach doch 70/30. 70% weiter in ETFs (Sparplan), 30% als Sicherheitspuffer auf Tagesgeld. So nutzt du beides und kannst ruhig schlafen.
Sehe ich komplett anders als meine Vorredner. 3,5% RISIKOFREI ist doch super! Warum soll man sich den Stress mit Schwankungen antun wenns auch ohne geht? Bin selbst eher konservativ unterwegs und bereue das nicht.
Kann ThomasK92 nur zustimmen. Bin 49 und hab schon einige Zyklen mitgemacht. Die hohen Tagesgeld-Zinsen sind ein Geschenk für den Notgroschen, aber nicht für den langfristigen Vermögensaufbau.
2008-2012 hatten wir auch mal 4-5% auf Festgeld, danach kam die lange Durststrecke. Wer damals alles aufs Sparbuch gelegt hat, ärgert sich heute schwarz. Hab mal geschrieben dass 20% Einzelaktien ok sind - aber die Basis sollten schon breit diversifizierte ETFs sein.
Mit 34 Jahren auf Tagesgeld zu setzen ist wie mit Tempo 50 auf der Autobahn fahren - sicher, aber du kommst nie an. Die 3,5% sind verlockend, aber denk an den Opportunitätskost. In 20 Jahren ärgerst du dich vermutlich, wenn du jetzt nicht investierst.
Notgroschen 3-6 Monatsausgaben aufs Tagesgeld, Rest langfristig anlegen.