Ich beschäftige mich seit Jahren kritisch mit Finanzprodukten, die auf den ersten Blick attraktiv wirken, beim genauen Hinschauen aber erhebliche Haken haben. Jetzt geht es bei mir um einen konkreten Kredit für eine größere Anschaffung – ich will nicht ins Detail gehen, aber es geht um einen fünfstelligen Betrag mit Laufzeit zwischen 5 und 8 Jahren.
Die Bank hat mir zwei Angebote gemacht: einmal 4,1% fest über die gesamte Laufzeit, einmal aktuell 3,4% variabel mit Anpassung an den EURIBOR. Die Zinsdifferenz klingt erstmal nach Vorteil variabel – aber ich bin skeptisch. Ich erlebe das gerade ähnlich wie bei der Riester-Rente: Die Verpackung sieht gut aus, dahinter steckt aber viel Unsicherheit und wenig echte Kontrolle.
Meine Kernfrage: Gibt es eine systematische Methode, um zu berechnen, ab welchem Zinsniveau der variable Zins zum Nachteil wird? Also sowas wie eine Break-Even-Analyse für die Zinsentwicklung?
Außerdem würde mich interessieren: Wer hat hier Erfahrung mit variablen Krediten über mehrere Jahre – wie hat sich das tatsächlich entwickelt? Die EZB-Politik ist gerade alles andere als eindeutig, und ich traue den Prognosen der Banken ungefähr so weit wie ich die werfe.
Wichtig: Mir geht es nicht um pauschale Empfehlungen ('fest ist sicherer'), sondern um echte Rechenlogik.
Die Break-Even-Logik ist eigentlich gar nicht so kompliziert, ich erkläre sie kurz so wie ich's meinen Klienten aufzeige:
Du berechnest für jede mögliche Zinsentwicklung die Gesamtzinslast über die Laufzeit und vergleichst sie mit dem Fixangebot. Konkret: Bei 8 Jahren und einem Ausgangsunterschied von 0,7 Prozentpunkten kannst du dir ausrechnen, wie stark der variable Zins im Schnitt steigen darf, bevor du schlechter dastehst als mit dem Festzins. Das sind keine Hexerei-Formeln, das geht mit einer simplen Excel-Tabelle – monatliche Rate × Laufzeit, einmal mit dem fixen Satz, einmal mit verschiedenen Szenarien.
Was ich aus der Praxis sagen kann: Bei Laufzeiten über 6 Jahren wird die Unsicherheit erfahrungsgemäß zum echten Problem. Ich hab Familien betreut, die 2021 noch günstig variabel finanziert hatten – und dann kam 2022/2023. Die wurden richtig kalt erwischt.
Deine Skepsis gegenüber Bankprognosen teile ich übrigens vollständig.