Hallo zusammen,
meine Partnerin und ich stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Wir haben eine Wohnung gefunden, die perfekt für uns wäre - 3,5 Zimmer, 85qm, gute Lage. Der Kaufpreis liegt bei 380.000 Euro plus etwa 35.000 Euro Nebenkosten.
Das Problem: Wir haben praktisch kein Eigenkapital. Maximal 15.000 Euro könnten wir zusammenkratzen, aber das reicht ja bei weitem nicht für die üblichen 20% Eigenkapital.
Ich bin 34, arbeite als Ingenieur und verdiene 4.200 Euro netto. Meine Partnerin ist Lehrerin mit 3.100 Euro netto. Zusammen haben wir also ein solides Einkommen, aber eben kein angespartes Kapital.
Jetzt ist die Frage: Gibt es 2026 noch Banken, die eine 100%-Finanzierung machen? Oder sogar 110% für die Nebenkosten? Die Zinsen sind ja momentan wieder etwas gesunken im Vergleich zu letztem Jahr.
Hat jemand von euch Erfahrungen mit Vollfinanzierungen gemacht? Welche Banken sind da offen? Und worauf muss ich achten - außer den höheren Zinsen?
Danke schon mal für eure Tipps!
Vollfinanzierung ist immer riskant, auch wenn es machbar ist. Bei 415.000 Euro Gesamtsumme zahlt ihr locker 2.000-2.200 Euro monatlich ab - das sind fast ein Drittel eures Nettoeinkommens.
Was passiert wenn einer von euch arbeitslos wird oder das Auto kaputt geht? Bei null Eigenkapital habt ihr auch keinen finanziellen Puffer für unvorhergesehene Ausgaben.
Mein Rat: Wartet noch 1-2 Jahre und spart wenigstens die Nebenkosten an. Mit eurem Einkommen sollten 500-800 Euro monatlich sparen drin sein. Besser eine solide Finanzierung später als jetzt ein zu hohes Risiko.
Also bei uns in der Region (Baden-Württemberg) machen das noch einige Banken, aber die Konditionen sind schon hart. Wir haben letztes Jahr für einen Kunden eine 105%-Finanzierung hinbekommen, aber der musste 3,9% zahlen statt der damals üblichen 3,2%.
Wichtig ist auch die Objektqualität - bei einer Eigentumswohnung sind die Banken oft vorsichtiger als bei einem Haus mit Grundstück. Lasst auf jeden Fall ein Wertgutachten machen, damit ihr wisst ob der Preis realistisch ist.
Mein Tipp: Geht zu einem unabhängigen Vermittler, der kann mehrere Banken gleichzeitig anfragen. Manche Regionalbanken sind da flexibler als die großen.
Bei eurem Einkommen ist eine Vollfinanzierung durchaus machbar, aber rechnet mit deutlich höheren Zinsen. Ich würde bei 0,5-0,8% Aufschlag gegenüber einer normalen Finanzierung rechnen.
Wichtig: Die Beleihungsgrenze bei den meisten Banken liegt bei max. 100% des Verkehrswerts. Die Nebenkosten müsstet ihr also trotzdem selbst stemmen. Mit euren 15.000 Euro wird das knapp, je nach Region sind 8-10% Nebenkosten realistisch.
Schaut euch mal die ING, Commerzbank oder auch regionale Sparkassen an. Die machen manchmal Vollfinanzierungen, aber nur bei sehr guter Bonität. Bei eurem Haushaltseinkommen von über 7.000 Euro netto sollte das klappen, wenn ihr sonst keine größeren Verbindlichkeiten habt.
Kann Klaus nur zustimmen - das ist schon sehr knapp kalkuliert. Ich hab vor paar Jahren auch mal ne Vollfinanzierung überlegt, aber dann doch lieber noch gespart.
Bei den aktuellen Energiepreisen und der Inflation solltet ihr auch bedenken, dass die Nebenkosten für die Wohnung steigen werden. Bei ner Eigentumswohnung kommen auch noch Reparaturen und Instandhaltung dazu, die sind nicht ohne.