Hallo zusammen,
iche bin nach etwa 10 Jahren wieder am Start mit der Geldanlage und möchte mich systematisch reinarbeiten. Beim Recherchieren zu ETF-Sparplänen bin ich jetzt auf die Unterscheidung zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs gestoßen – und ehrlich gesagt verwirrt mich das.
Mein Plan: Ich will monatlich 500-800 Euro in einen breit gestreuten ETF-Sparplan investieren, langfristig 10-15 Jahre Horizont. Bei meiner ersten Recherche dachte ich, ausschüttende ETFs sind "besser", weil man die Dividenden sieht. Aber jetzt lese ich überall, dass Thesaurierung wegen Zinseszinseffekt eigentlich die clevere Wahl ist – besonders bei längeren Zeiträumen.
Fragen:
- Macht bei meinem Zeithorizont thesaurierend wirklich einen spürbaren Unterschied?
- Gibt es auch moderne FinTech-Lösungen oder Apps, die das Thema automatisiert angehen?
- Welche praktischen Nachteile hat thesaurierend (außer der Unsichtbarkeit der Erträge)?
Vielleicht habt ihr ja auch Erfahrungen mit modernen Sparplan-Plattformen, die hier was anders machen?
Danke für Tipps!
Stefan, aus meiner Berufspraxis kann ich dir sagen: Dein Instinkt zu thesaurierend ist richtig. Bei ETF-Sparplänen über so lange Zeiträume schlägt die Wiederanlage deutlich durch. Mit 500-800 Euro monatlich gerechnet und angenommenen 6-7% durchschnittlicher Rendite – da sparst du dir über 15 Jahre gegenüber ausschüttend real mehrere tausend Euro an "verlorenen" Zinseszinsen.
Ein praktischer Punkt, den viele übersehen: Bei ausschüttenden ETFs musst du die Dividenden aktiv wieder reinvestieren. Das kostet dich jedesmal eine Transaktionsgebühr und Aufwand. Thesaurierend macht das automatisch – perfekt für einen Sparplan.
Steuerlich: Mit deinem Freistellungsauftrag (bis 1.000 Euro Kapitalertragsteuer pro Jahr) wirst du lange Zeit sowieso nichts zahlen. Das ist nicht der Knackpunkt.
Zum FinTech-Aspekt: Moderne Robo-Advisor oder Apps wie Scalable, Trade Republic oder ähnliche machen dir das Leben einfach – die haben thesaurierende All-in-One-ETFs schon integriert. Ich hab das Thema kurzfristig vs. langfristig hier auch schon mal diskutiert – das passt zu deinem Fall.
Gute Frage! Ich würde dir bei deinem Zeithorizont definitiv thesaurierend empfehlen. Der Zinseszinseffekt ist nicht zu unterschätzen – über 10-15 Jahre macht das bei 500-800 Euro monatlich durchaus einen Unterschied von mehreren tausend Euro aus.
Ausschüttend ist eher interessant, wenn du regelmäßig Einkommen brauchst oder wenn du die Dividenden sowieso reinvestierst (dann zahlst du aber wieder Transaktionskosten). Bei deinem Sparplan-Approach mit fester monatlicher Rate ist thesaurierend einfach die elegantere Lösung – die Erträge werden automatisch reinvestiert, ohne dass du was tun musst.
Zur Frage der Steueroptimierung: Es gibt da einzelne Szenarien, wo ausschüttend Vorteile bringt (z.B. Ausnutzung des Sparerpauschbetrags), aber das ist eher was für größere Vermögen. Für dich würde ich erst mal Sparplan + thesaurierend + Freistellungsauftrag anlegen und gut ist.
Welche konkrete ETF-Plattform nutzt du denn, oder fragst du noch rum?