Hey zusammen,
ich bin jetzt seit ein paar Monaten 30 und versuche gerade meine Finanzen systematischer aufzustellen. Bisher habe ich mich vor allem mit ETF-Sparplänen beschäftigt und verschiedene Kontomodelle getestet – da fühle ich mich mittlerweile ganz wohl. Aber beim Thema Versicherungen bin ich ehrlich gesagt noch ziemlich unstrukturiert unterwegs.
Ich habe eine Haftpflicht, die läuft noch von früher. Ansonsten: nichts weiter. Kein BU-Schutz, keine private Krankenversicherung (bin gesetzlich versichert), keine Pflegeversicherung oder sowas.
Jetzt frage ich mich: Was ist in meiner Situation wirklich unverzichtbar und was ist nice-to-have oder sogar überflüssig? Ich höre immer wieder, dass BU das wichtigste ist – aber ist das wirklich für jeden so? Ich sitze den ganzen Tag am Schreibtisch, körperlich gefährdet bin ich nicht.
Ich versuche gerade, das Thema genauso nüchtern anzugehen wie meine ETF-Strategie: Was bringt wirklich was, was kostet nur Geld? Mir ist auch wichtig zu verstehen, wie ich die monatlichen Kosten realistisch einschätzen kann, damit ich weiß, was das für meinen Sparplan bedeutet.
Freue mich über ehrliche Einschätzungen – gerne auch kritisch.
Gute Frage, Markus. Ich hab das damals leider nicht so strukturiert angegangen wie du – und das hat mich im Rückblick einiges gekostet.
Aus meiner Erfahrung mit 40 Berufsjahren: Die Haftpflicht hast du, gut. Das ist tatsächlich die Basis, die wirklich jeder braucht. Ohne die ist man im Schadensfall schnell existenziell bedroht.
Zum BU-Schutz würde ich dir trotz Schreibtischjob nicht abraten. Psychische Erkrankungen sind heute einer der häufigsten Gründe für Berufsunfähigkeit – Burnout, Depressionen. Das trifft Büromensch und Handwerker gleichermaßen. Je jünger man den Vertrag abschließt, desto günstiger die Beiträge. Das ist wie beim ETF-Sparplan: Frühzeitig anfangen lohnt sich fast immer.
Was ich persönlich als überflüssig einstufen würde: Sterbegeldversicherungen oder Unfallversicherungen als Hauptschutz. Letzteres kann man machen, ist aber kein Ersatz fürs BU.
Habe zum Thema Budgetplanung übrigens schon ein bisschen was geschrieben, auch wenn das in einem anderen Kontext war: Zero-Based-Budgeting für Normalverdiener – lohnt sich der Aufwand? – vielleicht hilft dir das beim Einplanen der Beiträge.
Also ich bin zwar schon Rentner und meine Situation ist naturgemäß eine andere, aber ich finds gut dass ihr Jüngere das früh angeht.
Bei uns war das damals anders – man hat eine Lebensversicherung abgeschlossen und das wars. Heute gibt es so viele Möglichkeiten, da blickt man kaum durch.
Eins kann ich aus meiner Erfahrung sagen: Unterschätz die Krankenabsicherung nicht. Die gesetzliche Krankenversicherung ist eine gute Basis, aber gerade im Alter merkt man, wo die Lücken sind. Ob man schon mit 30 eine Zusatzversicherung braucht – da bin ich ehrlich gesagt kein Experte. Aber es schadet nicht, sich das mal anzuschauen.
Ich sehe das ein bisschen kritischer als die anderen hier.
Natürlich ist BU wichtig – das streitet keiner ab. Aber ich würde dringend empfehlen, das Kleingedruckte wirklich zu lesen bevor man unterschreibt. Die Definitionen von Berufsunfähigkeit variieren massiv zwischen Anbietern, und manche Klauseln machen den Schutz im Ernstfall praktisch wertlos. Ich hab beruflich viel mit versteckten Gebühren und Konditionen zu tun (auch wenn das eher bei Kartenprodukten ist), aber das Prinzip ist dasselbe: Was günstig klingt, ist nicht unbedingt gut.
Konkret würde ich schauen: abstrakte Verweisung ausgeschlossen? Nachversicherungsgarantie vorhanden? Verzicht auf Arztanordnungsklausel? Das sind die Punkte die über echten Schutz entscheiden – nicht der monatliche Beitrag allein.
Haftpflicht und BU sind aus meiner Sicht tatsächlich die zwei zentralen Bausteine mit 30. Alles andere hängt von der individuellen Situation ab.
Ich steck selbst grad wieder in der Findungsphase was Finanzen angeht, daher nehme ich hier auch für mich mit.
Aber zum BU-Punkt: Ich hab jahrelang gedacht, ich brauch das nicht weil ich "nur" im Büro sitze. Bis ein Kollege mit Mitte 30 wegen psychischer Erkrankung monatelang ausfiel. Seitdem denke ich da anders drüber.
Das Problem ist halt: Wenn man das Thema verdrängt und dann mit 40 oder 45 plötzlich vorsorgen will, sind die Beiträge deutlich teurer – oder man bekommt wegen irgendwelcher Vorerkrankungen gar keinen vernünftigen Schutz mehr. Ich bin selbst gerade dabei zu schauen, wie ich mein Budget sinnvoll aufteile (hab da im 50/30/20-Thread auch schon drüber nachgedacht), und Versicherungen fressen da schon einen ordentlichen Brocken.
Kurzfazit von mir: Haftpflicht Pflicht, BU würd ich ernsthaft anschauen bevor man älter wird. Den Rest kann man priorisieren.