Hallo zusammen,
ich bin seit ein paar Wochen schuldenfrei – nach 18 Jahren läuft unser Baudarlehen endlich aus. Klingt erstmal nach Grund zum Feiern, und ja, das ist es auch. Aber jetzt sitze ich vor einem Problem, das ich so nicht erwartet hatte: Ich habe plötzlich knapp 1.400€ netto mehr im Monat zur Verfügung und ehrlich gesagt keinen blassen Schimmer, wie ich das sinnvoll aufteilen soll.
Bisherige Ausgaben waren über Jahre quasi in Stein gemeißelt – Rate weg, Fixkosten weg, fertig. Jetzt fehlt mir auf einmal die Struktur. Ich habe zwar in der Vergangenheit viel mit Baudarlehen zu tun gehabt (und dabei gelernt, dass Banken immer irgendwo Gebühren verstecken, die man erstmal finden muss), aber Budgetplanung für "freies" Geld ist ein anderes Thema.
Konkret frage ich mich:
– Wie viel davon sollte wirklich sofort in Altersvorsorge fließen, wie viel in ETFs, wie viel als Liquiditätspuffer?
– Macht es Sinn, erstmal 2-3 Monate einfach zu beobachten, wohin das Geld "natürlich" fließt, bevor ich einen festen Plan aufstelle?
– Oder ist das eine Falle, weil man sich dann schnell an höhere Ausgaben gewöhnt?
Wir sind zu zweit, keine Kinder mehr im Haus, ich bin Mitte 50. Wäre dankbar für ehrliche Einschätzungen – keine Hochglanzratschläge bitte, sondern was wirklich funktioniert.
Hab mich da mal mit Tracking-Apps beschäftigt – die können gerade in so einer Übergangsphase wirklich helfen, weil man auf einen Blick sieht wohin das Geld fließt. Ich hab da in einem anderen Thread schon ein paar Tools verglichen, die auch für so eine Neu-Kalibrierung taugen.
Konkret für deine Frage: 2-3 Monate einfach laufen lassen würde ich nicht empfehlen, aber eine App mit Kategorisierung hilft enorm. Du siehst nach 4 Wochen ganz genau wo das Geld hingegangen ist, ohne wirklich "nichts zu tun". Dann kannst du mit echten Zahlen planen statt mit Schätzwerten.
Ich bin da etwas skeptischer als mein Namensvetter und Martin. Die Empfehlung "30-40% in Altersvorsorge" klingt griffig, ist aber ohne weitere Infos ziemlich sinnlos. Was ist denn schon vorhanden? Betriebsrente? GRV-Anwartschaft? Immobilienvermögen? Das verändert die Rechnung komplett.
Dasselbe gilt für den ETF-Tipp. Mitte 50, 10-15 Jahre Horizont – das ist nicht mehr die lange Laufzeit, die ETFs so attraktiv macht. Ein schlechtes Jahrzehnt kurz vor Rentenstart kann richtig wehtun. Ich hab das Thema Zeithorizont vs. Risiko auch in einem anderen Thread mal diskutiert.
Mein Punkt: Bevor irgendwer hier Prozentzahlen nennt, sollte man die Gesamtsituation kennen. Allgemeine Daumenregeln helfen manchmal, können aber genauso gut in die falsche Richtung führen.
Ich bin da etwas skeptischer als mein Namensvetter und Martin. Die Empfehlung "30-40% in Altersvorsorge" klingt griffig, ist aber ohne weitere Infos ziemlich sinnlos. Was ist denn schon vorhanden? Betriebsrente? GRV-Anwartschaft? Immobilienvermögen? Das verändert die Rechnung komplett.
Dasselbe gilt für den ETF-Tipp. Mitte 50, 10-15 Jahre Horizont – das ist nicht mehr die lange Laufzeit, die ETFs so attraktiv macht. Ein schlechtes Jahrzehnt kurz vor Rentenstart kann richtig wehtun. Ich hab das Thema Zeithorizont vs. Risiko auch in einem anderen Thread mal diskutiert.
Mein Punkt: Bevor irgendwer hier Prozentzahlen nennt, sollte man die Gesamtsituation kennen. Allgemeine Daumenregeln helfen manchmal, können aber genauso gut in die falsche Richtung führen.
Aus meiner Berufserfahrung: Du beschreibst das klassische "Post-Tilgungsschock"-Phänomen. Das kenne ich von Kunden gut. Der Impuls, erstmal nichts zu tun und zu beobachten, ist psychologisch verständlich, aber finanziell riskant – Thomas Krüger hat das oben schon richtig benannt.
Mit Mitte 50 würde ich das so aufteilen: Ungefähr 30-40% der freiwerdenden Rate in die Altersvorsorge, wobei ich bei dem Alter eher zu einem ETF-Sparplan tendieren würde als zu Riester – die Renditeerwartung ist realistischer. Weitere 30% könnte in einen Liquiditätspuffer, sofern der noch nicht solide aufgebaut ist. Und der Rest darf tatsächlich für Lebensqualität verwendet werden – das ist keine Schwäche, das ist sinnvolle Planung.
Was ich rate: Schreib dir in den ersten vier Wochen wirklich jede Ausgabe auf. Nicht um zu urteilen, sondern um eine Datenbasis zu haben. Danach kann man viel gezielter entscheiden. Ohne diese Basis bleibt jede Aufteilung Spekulation.