Hallo zusammen,
ich versuche gerade, mein Depot ein bisschen strukturierter aufzustellen – ähnlich wie ich das bei meinen Fixkosten mache: erstmal den Überblick verschaffen, dann gezielt optimieren. Bei Seltenen Erden und Graphit bin ich aber ehrlich gesagt überfragt, was den Lieferkettenaspekt angeht.
Konkret: Ich lese seit Monaten, dass Europa und die USA versuchen, Lieferketten für REE (Rare Earth Elements) und Batterie-Graphit unabhängiger von China aufzubauen. Australien, Kanada, Südafrika werden genannt. Aber wenn ich mir die Zeiträume anschaue – neue Minen, Aufbereitungsanlagen, Genehmigungen – dann frage ich mich, ob das in einem realistischen Anlagehorizont von 5–8 Jahren überhaupt investierbar ist.
Oder anders gefragt: Gibt es Unternehmen oder Fonds, die genau diesen 'Aufbau westlicher Lieferketten'-Gedanken abbilden, ohne dass ich hauptsächlich in chinesische Verarbeiter investiere? Ich will keine reine China-Wette, aber ich will auch keine Projekte finanzieren, die erst 2035 in Produktion gehen.
Falls jemand hier konkrete Erfahrungen hat, was in diesem Bereich tatsächlich schon operativ läuft und nicht nur auf dem Papier existiert – das wäre mir mehr wert als jede Hochglanzanalyse. Danke schon mal.
Ich würde hier erstmal einen Schritt zurücktreten. Die Frage "gibt es Unternehmen, die genau diesen Gedanken abbilden" kenne ich aus meinem Alltag – sie kommt oft, wenn jemand eine narrative Anlagestrategie sucht, die sich gut anfühlt. REE außerhalb Asiens ist so eine Geschichte.
Fakt ist: Lynas aus Australien ist tatsächlich operativ, verarbeitet in Malaysia, baut gerade Kapazitäten in den USA auf. MP Materials in Kalifornien produziert auch schon. Das sind keine Papierprojekte. Aber – und das ist mein Punkt – die Margen, die Abhängigkeiten von Genehmigungen, die Preisvolatilität bei REE... das ist nichts für jemanden, der ein "strukturiertes Depot" aufbauen will.
In 15 Jahren Beratung habe ich gelernt: Wenn eine Investitionsgeschichte vor allem von geopolitischen Angstszenarien lebt, sollte man sehr genau hinschauen, wer davon wirklich profitiert. Oft sind das die Erstinvestoren, nicht Kleinanleger die drei Jahre später einsteigen.