Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit ein paar Monaten intensiver mit Graphit als Rohstoff – nicht wegen der Batterien an sich, das wurde hier ja schon durchgekaut – sondern weil mich die Lieferkettenabhängigkeit von China beim Thema Seltene Erden generell beschäftigt. Mir geht es konkret um Minen außerhalb Chinas, die Graphit und teilweise auch REE (Rare Earth Elements) fördern.
Ich habe mir Projekte in Mosambik (Syrah Resources) und kanadische Junior-Miner angeschaut. Mosambik hat offensichtlich Infrastrukturprobleme und politische Risiken, Kanada klingt stabiler, aber die Projekte sind oft noch weit von der Produktion entfernt. Bei den REE-Aktien (z.B. MP Materials in den USA oder einige australische Unternehmen) bin ich auch nicht sicher, wie realistisch die Marktanteile gegen China wirklich sind.
Meine konkrete Frage: Gibt es hier Leute, die in solche Nicht-China-Graphit oder REE-Werte investiert sind? Was ist eure Erfahrung mit dem Zeithorizont bis zur tatsächlichen Produktion bei Juniors? Und wie gewichtet ihr das politische Risiko in Mosambik im Vergleich zu, sagen wir, Kanada oder Australien – ist das überhaupt vergleichbar?
Bin kein kompletter Anfänger, aber bei Mining-Aktien tue ich mich noch etwas schwer mit der Bewertung der Projektphasen (Exploration vs. Construction vs. Production). Über konkrete Einschätzungen würde ich mich freuen.
Grüße
Stefan
Das Thema kenn ich ein bisschen aus dem Zinn-Kontext – hab da zum Thema Länderrisiken bei Minen einiges gelernt, u.a. in dem Vietnam vs. Indonesien Thread.
Zur Frage Mosambik vs. Kanada: Das ist eigentlich kaum vergleichbar. Mosambik hat zwar riesige Graphitvorkommen, aber Syrah hat da wirklich gelitten – Infrastruktur, lokale Unruhen in der Region um Cabo Delgado, das zieht sich seit Jahren hin. Produktionszahlen wurden mehrfach nach unten korrigiert. Für mich ist das ein klares Beispiel dafür, dass "Ressource vorhanden" nicht gleich "investierbar" bedeutet.
Bei kanadischen Juniors ist das Risiko ein anderes: Da ist eher die Finanzierungsseite das Problem. Viele dieser Projekte brauchen noch 2-3 Kapitalrunden, bis sie in Produktion gehen. Als Investor wirst du dabei oft massiv verwässert, wenn du nicht früh genug dabei bist. Zeithorizont bis Produktion bei echten Juniors: 5-10 Jahre ist keine Seltenheit, eher Normalzustand.
MP Materials finde ich ehrlich gesagt am interessantesten, weil die schon in Produktion sind und einen direkten US-Government-Rückhalt haben. Aber die Bewertung war zeitweise sehr sportlich. Würde da genau hinschauen bei welchem Kurs du einsteigst.
Ich setz mich normalerweise eher mit anderen Anlagethemen auseinander, aber kurz dazu: Wie Stefan_78 oben schreibt stimmt das mit dem Verwässerungsrisiko bei Juniors. Das wird meiner Meinung nach von Privatanlegern regelmäßig unterschätzt. Die meisten dieser Projekte schaffen es nie bis zur kommerziellen Produktion – da sollte man wirklich nur mit Geld rein, dessen Totalverlust man verkraften kann.