Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiver mit Peer-to-Peer-Krediten als mögliche Ergänzung – oder in bestimmten Fällen sogar als Alternative – zu klassischen Bankdarlehen. Da der Sommer bei mir traditionell die Zeit ist, in der ich meine Finanzstrategie für das zweite Halbjahr überdenke, ist das Thema gerade sehr präsent.
Mir geht es weniger um die Investorenseite (also selbst Geld verleihen über P2P-Plattformen), sondern um die Kreditnehmerseite: Wann ergibt es wirklich Sinn, sich über Plattformen wie Auxmoney oder ähnliche Anbieter zu finanzieren statt direkt zur Hausbank zu gehen?
Was mich konkret interessiert:
- Gibt es typische Situationen, in denen P2P-Kredite zinslich attraktiver sind als Bankangebote?
- Wie läuft der Prozess dort ab, gerade im Vergleich zu einem klassischen Kreditgespräch bei der Bank?
- Welche Fallstricke gibt es, die man als erfahrener Sparer trotzdem leicht übersieht?
- Wie sieht das regulatorisch aus – werden diese Kredite z.B. bei der Schufa genauso vermerkt?
Ich habe nach 20 Jahren im Finanzbereich schon viel gesehen, aber P2P auf der Nehmerseite ist für mich noch relatives Neuland. Wäre gespannt auf konkrete Erfahrungen oder fundierte Einschätzungen aus der Runde.
Viele Grüße
Klaus
Hallo Klaus,
interessante Frage, die ich aus Bankperspektive gerne einordne. P2P-Kredite auf der Nehmerseite haben tatsächlich eine Nische, aber man sollte die Erwartungen realistisch halten.
Der größte Vorteil für Kreditnehmer liegt eigentlich nicht beim Zins – sondern bei der Zugänglichkeit. Wer eine etwas schwächere Bonität hat oder Selbstständiger ist, bekommt über P2P-Plattformen manchmal überhaupt erst ein Angebot, während die klassische Bank ablehnt. Für Kunden mit sehr guter Bonität hingegen ist die Hausbank in der Regel günstiger. Das erlebe ich in meinem Berufsalltag immer wieder.
Zur Schufa-Frage: Ja, diese Kredite werden dort genauso eingetragen wie ein normales Bankdarlehen. Da gibt es keinen Unterschied.
Was ich kritisch sehe: Die Zinsspannen auf P2P-Plattformen sind enorm. Bonitätsklasse A zahlt vielleicht 4%, Klasse E locker 12% oder mehr. Als jemand mit solider Finanzhistorie würde ich immer zuerst mehrere Bankangebote einholen und P2P nur als echten Fallback betrachten. Die regulatorische Absicherung ist zudem nicht identisch mit einer vollregulierten Bank – das sollte man im Hinterkopf behalten.
Kurz gesagt: sinnvoll in bestimmten Situationen, aber kein genereller Geheimtipp für günstigere Zinsen.
Was Frank sagt stimmt, hab ähnliches gehört. Ich persönlich komm mit P2P eher auf der Anlegerseite in Berührung – als Rentner schaut man ja nach jedem Prozentpunkt Rendite. Aber auf der Nehmerseite hab ich das nie gebraucht, meine Hausbank kenn ich seit Jahrzehnten und da läuft das reibungslos. Für jüngere Leute oder Selbstständige klingt das schon interessanter.
Ich hab mich mit dem Thema auch mal kurz beschäftigt, als ich meinen Notgroschen neu strukturiert hab (dazu hab ich übrigens im Thread Notgroschen anlegen: Tagesgeld oder Geldmarkt-ETF sinnvoller? was geschrieben).
Ehrlich gesagt bin ich auf der Nehmerseite skeptisch geblieben. Der Prozess klingt modern und unkompliziert, aber letztlich konkurrierst du dort mit vielen anderen Kreditprojekten um Investoren – und wirst nach deiner Bonität eingestuft genau wie bei der Bank, nur halt öffentlicher irgendwie. Für mich als jemand der Wert auf klare Strukturen legt, ist ein Bankkredit mit festen Konditionen schlicht planbarer.