Hallo zusammen,
ich wende mich mal an euch weil ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe wo ich anfangen soll. Ich überlege gerade einen Ratenkredit aufzunehmen – es geht um ca. 8.000 Euro für ein paar Umbaumaßnahmen zuhause (u.a. eine Klimaanlage, nachdem ich letzten Sommer fast geschmolzen bin) und vielleicht noch ein kleines Urlaubsprojekt im Herbst.
Ich hab mich ein bisschen auf den Vergleichsportalen umgeschaut, aber ich versteh nicht ganz warum da so unterschiedliche Zinsen stehen. Einmal 3,2%, dann 5,8%, dann wieder 4,1% – und das alles angeblich für "bonitätsabhängig". Was bedeutet das genau in der Praxis?
Außerdem frage ich mich: Wenn ich auf so einem Portal meine Daten eingebe, läuft da sofort eine Schufa-Abfrage? Ich hab gehört das kann die Bonität verschlechtern wenn zu viele Anfragen kommen.
Und was ist mit den Laufzeiten? Ist es generell sinnvoller kurze Laufzeit (höhere Monatsrate) oder lieber länger strecken damit ich mehr Luft habe?
Ich bin nicht in einer Notlage, hab ein geregeltes Einkommen und keine anderen laufenden Kredite. Trotzdem will ich da nicht blind reintappen. Vielleicht hat jemand von euch schon Erfahrungen mit Online-Kreditvergleichen gemacht und kann mir ein paar Grundregeln erklären?
Danke schon mal!
Stefan
Hi Stefan,
das kenne ich – ich hab mich vor meinem USA-Praktikum auch durch einen Dschungel von Angeboten gewühlt, da ging's zwar um Kreditkarten, aber das Grundprinzip ist ähnlich (hab das damals auch hier im Forum besprochen: Kreditkarte USA-Praktikum: Fremdgebühren trotz 'kostenlos' - wie rechnen?).
Zur Schufa-Frage: Seriöse Vergleichsportale machen bei der ersten Anfrage eine sogenannte Konditionsanfrage, keine Kreditanfrage. Konditionsanfragen sind Schufa-neutral – die tauchen zwar in deiner Akte auf, aber sie werden von Banken nicht negativ gewertet. Erst wenn du konkret einen Kredit beantragst, läuft eine harte Kreditanfrage durch. Also ruhig mehrere Portale vergleichen, das schadet nichts.
Zum "bonitätsabhängig": Das heißt, der beworbene Zinssatz ist quasi der Bestpreis für Topkunden. Was du wirklich bekommst, hängt von deiner Schufa-Score, deinem Einkommen und deiner Beschäftigungssituation ab. Der tatsächliche Zinssatz wird dir erst nach der echten Prüfung mitgeteilt.
Tipp: Schau immer auf den effektiven Jahreszins, nicht den Nominalzins. Und vergleiche immer bei gleicher Laufzeit, sonst sind die Zahlen nicht vergleichbar.
TechMax hat das mit der Konditionsanfrage richtig erklärt, dem schließe ich mich an.
Ich würde aber noch einen Punkt hinzufügen, der oft übersehen wird: den Blick auf die Gesamtkosten des Kredits, also nicht nur den Zinssatz, sondern auch eventuelle Restschuldversicherungen. Viele Banken bieten die quasi automatisch mit an, manchmal vorausgewählt im Formular. Diese Versicherungen können den effektiven Zins massiv in die Höhe treiben, sind in den meisten Fällen für Einzelpersonen mit geregeltem Einkommen aber nicht notwendig. Einfach abwählen und separat prüfen ob man das wirklich braucht.
Und noch etwas zur Transparenz: Gute Anbieter stellen vor Vertragsabschluss ein europäisches Standardinformationsblatt (ESIS oder bei Verbraucherkrediten das SECCI-Dokument) zur Verfügung. Da stehen alle Kosten schwarz auf weiß drin. Wenn ein Anbieter das nicht liefert – Finger weg.
Ich seh das ehrlich gesagt n bisschen anders als die Vorposter – nicht falsch, aber ich finde man sollte als Einsteiger erstmal grundsätzlich fragen: Brauche ich den Kredit wirklich jetzt?
8.000 Euro für Klimaanlage + "Urlaubsprojekt" klingt nach zwei verschiedenen Sachen. Ich würd die trennen. Die Klimaanlage kann man vielleicht argumentieren (Lebensqualität, Gesundheit, whatever), aber Urlaub auf Kredit ist eigentlich ne teurere Version von Urlaub. Kenn ich aus eigener Erfahrung – hab früher auch mal so gedacht und dann am Ende den Kredit noch abbezahlt als der Urlaub längst vorbei war.
Wenn das Einkommen geregelt ist und keine anderen Schulden da sind, wäre mein Rat: Klimaanlage ja wenn nötig, aber Urlaubsanteil lieber aus dem laufenden Budget oder kurzfristig zurücklegen. Spart Zinsen und man hat weniger Druck.
Aber wenn du den Kredit nimmst: Was die anderen schreiben stimmt schon. Effektivzins, keine Restschuldversicherung aufschwatzen lassen, Sondertilgung prüfen.
Zur Laufzeitfrage kann ich was sagen – kurz ist fast immer billiger in Summe, aber man muss es sich auch leisten können.
Ich hab mir letztes Jahr überlegt ob ich die Klimaanlage per Kredit oder aus Rücklagen finanziere, das hab ich damals hier diskutiert: Klimaanlage vs. ETF-Sparplan - wie Prioritäten bei Inflation setzen?. Am Ende kommt es drauf an wie dein monatlicher Spielraum ist.
Faustformel: Bei 8.000 Euro und sagen wir 4,5% effektivem Jahreszins zahlst du bei 36 Monaten Laufzeit insgesamt deutlich weniger Zinsen als bei 60 Monaten. Der Unterschied kann sich auf mehrere hundert Euro summieren. Wenn du also monatlich z.B. 230-250 Euro stemmen kannst, würd ich die kurze Laufzeit nehmen.
Was ich noch ergänzen würde: Achte auch darauf ob der Kredit Sondertilgungen erlaubt ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Dann kannst du bei nem guten Monat einfach mehr abzahlen und sparst Zinsen. Nicht alle Banken bieten das an, steht aber oft im Kleingedruckten.