Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor einer wichtigen Entscheidung und möchte das nicht einfach blind nach Bankberater-Ratschlag machen – wie immer werden da gerne Produkte empfohlen, die der Bank nutzen, nicht mir.
Ich finanziere eine Immobilie mit etwa 250.000€, 20% Eigenkapital vorhanden, über 25 Jahre. Meine Bank pusht mir die klassische Annuität (monatlich gleiche Rate) mit Sondertilgungsoption schmackhaft. Der Berater sagt, das sei flexibel und man könne ja nebenbei extra tilgen wenn was übrig ist.
Ich habe aber gehört, dass Tilgungsdarlehen am Ende günstiger sein können – höhere Tilgungsquote von Anfang an, die Zinsersparnis wächst schneller. Nur: die Rate fällt mit jedem Monat, und gerade anfangs ist sie höher. Das könnte eng werden.
Wo verstecken sich da die Fallstricke? Welches Modell lohnt sich wirklich, wenn ich ernsthaft vorhabe, schneller zu tilgen? Und: Wie sehr spielt da die aktuelle Zinsumgebung eine Rolle?
Ich bin skeptisch gegenüber Standard-Empfehlungen und möchte das selbst durchblicken.
Thomas, wichtige Frage. Nur kurz: Die meisten Bankberater empfehlen Annuität, weil es für die Bank kalkulierbarer ist – nicht weil es für dich besser ist. Das ist bereits verdächtig.
Faustregel: Tilgungsdarlehen spart echte Zinskosten, wenn du es durchhältst. Ob lohnenswert hängt von drei Faktoren ab: Zinsniveau, Einkommensstabilität und wie konsequent du die Sondertilgungen bei Annuität nutzen würdest – ehrlich zu dir selbst sein.
Hallo Thomas,
da ich selbst nach langer Pause wieder in Finanzfragen einsteige, habe ich mir das Thema gerade auch angeschaut. Meine Beobachtung: Bei der Annuität zahlst du anfangs viel Zins, wenig Tilgung. Das ändert sich erst später – und genau da soll die Sondertilgung greifen.
Beim Tilgungsdarlehen ist es umgekehrt: Höhere Tilgung von Anfang an, der Zinsanteil sinkt kontinuierlich. Mathematisch sparst du Gesamtzinsen – aber nur wenn du die höheren Anfangsraten wirklich durchhältst.
Meine Frage zurück: Wie sicher ist dein Einkommen die nächsten 5-10 Jahre? Das ist der entscheidende Punkt. Wenn es schwanken kann, ist die konstante Annuitätsrate psychologisch einfacher zu planen.
Zum Zinsumfeld: Bei 3-4% macht das mathematisch einen Unterschied. Bei über 5% auch, aber dann spielen einfach die absoluten Summen eine größere Rolle.
Ich würde beide Szenarien durchrechnen – mit Excel oder einem Kreditrechner.
Thomas, interessant, dass du das jetzt fragst. Ich bin ja eher im Rohstoff-Depot unterwegs, aber beim Thema versteckte Kosten bin ich prinzipientreu: Schau dir den Effektivzins an und frag konkret nach, ob und welche Gebühren für Sondertilgungen anfallen.
Die Versicherungsbranche zeigt mir tagtäglich: Je "flexibler" ein Produkt klingt, desto eher verdient die andere Seite damit Geld. Bei Krediten ähnlich. Tilgungsdarlehen ist weniger flexibel – und genau deswegen oft ehrlicher in den Kosten.
Guter Punkt, Thomas. Nach 25 Jahren Bankpraxis kann ich dir sagen: Das Standard-Argument "Annuität ist flexibel" ist oft eine Halbwahrheit.
Ja, du kannst Sondertilgungen machen – aber viele Kunden tun das nicht regelmäßig. Warum? Weil die monatliche Rate ja "schon bezahlt" ist, und dann kommt was Anderes dazwischen.
Beim Tilgungsdarlehen wird die Sondertilgung quasi erzwungen: Die Rate sinkt automatisch. Das führt langfristig zu weniger Zinskosten – ich würde das mal mit Zahlen durchrechnen lassen, bevor die Bank dir einen Standardvertrag vorschlägt.
Wichtig: Frag deine Bank nach der Restschuld am Ende Jahr 5 und 10 – vergleich das zwischen beiden Modellen. Das zeigt dir das echte Geld-Sparpotenzial.