Hallo zusammen,
nach Jahren Auszeit steige ich jetzt wieder in die Geldanlage ein und möchte mein Portfolio strukturiert aufbauen. Ich habe mich mit ETF-Sparplänen beschäftigt und plane eine Aufteilung nach klassischem Weltportfolio-Ansatz (ca. 70% Aktien, 30% Anleihen).
Jetzt stellt sich mir aber eine konkrete Frage: Wie oft sollte ich mein Portfolio rebalancieren? Ich lese überall unterschiedliche Empfehlungen – manche sagen quartalsweise, andere jährlich, wieder andere gar nicht regelmäßig.
Meine Situation: Ich plane monatliche Sparraten von ca. 300-400 Euro und möchte das über mindestens 10-15 Jahre durchziehen. Macht es bei dieser Sparquote überhaupt Sinn, aktiv zu rebalancieren, oder driftet das Portfolio ohnehin nicht so sehr ab? Und wann wäre ein guter Zeitpunkt – eher im Sommer wie jetzt, oder sollte man da flexibler sein?
Ich möchte lieber ein System haben, bei dem ich nicht ständig nachdenken muss, sondern das halbwegs automatisiert läuft.
Danke für eure Erfahrungen!
Moin Thomas,
da gibts ehrlich gesagt kein Patentrezept, aber bei deinen monatlichen Sparraten würde ich nicht zu häufig rebalancieren. Durch deine regelmäßigen Einzahlungen passiert quasi von selbst ein Rebalancing: Du kaufst ja immer wieder nach, und dabei kannst du natürlich gezielt in die untergewichtete Assetklasse investieren.
Ich mache das so: Jährlich im Januar schaue ich mir meine Gewichtungen an, und wenn einzelne Positionen um mehr als 5-10 Prozentpunkte vom Plan abweichen, justiere ich nach. Bei monatlich 300-400 Euro brauchst du da aber wahrscheinlich gar nicht viel zu tun – die neuen Beiträge regeln das von allein.
Das Wichtigste: Setz es dir in den Kalender rein und mach es einmal pro Jahr zur gleichen Zeit. Dann ist es auch psychologisch einfacher und du handelst nicht emotional.
Guter Thread. Aber aufgepasst: Es gibt hier einen wichtigen Unterschied zwischen Marketing-Ratschlag und Realität. Viele Robo-Advisor und Online-Broker verkaufen dir "automatisches Rebalancing" als Feature – kosten dich da aber ordentlich Gebühren für.
Eine ehrliche Frage erst: Wie kommst du auf exakt 70/30? Die ganzen Standard-Empfehlungen sind oft ziemlich pauschal. Wenn du nach langer Auszeit wieder einsteigst, solltest du vorher überlegen, ob diese Quote zu deiner Risikotoleranz passt – und das ist völlig individuell.
Zum Timing: Sommerpause ist irrelevant. Wichtiger: Berechne vorher, wie oft dein Portfolio realistisch um mehr als 10% vom Plan abweicht – unter Berücksichtigung deiner Sparquoten! Dann erst festlegen, ob und wann du rebalancierst.
Moment mal – bevor wir über Rebalancing sprechen: Hast du dir die Kostenstruktur verschiedener Broker wirklich angesehen? Bei 300-400 Euro Sparquote können Transaktionsgebühren beim Rebalancieren deine Rendite deutlich aufzehren. Manche Direktbanken schleudern dir beim Umschichten 10-15 Euro pro Order rein.
Zum eigentlichen Punkt: Bei deinen monatlichen Einzahlungen würde ich sogar eher in die Sparquoten-Aufteilung denken statt regelmäßig umzuschichten. Sprich: Zahle die 70% Aktien-Portion und 30% Anleihen-Portion monatlich im richtigen Verhältnis ein. Das rebalanciert praktisch nebenbei. Habe das in einem früheren Thread schon mal diskutiert – bei stabilen, regelmäßigen Einzahlungen ist aktives Umschichten oft überflüssig.