Hallo zusammen,
ich bin neu hier und versuche gerade, meine finanzielle Situation wieder in den Griff zu bekommen. Die letzten Jahre habe ich mich nicht wirklich um meine Geldanlage gekümmert, und jetzt mit 44 merke ich, dass ich aufgeholt werden muss, wenn ich irgendwann mal ein passives Einkommen aufbauen will.
Ich verdiene ungefähr 3.200€ netto monatlich und meine fixen Kosten liegen bei etwa 1.400€ (Miete, Versicherungen, Lebensmittel). Bleiben mir also rund 1.800€ pro Monat übrig. Ich habe schon etwas über die 50-30-20-Regel gelesen, aber ich bin mir nicht sicher, wie ich das konkret auf meine Situation anwenden soll.
Soll ich wirklich 20% (640€) monatlich in ETFs stecken? Oder ist das bei meinem Alter eher unrealistisch? Ich hätte gerne noch etwas Puffer für unvorhergesehenes und möchte nicht völlig auf Hobbys verzichten. Wie setzen das andere um? Und welche ETF-Strategie würdet ihr für meinen Fall empfehlen?
Danke schon mal für eure Tipps!
Markus, das ist eine sehr wichtige Frage – und ich freue mich, dass du aktiv wirst. Ich habe vorher schon im Thread zu beruflichem Neuanfang mit 45 Jahren geschrieben, und genau dieser Mut braucht es jetzt auch beim Vermögensaufbau.
Die 50-30-20-Regel ist ein Startpunkt, nicht in Stein gemeißelt. Bei deinem Einkommen könntest du durchaus 15-18% in ETFs investieren – das wären 480-575€ monatlich – und hast immer noch ausreichend Luft für Notfälle und Lebensqualität. Mit deinem Netto von 3.200€ und Fixkosten von 1.400€ hast du eine solide Ausgangslage.
Das Wichtigste: Fangen Sie mit einem breit gestreuten MSCI-World-ETF an, vollautomatisch im Sparplan. Keine Einzelaktien. Zeitwerteffekt ist dein bester Freund jetzt – 20 Jahre bis 65 sind mehr, als viele denken. Realistische Erwartung: 6-7% im Schnitt pro Jahr. Bei 550€/Monat sind das nach 15 Jahren etwa 140.000€.
Das passive Einkommen kommt später durch Dividenden-ETFs, aber erst nach einer Ansparphase.
Unterschreib ich ganz. Zu deinem Notgroschen: Das ist wirklich die Basis. Schulden tilgen, dann Notgroschen, dann Sparen für Vermögensaufbau – in der Reihenfolge funktioniert es.
Seh das ähnlich wie Werner, aber würde noch kritischer nachfragen: Hast du wirklich einen Notgroschen von 3-6 Monatsgehältern aufgebaut? Das sollte VOR den ETFs stehen, sonst landen die 640€ wieder bei Amazon, wenn was schiefgeht.
Zweite Sache: Prüf deine Fixkosten noch mal sehr genau. 1.400€ bei 3.200€ netto ist eigentlich gut, aber wo genau sind deine 1.800€ Spielraum? Streaming? Essen gehen? Versicherungen? Ich hab da früher Leute überrascht, die dachten sie hätten 1.800€ frei und dann waren es nach ehrlichem Tracking nur 800€.
Wenn du das geklärt hast: ETF-Sparplan ja, aber lieber 400€ sicher und kontinuierlich als 640€, die du in Monat 3 wieder stornierst. Verlässlichkeit schlägt Höhe.