Hallo zusammen,
als langjähriger Anleger beschäftigt mich seit Wochen das Thema China und Seltene Erden. Nach den neuen Exportbeschränkungen Anfang des Jahres wird mir das Klumpenrisiko erst richtig bewusst.
Ich hab einen ziemlich großen Anteil meines Depots in Seltene Erden-Aktien (hauptsächlich MP Materials, Lynas und ein paar kleinere chinesische Werte). Lief die letzten Jahre super, aber jetzt wird mir mulmig. China kontrolliert ja praktisch 90% der Verarbeitung und wenn die den Hahn zudrehen, stehen alle da wie begossene Pudel.
Andererseits denke ich mir: Genau deswegen könnten die nicht-chinesischen Unternehmen ja erst richtig profitieren. Die westlichen Länder wollen sich unabhängiger machen, investieren Milliarden in neue Minen und Verarbeitungsanlagen. Das könnte doch langfristig riesige Chancen bedeuten.
Meine Frage: Wie geht ihr mit dieser China-Dominanz um? Komplett raus aus dem Sektor erscheint mir übertrieben, aber das Risiko ist halt real. Streut ihr anders? Hedgt ihr das irgendwie? Oder seht ihr das entspannter als ich?
Bin für jeden Input dankbar, gerade bei dem warmen Wetter denkt man nochmal intensiver über sein Depot nach.
Gruß
Bernd
Hi,
als eher sicherheitsorientierte Anlegerin würde ich ehrlich gesagt einen Großteil verkaufen. Das China-Risiko ist einfach zu hoch und zu unkalkulierbar.
Ich hab schon bei meinen Notgroschen-Überlegungen gemerkt: Sicherheit geht vor, besonders wenn man schon Gewinne gemacht hat.
Vielleicht maximal 5% in dem Bereich behalten und den Rest in stabilere Anlagen. Die Abhängigkeit von China ist einfach zu krass.
Hey Bernd,
kann dich gut verstehen. Hab ähnliche Gedanken, bin aber eher tech-orientiert rangegangen. China ist definitiv ein Risiko, aber auch ne riesige Chance wenn man's richtig angeht.
Mein Ansatz: Statt nur auf die Minen zu setzen, diversifiziere ich mehr in die Wertschöpfungskette. Also Unternehmen, die alternative Technologien entwickeln oder Recycling-Lösungen haben. Tesla zum Beispiel arbeitet an Batterien mit weniger seltenen Erden, Apple investiert in Recycling.
Bei Bitcoin-Diskussionen hab ich auch gelernt: Diversifikation ist King. Würde maximal 10-15% des Depots in dem Sektor lassen und den Rest breiter streuen.
China wird nicht ewig dominieren können - die EU und USA pumpen zu viel Geld in Alternativen rein.
Hallo Bernd,
aus meiner Sicht ist das Timing entscheidend. Die geopolitischen Risiken sind real, aber die fundamentalen Trends sprechen langfristig für den Sektor.
Ich würde eine gestufte Strategie empfehlen: Einen Teil der Position reduzieren (vielleicht 30-40%) und das Kapital in breitere Rohstoff-ETFs oder Technologie-Fonds umschichten, die weniger China-exponiert sind. Den Rest behalten, aber geografisch diversifizierter aufstellen - mehr Australien, Kanada, vielleicht auch Europa.
Wichtig ist auch: Nicht alle seltenen Erden sind gleich kritisch. Neodym und Dysprosium für Windkraftanlagen werden extrem gebraucht, da ist die Nachfrage sicher. Bei anderen Elementen gibt es mehr Substitute.
Die Summer-Ralley könnte noch ein guter Zeitpunkt für Umschichtungen sein, bevor im Herbst wieder mehr Volatilität kommt.
Bernd,
aus Risikomanagement-Sicht hast du zwei Hauptoptionen: Position-Sizing anpassen oder hedgen.
Für Hedging könntest du Put-Optionen auf deine größten Positionen kaufen oder Short-Positionen auf China-ETFs eingehen. Das kostet zwar, begrenzt aber das Downside-Risiko.
Alternativ: Schrittweise umschichten in Unternehmen mit mehreren Standbeinen - also nicht nur Pure-Play seltene Erden, sondern Bergbaukonzerne die auch andere Metalle fördern.
Die Sommermonate sind traditionell etwas ruhiger, guter Zeitpunkt für strategische Anpassungen ohne Zeitdruck.