Hallo zusammen,
ich stehe gerade vor der Frage ob ich mein nächstes Auto leasen soll oder doch lieber finanziere. Bin ehrlich gesagt etwas überfordert von den ganzen Angeboten die die Händler einem da hinschieben.
Konkret geht es um einen Mittelklasse-SUV, ungefähr 38.000 Euro Listenpreis. Der Händler hat mir ein Leasingangebot für 36 Monate mit 10.000 km pro Jahr gemacht, monatliche Rate wäre 289 Euro bei einer Sonderzahlung von 2.500 Euro zu Beginn. Klingt erstmal verlockend, aber irgendwie hab ich das Gefühl da wird einem was verschwiegen.
Ein paar Dinge die mich wirklich beschäftigen:
- Was passiert wenn ich die Kilometergrenze überschreite? Wir planen im Sommer ja auch mal längere Ausflüge und einen Roadtrip, da kommt man schnell auf mehr km.
- Was ist mit Schönheitsreparaturen bei Rückgabe? Hab gehört das kann teuer werden.
- Lohnt sich Leasing überhaupt wenn man das Auto privat nutzt, also nicht gewerblich?
- Gibt es einen Moment wo man sagen kann: ok hier rechnet sich Kauf eindeutig mehr als Leasing?
Ich fahre das Auto ausschließlich privat, kein Firmenwagen oder so. Das monatliche Budget wäre klar definiert, aber ich will halt nicht in 3 Jahren mit leeren Händen dastehen weil ich nichts aufgebaut hab.
Freue mich über Erfahrungen und ehrliche Meinungen!
S.Hoffmann89 hat das gut zusammengefasst. Ich ergänze noch aus technischer Sicht: Schau dir unbedingt den sogenannten effektiven Jahreszins im Leasingvertrag an, den viele Händler gerne weglassen oder kleindrucken. Der lässt sich ausrechnen wenn man den Restwert kennt – das steht im Vertrag.
Ein weiterer Punkt der oft vergessen wird: Du bist bei Leasing vollständig an die Werkstattbindung geknüpft in vielen Verträgen. Das bedeutet höhere Servicekosten als bei freien Werkstätten.
Für Privatpersonen ist Leasing meiner Einschätzung nach nur dann sinnvoll wenn:
1. Man wirklich alle 3 Jahre ein neues Auto will und das einkalkuliert
2. Man die Liquidität nicht für einen Kauf aufbringen will/kann
3. Man die Risiken (Kilometer, Zustand) sauber managen kann
Wenn dir Vermögensaufbau wichtig ist – und das klingt so – dann ist ein günstiger Gebrauchtwagen-Kauf langfristig fast immer die bessere Entscheidung.
Kurz gesagt: Privat-Leasing ist in den meisten Fällen die teuerste Art ein Auto zu nutzen. Der steuerliche Vorteil den Gewerbetreibende haben fällt für dich komplett weg – und genau darauf ist das Geschäftsmodell ausgelegt.
Zu deinen konkreten Punkten: Kilometerüberschreitung wird meist mit 8–15 Cent pro Kilometer berechnet, das klingt wenig summiert sich aber schnell. Bei 5.000 km Überschreitung zahlst du bis zu 750 Euro extra. Für Roadtrips im Sommer solltest du das wirklich einkalkulieren.
Schönheitsreparaturen sind tatsächlich ein heißes Thema. Die Leasinggesellschaften haben da teils sehr strenge Maßstäbe, ein normaler Parkrempler kann da schon als 'übermäßige Abnutzung' gelten.
Mein Rat: Rechne den Gesamtbetrag durch – Sonderzahlung plus alle Monatsraten. Bei deinem Angebot wärst du nach 36 Monaten bei 2.500 + (36 × 289) = 12.904 Euro. Dafür besitzt du... nichts. Das ist die ehrliche Wahrheit.
Ich seh das tatsächlich etwas anders als die Vorposter. Leasing muss nicht automatisch die schlechtere Wahl sein, es kommt halt stark auf die Konditionen an.
Wir haben vor zwei Jahren ein Auto geleast und es hat gut funktioniert – aber wir haben vorher sehr genau verglichen und die Kilometer großzügig kalkuliert. 10.000 km pro Jahr ist für viele Leute zu wenig, besonders wenn man Ausflüge plant. Ich würde mindestens 15.000 km nehmen, auch wenn die Rate dann höher wird. Die Nachzahlung am Ende schmerzt viel mehr.
Zur Restwertfrage: Lass dir vom Händler schriftlich geben was als 'normale Abnutzung' gilt. Manche haben sogar Fotos beim Übergabeprotokoll, das spart Streit.
Und ja, der Vermögensaufbau-Aspekt ist real. Nach 3 Jahren Leasing fängst du von vorne an. Wer das Auto als Investition sieht, solte kaufen. Wer einfach mobil sein will ohne große Anfangsauslage, kann Leasing sinnvoll finden.
Ich betreibe selbst ein kleines Unternehmen und nutze Leasing gewerblich – das ist ein völlig anderer Kontext als bei dir. Der Steuervorteil macht bei uns wirklich einen Unterschied, privat würde ich das nie machen.
Was ich noch ergänzen möchte: Bei der Rückgabe unbedingt auf das Übergabeprotokoll bestehen und alles fotografieren bevor du unterschreibst. Ich hab von Bekannten gehört die da böse Überraschungen erlebt haben, teils Wochen nach der Rückgabe noch Rechnungen bekommen für angebliche Schäden.
Außerdem: Die 2.500 Euro Sonderzahlung zu Beginn sind wirtschaftlich eigentlich eine Monatszahlungs-Subvention. Die senken nur die Rate optisch – du zahlst die genauso, nur vorab. Das sollte man im Hinterkopf behalten.