Hallo zusammen,
ich führe seit gut vier Jahren einen kleinen Betrieb (Dienstleistungsbereich, muss ich hier nicht genauer ausführen) und überlege schon länger, ob ich meine Finanzen auf mehrere Geschäftskonten aufteilen sollte. Konkret stelle ich mir vor:
– ein Hauptkonto für laufende Einnahmen und Ausgaben
– ein separates Konto nur für Steuern und Rücklagen (USt., ESt. etc.)
– eventuell noch ein drittes für projektbezogene Ausgaben
Die Idee dahinter ist, dass ich nicht mehr jedes Mal gedanklich rechnen muss, was "wirklich" verfügbar ist und was schon für das Finanzamt reserviert sein sollte. Gerade jetzt im Sommer habe ich ein größeres Projekt laufen und merke wieder, wie schnell Einnahmen und Ausgaben durcheinandergeraten, wenn alles auf einem Haufen liegt.
Andererseits frage ich mich: Wird das nicht unnötig kompliziert? Drei Konten bedeuten drei Gebührenmodelle, drei DATEV-Exporte für den Steuerberater, drei mal nachschauen... Mein Steuerberater hat das Thema bisher nicht aktiv angesprochen, also weiß ich nicht ob er das gutheißt oder eher abraten würde.
Hat jemand von euch Erfahrung damit, ob das in der Praxis wirklich hilft oder ob man das auch anders lösen kann ohne Mehrfachkonten? Was sind eure Setups?
Danke schon mal,
Wolfgang
Ich würd da kurz einhaken: Das mit dem separaten Steuerkonto klingt erstmal logisch, aber für mich persönlich war es eher mehr Aufwand als Nutzen. Ich hab das eine Zeit lang so geführt und am Ende musste meine Buchhalterin trotzdem alles manuell zusammenführen, weil die Konten bei zwei verschiedenen Banken lagen und der Export nicht kompatibel war.
Kann natürlich sein, dass du da heute bessere Lösungen findest – das war bei mir noch vor einigen Jahren. Hab das thema auch mal in einem anderen Zusammenhang angeschnitten, als ich mich mit versteckten Nebenkosten bei verschiedenen Finanzprodukten beschäftigt habe. Gleiche Logik gilt hier: Schauen was wirklich unterm Strich rauskommt.
Mein Rat: Erstmal deinen Steuerberater fragen bevor du irgendwas umstellst. Der weiß am besten ob das für dein Setup Sinn macht.
Hey Wolfgang, das Thema kenne ich aus eigener Erfahrung ein bisschen – ich hab mich da selbst schon durch ein paar Foren gewühlt. Grundsätzlich machen das tatsächlich viele so, gerade das separate Steuerkonto ist ein echter Klassiker. Einfach jeden Monat einen festen Prozentsatz der Einnahmen rüberüberweisen, dann ist das Geld mental und buchhalterisch weg. Das hilft wirklich.
Ob du dann noch ein drittes für Projekte brauchst, hängt davon ab wie komplex deine Projekte sind. Wenn du nur ein Großprojekt gleichzeitig hast, würde ich mir das sparen. Zwei Konten sind noch handhabbar, bei dreien wirds schnell unübersichtlich – zumindest wenn man kein automatisiertes Buchhaltungstool nutzt.
Was die Gebühren angeht: Es gibt Konten ohne monatliche Grundgebühr, da entstehen keine echten Mehrkosten. Kommt halt auf die Anbieter an, die du nutzt.
Kurz von mir: Hab mich mit dem Thema Konten-Setup auch schon für den Wechsel beschäftigt (siehe mein Post dort). Zwei Konten ist der Standard den die meisten empfehlen und der auch in der Praxis funktioniert. Drei klingt nach mehr Kontrolle, ist aber meistens Overengineering. Die Spaces-Lösung die Matthias82 nennt ist tatsächlich der smarte Mittelweg – da würde ich anfangen.
Ich seh das etwas anders als ThomasK oben – ich finde auch drei Konten können sinnvoll sein, kommt halt auf das Tool an das man nutzt. Wenn du sowas wie Kontist, Qonto oder ein anderes modernes Geschäftskonto mit Unterkonto-Funktion nimmst, dann ist das keine Raketenwissenschaft mehr. Die meisten dieser Anbieter erlauben virtuelle Unterkonten oder sog. "Spaces", also du hast technisch ein Konto aber kannst das Geld intern aufteilen ohne drei verschiedene IBANs zu verwalten.
Hab das selbst bei meinen Sommerprojekten so gemacht – du siehst sofort in der App wie viel wirklich freies Betriebskapital da ist, wieviel Steuern zurückgelegt sind usw. Das ist eigentlich genau das was du beschreibst, nur ohne den Overhead von drei echten Bankkonten. Ich hatte dazu auch mal was im vivid-Business-Thread geschrieben falls dich das interessiert.
Kurz: Virtuele Aufteilung statt echte Mehrfachkonten – probiers mal.