Hallo zusammen,
ich überlege schon eine Weile, ob es sinnvoll wäre, ein Geschäftskonto in einem Nicht-EU-Land zu eröffnen. Mein Hintergrund: Ich bin selbständig, mache hauptsächlich digitale Dienstleistungen und habe Kunden in mehreren Ländern außerhalb Europas – u.a. in der Schweiz, Singapur und den USA. Die Zahlungseingänge in Fremdwährung kosten mich bei meiner deutschen Hausbank jedes Mal spürbar Gebühren, das nervt auf Dauer wirklich.
Jetzt lese ich viel über Konten z.B. in der Schweiz, in Georgien oder auch auf Zypern – wobei Zypern ja noch EU ist, also anderes Thema. Manche Leute schwärmen davon, andere warnen vor massiven Compliance-Problemen mit dem deutschen Finanzamt.
Meine konkreten Fragen:
- Muss ich ein solches Konto zwingend beim deutschen Finanzamt melden? Und wenn ja, wie genau läuft das?
- Was passiert steuerlich, wenn Umsätze dort liegen, ich aber in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig bin?
- Gibt es praktische Probleme mit deutschen Geschäftspartnern oder Behörden, wenn das Hauptkonto im Ausland ist?
- Hat jemand konkrete Erfahrungen mit Konten z.B. bei Schweizer Kantonalbanken oder georgischen Banken gemacht?
Wir haben gerade Sommerhochsaison und ich komm kaum zum Recherchieren, deswegen frag ich hier. Danke schon mal!
Zur Meldepflicht kurz vorab: Ja, als in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtiger Unternehmer bist du verpflichtet, ausländische Konten in der Steuererklärung anzugeben (Anlage AUS bzw. bei Kapitalerträgen Anlage KAP). Dazu kommt die sog. Außenwirtschaftsverordnung – Bestände über 12.500 EUR auf ausländischen Konten sind der Bundesbank zu melden. Das wird von vielen ignoriert, ist aber tatsächlich Pflicht.
Ich hab mich mit dem Thema Investorentransparenz schon länger beschäftigt, und da spielt die Kontostruktur eine ähnliche Rolle wie hier – wer was sehen kann und wer Rechenschaft schuldet. Dazu hatte ich hier mal was geschrieben: Transparenz für Investoren: Wie detailliert müssen Kontobewegungen sein?
Zum steuerlichen Kernpunkt: Deine Umsätze bleiben in Deutschland steuerpflichtig, egal auf welchem Konto das Geld eingeht. Das Konto im Ausland ändert an der steuerlichen Zuordnung erstmal nichts. Was sich ändert ist der administrative Aufwand – Kontoauszüge auf Deutsch übersetzen lassen (für den Steuerberater), ggf. Devisenkursunterschiede buchen etc. Das unterschätzen viele.
Ich würde da ehrlich gesagt erstmal einen Schritt zurückgehen. Die Frage ist doch: welches Problem willst du konkret lösen? Wenn es rein um die Wechselkursgebühren geht, dann schau dir Wise Business oder Airwallex an. Die haben multi-currency Konten mit deutschen IBAN-Optionen und sind steuerlich völlig unkompliziert, weil EU-reguliert.
Ein echtes Konto bei einer Schweizer Kantonalbank klingt erstmal solide, aber der Eröffnungsprozess für nicht in der Schweiz ansässige Unternehmen ist seit ein paar Jahren massiv erschwert worden. Die meisten Kantonalbanken nehmen gar keine deutschen GmbHs oder Einzelunternehmer mehr ohne Schweizer Niederlassung. Hab das selbst vor zwei Jahren versucht – Absage nach 6 Wochen.
Georgien ist interessant für Leute, die dort tatsächlich steuerlich ansässig sind. Als deutscher Steuerpflichtiger löst das aber keines deiner Probleme, sondern schafft nur neue. Das Finanzamt schaut da mittlerweile sehr genau hin.
Ich hab in letzter Zeit viel zum Thema Kontostruktur für Startups und kleinere Unternehmen gelesen, auch im Zusammenhang mit dem was ich hier im Forum so mitverfolge. Zum Thema Geschäftskonto außerhalb der EU möchte ich noch einen praktischen Punkt ergänzen den bisher niemand erwähnt hat: SEPA.
Wenn dein Hauptkonto außerhalb der EU liegt, hast du keine deutsche oder EU-IBAN. Das klingt erstmal egal, ist es aber nicht – viele deutsche Geschäftspartner, Vermieter, Softwareanbieter, Leasingfirmen bestehen auf SEPA-Lastschrift oder akzeptieren nur EU-IBANs für Überweisungen. Ich hab das aus zweiter Hand von einem Bekannten, der das genau so gebaut hatte und dann für den deutschen Alltag doch ein zweites Konto hier brauchte. Am Ende hatte er also zwei Konten, doppelten Aufwand und keine wirkliche Ersparnis.
Dein Anliegen ist aber berechtigt. Schau dir wirklich erstmal die Fintech-Optionen an bevor du mit Kantonalbanken anfängst. Das spart im Sommer auch deutlich Zeit – Bankeröffnungen im Ausland ziehen sich gerne mal bis Herbst.
Da muss ich TobiasR zustimmen, auch wenn ich das etwas differenzieren würde. Es gibt durchaus legitime operative Gründe für ein Auslandskonto – zum Beispiel wenn ein Großkunde im Nicht-EU-Ausland ausschließlich auf lokale Bankverbindungen besteht, oder wenn du regelmäßig in einer Fremdwährung Rechnungen stellst und das Geld dort parkst, bevor du konvertierst.
Das ist aber was anderes als ein strukturelles Steueroptimierungsmodell. Und ich glaub der Fragesteller meint eher letzteres, wenn er von Georgien schreibt.
Ich beschäftige mich schon länger mit Kapitalanlage und Portfoliostruktur (bin halt eher der ETF-Typ, wie einige hier vielleicht wissen), und das Prinzip gilt auch hier: Komplexität kostet immer. Die Frage ist ob der Nutzen die Kosten – Zeit, Steuerkomplexität, Beraterhonorare – überwiegt. Meistens tut er das nicht, wenn man nur ein paar Tausend Euro Gebühren im Jahr sparen will.