Hallo zusammen,
ich stehe gerade kurz vor einem Gespräch mit meiner Vorgesetzten und mache mir ehrlich gesagt ein bisschen Sorgen, dass ich nicht die richtigen Argumente bringe. Ich bin seit knapp 4 Jahren im selben Unternehmen, habe zuletzt ein größeres Projekt geleitet das ziemlich gut gelaufen ist, und mein Gehalt ist seit über zwei Jahren nicht angepasst worden – obwohl die Inflation in der Zeit ja nicht geschlafen hat.
Mein Problem: Ich weiß nicht genau, wie ich das Gespräch strukturieren soll. Reicht es, einfach zu sagen "ich möchte mehr Geld" und auf Marktvergleiche zu verweisen? Oder brauche ich konkrete Zahlen, also wirklich belegen was ich zum Unternehmenserfolg beigetragen habe?
Ich habe auch gelesen, dass man einen konkreten Betrag nennen soll und nicht auf ein Angebot warten. Stimmt das? Und wie sieht es aus, wenn man gleichzeitig noch eine Beförderung anstrebt – beides zusammen ansprechen oder lieber trennen?
Das Gespräch ist für Anfang Juli geplant, also kurz vor der Urlaubswelle. Ich frage mich, ob das ein guter Zeitpunkt ist oder ob meine Chefin dann schon gedanklich im Urlaub ist und das eher schadet.
Würde mich über Erfahrungen und konkrete Tipps freuen, gerne auch was ihr persönlich erlebt habt.
Konkrete Leistungsnachweise > abstrakte Argumente. Immer. Den Rest kann man sich meistens sparen.
Ich sehe das ein bisschen anders als MarkusFrenzel was den Zeitpunkt betrifft. Muss nicht zwingend schlecht sein – kommt auf die Chefin an. Manche wollen solche Gespräche lieber vor dem Urlaub abschließen als danach einen Berg aufgestauter Themen zu haben.
Was ich aus eigener Erfahrung sagen kann: Der häufigste Fehler ist, zu emotional zu argumentieren. 'Ich arbeite so viel' oder 'ich verdiene das' klingt für die Gegenseite schnell nach Jammern. Sachlich und zahlenbasiert ist besser.
Wichtig ist auch die Vorbereitung auf Einwände. Was sagst du, wenn die Chefin sagt 'das Budget gibt das gerade nicht her'? Hast du eine Antwort? Kannst du eine zeitlich versetzte Erhöhung anbieten, oder variable Gehaltsanteile als Übergangslösung ins Spiel bringen? Wer flexibel verhandelt statt auf einer Zahl zu beharren, kommt oft weiter.
Ach ja – ich hab mich da früher auch mit dem Thema Altersvorsorge und wie man das in Gehaltsverhandlungen einbezieht beschäftigt, z.B. ob man Arbeitgeberzuschüsse zur bAV als Teil des Pakets verhandeln kann. Das wird oft vergessen, ist aber bares Geld wert.
Der Zeitpunkt Anfang Juli ist tatsächlich nicht ideal, das würd ich mir nochmal überlegen. Kurz vor der Urlaubssaison sind viele Führungskräfte schon in Gedanken woanders, und Entscheidungen die Geld kosten werden dann gerne vertagt – bis nach dem Urlaub, und dann gerät es in Vergessenheit.
Zum eigentlichen Inhalt: Marktvergleiche allein reichen meistens nicht. Was wirklich zieht sind messbare Ergebnisse. Du sagst das Projekt lief gut – aber was heißt das konkret? Hat es Kosten gespart? Umsatz gebracht? Risiken abgewendet? Wenn du das in Zahlen packen kannst, ist das viel schlagkräftiger als 'der Gehaltsvergleich bei Stepstone sagt X'.
Einen konkreten Betrag nennen stimmt, ja. Wer wartet bis der Chef ein Angebot macht, landet meistens unten. Lieber etwas höher einsteigen als du eigentlich willst, dann hast du Verhandlungsspielraum.
Beförderung und Gehaltserhöhung gleichzeitig: würd ich trennen. Zwei Baustellen auf einmal macht das Gespräch unübersichtlich. Erstmal Gehalt klären, Beförderung kann ein eigenes Gespräch sein – oder du verknüpfst beides als Paket, aber dann musst du sehr klar formulieren was du willst.