Hi zusammen,
meine Freundin und ich hatten gestern wieder eine Diskussion über unsere Finanzen. Sie meint, ich bin total naiv, weil ich mein ganzes Erspartes (ca. 8.000€) auf einem Tagesgeldkonto mit 1,5% Zinsen liegen habe. Ihrer Meinung nach verliere ich trotzdem Geld, weil die Inflation höher ist.
Ich dachte immer, 1,5% ist doch besser als nichts? Früher gab's ja praktisch keine Zinsen. Aber sie zeigt mir ständig Artikel über 3% Inflation und rechnet vor, dass ich real 1,5% Verlust mache.
Jetzt bin ich total verunsichert. Stimmt das wirklich? Sollte ich das Geld woanders anlegen? Sie redet ständig von ETFs, aber ehrlich gesagt hab ich da noch nicht so den Durchblick. Als ich meine Winterabrechnung bekommen hab, war ich froh, dass ich überhaupt was gespart habe...
Wie seht ihr das? Ist Tagesgeld mit 1,5% wirklich ein Verlustgeschäft? Und falls ja - was sind realistische Alternativen für jemanden wie mich, der sich mit Börse noch nicht so auskennt?
Danke schonmal für eure Hilfe!
Hey Lena!
Kann deine Freundin gut verstehen - mathematisch hat sie Recht. Aber lass dich nicht unter Druck setzen! 1,5% ist immer noch besser als die 0,01% die es lange gab.
Ich würde vorschlagen: Teil das Geld auf. 3-4k als Notgroschen aufs Tagesgeld, den Rest kannst du schrittweise in ETFs investieren. Fang klein an, zum Beispiel mit nem MSCI World oder All-World ETF über nen Sparplan.
Aber informier dich vorher gut! Lies ein paar Bücher (Kommer ist gut für den Einstieg) oder schau dir YouTube-Kanäle an. Börse ist nicht kompliziert, aber man sollte verstehen was man tut.
Und keine Panik - auch wenn du erstmal bei deinen 1,5% bleibst, ist das kein Weltuntergang. Lieber langsam und durchdacht rangehen als kopflos investieren.
Junge Dame,
Ihre Freundin hat mathematisch recht, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ich bin seit über 30 Jahren an der Börse und habe schon einige Krisen miterlebt.
Tagesgeld mag real Geld kosten, aber es ist planbar und sicher. ETFs können durchaus bessere Renditen bringen - aber sie können auch 20% oder mehr verlieren, wie wir 2022 gesehen haben. Die Frage ist: Können Sie damit leben, wenn Ihr Depot mal 1.500€ im Minus steht?
Mein Rat: Behalten Sie einen Teil als Sicherheitspuffer auf dem Tagesgeld. Mit dem Rest können Sie gerne experimentieren, aber bitte mit Verstand und nicht auf Zuruf der Freundin. Ich kenne das schon von Kollegen, die einem ständig zureden - meist endet das nicht gut.
Inflation ist ärgerlich, aber Panikverkäufe bei Börsencrash sind schlimmer.
Hallo Lena,
deine Freundin hat grundsätzlich recht - wenn die Inflation bei 3% liegt und du nur 1,5% Zinsen bekommst, verlierst du real 1,5% Kaufkraft pro Jahr. Das heißt, deine 8.000€ können nach einem Jahr nur noch Waren im Wert von etwa 7.880€ (nach heutiger Kaufkraft) kaufen.
Allerdings ist die Sache nicht ganz so schwarz-weiß. Tagesgeld hat den Vorteil der völligen Sicherheit und Flexibilität. Wie ich schon mal in einem ähnlichen Thread geschrieben habe, solltest du dir erstmal überlegen, wofür das Geld gedacht ist.
Für deinen Notgroschen (3-6 Monatsausgaben) ist Tagesgeld trotz Inflation die richtige Wahl. Für langfristige Ziele könntest du über ETFs nachdenken - aber bitte erst nach gründlicher Einarbeitung. Spring nicht blind ins kalte Wasser, nur weil deine Freundin drängt.
Wieviel von den 8.000€ brauchst du denn als eiserne Reserve?