Hallo zusammen,
als IT-Consultant beschäftige ich mich beruflich täglich mit Sicherheitsthemen, aber wenn es um mein eigenes Geschäftskonto geht, merke ich dass ich da manchmal betriebsblind bin. Ich teste gerade verschiedene FinTech-Lösungen für meine selbstständige Tätigkeit und stehe vor der Frage: Welche Sicherheitsfeatures sollte ein Online-Geschäftskonto 2024 zwingend mitbringen?
Konkret beschäftigen mich folgende Punkte:
- **Zwei-Faktor-Authentifizierung**: Ist Hardware-Token wirklich sicherer als App-basiertes TOTP? Oder übertreibe ich da als IT-Mensch?
- **Benutzerrollen**: Ich arbeite manchmal mit einer Teilzeitkraft zusammen, die Zugang zu Buchungen braucht, aber natürlich keine Überweisungsrechte haben soll. Nicht alle Anbieter scheinen das granular zu unterstützen.
- **Benachrichtigungen**: Push-Notifications bei jeder Kontobewegung, SMS oder beides? Was ist euer Standard?
- **API-Zugriff**: Wenn ich Buchhaltungssoftware anbinde, wie sicher ist das eigentlich? Lese-Token vs. Vollzugriff – manche Anbieter differenzieren da gar nicht.
Der Sommer ist irgendwie meine Zeit für solche Grundsatzüberlegungen, weil ich gerade etwas weniger Projekte laufen habe. Bin gespannt was hier so die Erfahrungen sind – besonders von Leuten die das selbst produktiv nutzen und nicht nur theoretisch betrachten.
Viele Grüße
Marco
Ich pack da mal meinen Senf dazu auch wenn ich kein Unternehmer bin 😄 Ich führe ja mein Haushaltsbuch sehr sorgfältig und auch mein privates Online-Banking nutze ich intensiv. Was mir auffällt: Ich habe mittlerweile bei meiner Bank eingestellt dass ich bei jeder Buchung eine Mail bekomme. Das klingt aufwendig aber ich merke sofort wenn was nicht stimmt. Für ein Geschäftskonto mit regelmäßigem Zahlungsverkehr würde ich das auf jeden Fall empfehlen – nicht nur Push sondern auch Mail als Backup. Einmal hat mich so eine Mail auf einen doppelten Dauerauftrag aufmerksam gemacht den ich vergessen hatte zu löschen.
ich hab zwar kein Geschäftskonto aber das Thema Sicherheit kenn ich von meinem normalen Konto. Die Benutzerrollen-Sache klingt wirklich wichtig wenn man Mitarbeiter hat, daran hätte ich selbst nicht gedacht ehrlich gesagt. Macht das jede Bank oder ist das eher was für teurere Konten?
Bei meiner Volksbank hab ich übrigens mal gefragt ob ich jemand anderem eingeschränkten Zugang geben kann und die haben mich fast ausgelacht, also ich schätz das ist bei Geschäftskonten auch nicht überall Standard 🙈
Interessante Frage, Marco. Ich bin zwar kein IT-Spezialist, aber aus meiner Erfahrung mit Unternehmensfinanzen und Finanzierungsberatung kann ich sagen: Das Thema Benutzerrollen wird von vielen Selbstständigen massiv unterschätzt. Ich habe Mandanten gehabt, die ihrer Buchhaltungskraft vollen Kontozugang gegeben haben – einfach weil es bequemer war. Das ist fahrlässig.
Was die technische Seite angeht: Hardware-Token ist in professionellen Umgebungen tatsächlich der Goldstandard, aber für einen Einzelunternehmer oder kleines Büro ist App-TOTP in den meisten Fällen ausreichend – solange das Gerät selbst gesichert ist. Ich habe das auch mal im Wise vs. traditionelle Bank Thread am Rande erwähnt: Die FinTechs holen bei Sicherheitsfeatures stark auf, haben aber beim Rollensystem noch Nachholbedarf gegenüber klassischen Firmenkunden-Portalen.
Mein Rat: Schreib die Anforderungen an Benutzerrollen und API-Berechtigungen in eine einfache Checkliste und filtere die Anbieter danach. Das spart Frust.
Marco, aus meiner langen Bankberaterzeit kann ich sagen: Die technischen Features sind wichtig, aber der menschliche Faktor wird bei Sicherheitsbetrachtungen fast immer unterschätzt. Social Engineering – also dass jemand telefonisch oder per Mail vorgibt, von der Bank zu sein und Zugangsdaten erfrägt – ist nach wie vor die häufigste Angriffsmethode auf Geschäftskonten, nicht das Knacken von 2FA.
Was ich Selbstständigen früher immer empfohlen habe: Legt intern klare Regeln fest wer unter welchen Umständen Kontodaten weitergibt. Keine Bank ruft an und fragt nach TANs – das ist eine simple Regel, aber ich war selbst überrascht wie viele Leute darauf hereingefallen sind. Auch im Dispo-Thread war das ja schon Thema am Rande: Wenn man bei der Bank gut vernetzt ist, weiß man auch, wie die dort wirklich kommunizieren.