Hallo zusammen,
ich betreibe seit ein paar Jahren ein kleines Gewerbe und hab bisher mein Geschäftskonto bei meiner Hausbank (Sparkasse). Die Gebühren sind ehrlich gesagt nicht ohne, und jetzt im Sommer wo ich ein paar größere Projekte anschiebe – unter anderem eine neue Klimaanlage für den Betrieb und etwas Material für den Herbst – überleg ich, ob ich nicht zu einer Neobank wechseln soll. Qonto, Kontist, Fyrst – die werden ja überall empfohlen und sind deutlich günstiger.
Aber ich mach mir ehrlich gesagt Sorgen um die Einlagensicherung. Bei der Sparkasse weiß ich: das ist eine deutsche Bank, Einlagensicherungsfonds, alles geregelt. Aber bei diesen Neobanken – da steckt ja oft irgendeine Partnerbank dahinter oder die sitzen in anderen EU-Ländern. Wenn da was schief geht, was passiert dann mit meinem Geld?
Ich hab keine riesigen Summen auf dem Konto, aber es sind Beträge die schmerzen würden wenn sie weg wären. Und für Geschäftskonten gilt ja angeblich auch die 100.000€ Grenze – aber stimmt das wirklich für Gewerbekunden, oder ist das nur für Privatpersonen?
Vielleicht hat hier jemand konkrete Erfahrungen oder weiß genau wie das rechtlich aussieht. Wäre echt dankbar.
Naja, ich seh das etwas pragmatischer als Thomas oben. Klar ist die Einlagensicherung wichtig, aber mal ehrlich: Wann ist zuletzt eine EU-Bank wirklich pleite gegangen und Kunden haben ihr Geld verloren? Das Risiko wird meistens überschätzt.
Für mich ist die eigentliche Frage: Was brauchst du im Alltag? Wenn du viel Bargeld einzahlst oder einen persönlichen Ansprechpartner brauchst wenn mal was klemmt, dann bleib bei der Sparkasse. Die Filiale hat halt ihren Preis.
Wenn du aber hauptsächlich online überweist, Rechnungen empfängst und ein bisschen Buchhaltungsintegration brauchst – dann ist ne Neobank für viele Gewerbetreibende heute absolut ausreichend. Ich hab mein Konto seit zwei Jahren bei so nem Anbieter und hab noch nie Probleme gehabt. Die App läuft auch bei 35 Grad im Büro besser als das Online-Banking mancher Filialbanken 😄
Zur 100.000€ Grenze: Stimmt was Thomas schreibt. Aber schau dir auch an ob dein Anbieter dem deutschen Einlagensicherungsfonds angehört oder nur dem EU-Mindeststandard. Da gibts Unterschiede in der Praxis.
Die Frage kenne ich gut – hab mich damit auch intensiv beschäftigt, weil ich selbst mehrere Währungskonten betreibe und da die Frage nach der Absicherung sehr real ist (hab dazu mal was im Wise vs traditionelle Bank Thread geschrieben).
Kurz zur Einlagensicherung: Die EU-weit geltende Einlagensicherungsrichtlinie (DGSD) sieht grundsätzlich 100.000€ pro Einleger und Bank vor – das gilt auch für Geschäftskonten von Einzelunternehmern und Personengesellschaften. Bei GmbHs und anderen Kapitalgesellschaften ist es etwas komplizierter, da gelten in manchen Ländern Einschränkungen. Du solltest also genau prüfen, in welchem Land die Partnerbank lizenziert ist und welchem Sicherungssystem sie angehört.
Qonto zum Beispiel hat eine französische Banklizenz – Einlagensicherung über das französische FGDR bis 100.000€. Das ist regulatorisch solide. Fyrst läuft über die Deutsche Bank, da bist du im deutschen System. Kontist arbeitet mit der Solaris Bank zusammen, ebenfalls deutsches System.
Das Risiko ist also bei seriösen Anbietern überschaubar. Was ich aber empfehle: Halte nur Betriebsmittel auf dem Konto, keine Reserven. Die kommen besser auf ein separates Festgeld oder Tagesgeld.
Ich hab mich mit der Frage auch schon auseinandergesetzt, gerade beim Thema Einzelunternehmer-Konten (siehe mein Beitrag im Einzelunternehmer-Thread). Mein Fazit nach langer Überlegung: Das Sicherheitsargument alleine rechtfertigt nicht automatisch höhere Gebühren bei der Filialbank. Die Einlagensicherung ist in der EU für alle lizenzierten Banken vergleichbar geregelt. Was wirklich unterscheidet ist die Erreichbarkeit im Problemfall – und da haben Filialbanken nach wie vor einen Vorteil, gerade wenn es um Lastschriftrückgaben, Kontofreigaben nach Betrugsfall oder ähnliches geht. Bei einer Neobank bist du dann oft mit Chat und Wartezeit auf dich allein gestellt.