Seite wählen

ING: Lohnt sich der Wechsel zur Direktbank wirklich?

Es ist Sonntagabend, und Sarah sitzt mit einer Tasse Tee am Küchentisch. Vor ihr liegen die Kontoauszüge der letzten drei Monate – ausgedruckt, weil ihre Filialbank für den Online-Zugang tatsächlich noch extra Gebühren verlangt. Sie rechnet zusammen: 6,90 Euro monatliche Kontoführung, 1,50 Euro für die Girocard, einmal 2 Euro für eine Überweisung am Schalter, weil die App mal wieder nicht funktionierte. Fast 120 Euro im Jahr für ein Konto, das sie eigentlich nur zum Gehalt-Empfangen und Rechnungen-Bezahlen nutzt. Am Montag hatte ihre Kollegin Lisa wieder von ihrer ING geschwärmt – null Euro Kontoführung, alles läuft übers Smartphone, Bargeld gibts am Supermarkt. Sarah fragt sich: Ist das zu schön, um wahr zu sein? Und was passiert, wenn mal etwas schiefgeht und keine Filiale in der Nähe ist?

Falls du dich in dieser Situation wiedererkennst, bist du nicht allein. Der Wechsel von einer traditionellen Filialbank zu einer Direktbank ist für viele Menschen ein Schritt, der sich gleichzeitig verlockend und ein wenig riskant anfühlt. Dieser Artikel hilft dir dabei, die ING realistisch einzuschätzen – mit allen Stärken und den Punkten, über die du vorher Bescheid wissen solltest.


Wer steckt eigentlich hinter der ING?

Bevor du dein Geld einer Bank anvertraust, ist es sinnvoll zu wissen, mit wem du es zu tun hast. Die ING in Deutschland ist kein Start-up, das gestern gegründet wurde, sondern eine Bank mit langer Geschichte und solider Konzernstruktur im Rücken.

Die deutsche ING gehört zur niederländischen ING Groep, einem der größten Finanzdienstleister Europas. Die Muttergesellschaft ist an der Börse notiert und unterliegt strengen europäischen Bankenregulierungen. Das bedeutet für dich: Deine Einlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt, und du hast es mit einem Unternehmen zu tun, das nicht von heute auf morgen vom Markt verschwinden wird.

Die deutsche Tochter wurde bereits 1965 als „Bank für Sparanlagen und Vermögensbildung” gegründet – ein etwas sperriger Name, der später zur eingängigeren Bezeichnung ING-DiBa wurde. Das Kürzel DiBa stand dabei für Direktbank, also eine Bank ohne eigenes Filialnetz. Seit 2018 firmiert das Unternehmen schlicht unter dem Namen ING und hat sich damit international an die Marke der Muttergesellschaft angepasst.

Mit über neun Millionen Kundinnen und Kunden ist die ING heute eine der größten Direktbanken in Deutschland. Diese Größe hat praktische Vorteile: Die technische Infrastruktur ist ausgereift, die Banking-App wird kontinuierlich weiterentwickelt, und der Kundenservice ist auf hohe Anfragezahlen eingestellt.


Das Girokonto bei der ING: Wirklich kostenlos?

Das Girokonto ist das Herzstück der Kundenbeziehung bei jeder Bank, und hier punktet die ING mit einem auf den ersten Blick attraktiven Angebot. Allerdings gibt es eine wichtige Bedingung, die du kennen solltest, bevor du den Wechsel vollziehst.

Die Kontoführung ist kostenlos, wenn monatlich mindestens 700 Euro auf dem Konto eingehen. Dabei zählt jeder Geldeingang – Gehalt, Rente, BAföG, aber auch regelmäßige Überweisungen von anderen Konten. Für die meisten Angestellten mit normalem Einkommen ist diese Hürde problemlos zu nehmen. Falls du jedoch den Mindesteingang nicht erreichst, berechnet die ING eine monatliche Kontoführungsgebühr. Diese ist zwar überschaubar, aber du solltest sie einkalkulieren, wenn dein Einkommen schwankt oder du das Konto nur als Zweitkonto nutzen möchtest.

Zum Konto gehört automatisch eine Visa-Debitkarte, und hier ist ein kleiner, aber wichtiger Unterschied zu verstehen. Anders als eine klassische Kreditkarte, bei der du einmal im Monat eine Gesamtrechnung erhältst, wird bei einer Debitkarte jede Zahlung sofort von deinem Girokonto abgebucht. Du gibst also nur Geld aus, das du tatsächlich hast – für viele Menschen ein Vorteil, weil es die Kontrolle über die Finanzen erleichtert. Allerdings akzeptieren manche Autovermietungen oder Hotels nur echte Kreditkarten, weil sie eine Kaution blockieren möchten. Für solche Fälle bietet die ING eine zusätzliche Visa-Kreditkarte an, die du separat beantragen kannst.

Bargeld bekommst du mit der Visa-Debitkarte an allen Geldautomaten, die das Visa-Zeichen tragen – das sind in Deutschland ziemlich viele, vor allem in Supermärkten und Einkaufszentren. Außerdem kannst du an vielen Supermarktkassen Bargeld abheben, wenn du gleichzeitig einen kleinen Einkauf tätigst. Im europäischen Ausland funktioniert das Abheben mit der Visa-Karte in der Regel ebenfalls kostenlos, bei Währungen außerhalb des Euro-Raums fällt allerdings eine Fremdwährungsgebühr an.

Falls du die klassische Girocard für deinen Alltag brauchst – etwa weil bestimmte Händler in deiner Umgebung nur diese akzeptieren oder weil dein Arbeitgeber eine Kantinenkarte damit verknüpft hat – kannst du sie gegen eine monatliche Gebühr dazubuchen. Die ING versucht allerdings, Kunden zur Nutzung der Visa-Debitkarte zu bewegen, die mittlerweile nahezu überall funktioniert, wo früher nur die Girocard angenommen wurde.


Sparen und Anlegen bei der ING: Mehr als nur ein Girokonto

Eine Bank ist mehr als nur ein Ort, an dem dein Gehalt landet und von dem deine Miete abgeht. Die ING bietet auch Möglichkeiten, Geld zurückzulegen und langfristig Vermögen aufzubauen – und diese Produkte verdienen einen genaueren Blick.

Das bekannteste Sparprodukt der ING ist das Extra-Konto, ein klassisches Tagesgeldkonto. Tagesgeld bedeutet: Du kannst jederzeit Geld einzahlen und wieder abheben, es gibt keine Kündigungsfristen, und dein Geld ist täglich verfügbar. Dafür sind die Zinsen normalerweise niedriger als bei Festgeld, wo du dein Geld für einen bestimmten Zeitraum fest anlegst.

Die ING wirbt regelmäßig mit attraktiven Neukundenaktionen, bei denen für die ersten Monate ein erhöhter Zinssatz gilt. Nach Ablauf dieser Frist sinkt der Zins dann auf den regulären Satz. Dieses Modell ist in der Branche üblich und kein Grund zur Sorge – du solltest nur wissen, dass der anfänglich beworbene Zins nicht dauerhaft gilt. Ein Vergleich mit anderen Anbietern lohnt sich, wobei die ING im Marktvergleich meist im soliden Mittelfeld liegt, manchmal auch etwas darüber.

Für alle, die über das reine Sparen hinausdenken, bietet die ING auch ein Wertpapierdepot an. Hier kannst du Aktien, Fonds und ETFs kaufen und verwalten. Besonders interessant für langfristig orientierte Anleger: Die ING bietet eine ordentliche Auswahl an ETF-Sparplänen, die du ohne zusätzliche Ausführungsgebühren besparen kannst. ETFs, also börsengehandelte Indexfonds, sind eine kostengünstige Möglichkeit, breit gestreut in den Aktienmarkt zu investieren – ideal für alle, die regelmäßig einen festen Betrag anlegen möchten, ohne sich jeden Monat aktiv um ihre Geldanlage kümmern zu wollen.

Die Benutzeroberfläche für das Depot ist übersichtlich gestaltet und eignet sich gut für Einsteiger. Wer jedoch häufig und aktiv handelt oder sehr spezielle Wertpapiere sucht, findet bei spezialisierten Online-Brokern möglicherweise eine größere Auswahl und niedrigere Ordergebühren. Die ING ist hier eine gute Wahl für alle, die Girokonto, Tagesgeld und Depot bequem unter einem Dach haben möchten, aber nicht unbedingt für Trading-Profis.


Der Alltag mit der ING: Vom Kontowechsel bis zum Kundenservice

Theorie ist das eine, aber wie fühlt sich die ING im täglichen Gebrauch an? Hier geht es um die praktischen Dinge: Wie eröffnest du ein Konto, wie gut funktioniert die App, und was passiert, wenn du ein Problem hast?

Die Kontoeröffnung läuft komplett digital ab. Du füllst online einen Antrag aus, der vielleicht zehn Minuten deiner Zeit kostet. Anschließend musst du deine Identität nachweisen – das Bankwesen ist stark reguliert, und die Bank muss sicher sein, dass du wirklich du bist. Dafür gibt es zwei Wege: Beim Video-Ident hältst du deinen Personalausweis in die Kamera deines Smartphones oder Computers und wirst von einem Mitarbeiter durch den Prozess geführt. Das dauert nur wenige Minuten und funktioniert auch abends oder am Wochenende. Alternativ gibt es das Post-Ident-Verfahren, bei dem du mit deinem Ausweis zur nächsten Postfiliale gehst und dort deine Identität bestätigen lässt. Etwas umständlicher, aber manche Menschen fühlen sich damit wohler.

Nach erfolgreicher Legitimation bekommst du deine Zugangsdaten und Karten per Post. Der gesamte Prozess dauert in der Regel etwa eine Woche. Die ING bietet außerdem einen Kontowechselservice an, der dir hilft, Lastschriften und Daueraufträge vom alten Konto zu übertragen. Seit einigen Jahren sind Banken gesetzlich verpflichtet, diesen Service anzubieten, und bei der ING funktioniert er erfahrungsgemäß reibungslos.

Die Banking-App der ING ist ausgereift und gehört zu den besser bewerteten im deutschen Markt. Du siehst auf einen Blick deine Kontostände, kannst Überweisungen tätigen, Daueraufträge einrichten und deine Umsätze durchsuchen. Praktisch ist die Möglichkeit, Überweisungen per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung freizugeben – das spart Zeit und ist sicherer als eine vierstellige PIN. Auch das Depot lässt sich über die App verwalten, und du kannst Sparpläne einrichten oder anpassen. Die App wird regelmäßig aktualisiert und läuft auf den allermeisten Smartphones stabil.

Beim Kundenservice zeigt sich, was Direktbank in der Praxis bedeutet. Du erreichst die ING telefonisch oder per Chat in der App, und die Mitarbeiter sind in der Regel freundlich und kompetent. Die Wartezeiten schwanken je nach Tageszeit – wer morgens um halb zehn anruft, kommt schneller durch als freitagnachmittags. Für Standardanfragen wie Kartensperre oder Fragen zum Kontostand ist der Service völlig ausreichend.

Was die ING naturgemäß nicht bieten kann, ist persönliche Beratung vor Ort. Wenn du zu den Menschen gehörst, die bei wichtigen Finanzentscheidungen lieber einem Menschen gegenübersitzen, der sich Zeit für dich nimmt und Unterlagen gemeinsam durchgeht, dann wird dir dieser Aspekt fehlen. Das betrifft zum Beispiel komplexe Erbschaftsangelegenheiten, die Finanzierung einer

Häufig gestellte Fragen

Ist das Girokonto bei der ING wirklich kostenlos?

Ja, das Girokonto ist kostenlos, wenn monatlich mindestens 700 Euro eingehen. Andernfalls fällt eine Kontoführungsgebühr an.

Wie funktioniert die Kontoeröffnung bei der ING?

Die Kontoeröffnung erfolgt digital. Du kannst dich per Video-Ident oder Post-Ident legitimieren und erhältst deine Zugangsdaten per Post.

Welche Karten bietet die ING an?

Die ING bietet eine Visa-Debitkarte kostenlos an. Eine klassische Girocard kann gegen Gebühr hinzugebucht werden.

Wie sicher ist mein Geld bei der ING?

Deine Einlagen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt. Die ING unterliegt strengen europäischen Bankenregulierungen.

Bietet die ING auch Anlagemöglichkeiten?

Ja, die ING bietet Tagesgeldkonten und ein Wertpapierdepot an, inklusive ETF-Sparplänen ohne zusätzliche Ausführungsgebühren.

* Partnerprogrammhinweis: Wir erhalten ggf. eine Werbekostenverguetung, diese hilft uns das Forum zu betreiben. Fuer dich entstehen keine Mehrkosten.